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Hunger & Lust

Buchtipp: „Hunger & Lust“

Uwe Knop: Hunger & Lust Seit Jahren wird der Markt mit Diättipps, -konzepten und -ratgebern überschwemmt. Längst sind viele Verbraucher übersättigt und haben die Nase voll von schlauen Abnehmtipps. Da kommt die zweite Auflage des ersten Buches zur Kulinarischen Körperintelligenz „Hunger & Lust“ von Uwe Knopp gerade richtig. Mit seinem unterhaltsamen, ironischen Unterton analysiert und debattiert er mehr als 150 wissenschaftliche Studien und kommt zu der rationalen Erkenntnis: „Du isst, was Du bist.“

Ernährungsratgeber lesen sich häufig zäh, da sich trockene Fakten, wohlgemeinte Ratschläge oder gar Mahnungen abwechseln. Uwe Knopp verschont seine Leser mit Anleitungen und Binsenweisheiten und hinterfragt stattdessen in unterhaltsamer Weise auf rund 200 Seiten so ziemlich jede bekannte Diätstudie oder Ernährungsweisheit. Für jede aufgezeigte Studie hat er gleich eine Gegenstudie parat. Der Ernährungswissenschaftler und Medizin-PR-Experte propagiert auf unakademische Weise die natürliche kulinarische Körperintelligenz des Menschen als die einzig wahre Diät.

„Echtes Essen“

Der Ausgangspunkt des Autors ist jedem Leser von Beginn an klar: Gesunde Ernährung ist „Echtes Essen“, bestimmt von unserer kulinarischen Körperintelligenz. Diese leitet die instinktiven Gefühle wie Hunger und Lust, die individuell wissen sollen, wann der Körper welche Nahrungsmittel zur optimalen Versorgung mit Nährstoffen benötigt. „Für unser Essverhalten zählt daher nur eines: volles Vertrauen in die eigenen Körpergefühle Hunger und Lust.“ so Knopp.

Für jeder Studie eine Gegenstudie

In seinem Buch „Hunger & Lust“ zeigt er, dass Menschen, die abnehmen und sich gesund Ernähren möchten, es nicht leicht haben. Die Schnelllebigkeit der Ernährungsempfehlungen wirft einfach viele Zweifel auf: Während es früher hieß, Süßstoff halte schlank, belegen heute Studien, dass er den Hunger ankurble und quasi dick mache. Auch das weitgeschätzte gesunde Olivenöl musste laut Knopp schon einiges durchleben: erst als Geheimtipp für gesunde Adern empfohlen, dann verpönt, da es womöglich doch die Gefäße schädigen würde und aktuell rehabilitiert und im Rahmen einer gesunden Ernährung nicht mehr wegzudenken.
Andere Ernährungsempfehlungen lauten 5 mal am Tag Obst und Gemüse. Gleichzeitig werden Verbraucher aber vor zu hoher Pestizidbelastung derselben gewarnt. Auch werden Obst und Gemüse oft als wahres Wundermittel gegen Krebs angepriesen, doch dann steht der Fruchtzucker plötzlich unter Verdacht, schneller dick zu machen als jeder andere Zucker. Gesund, ungesund oder gar ein Dickmacher?
Knopps Rat lautet da: „Vergessen Sie alles, was Sie über gesunde Ernährung zu wissen glauben. Es existieren keine gesicherten Beweise für die gängigen Ernährungsregeln.“ Eine Tatsache muss jedoch laut Autor trotz alldem bedacht werden. Er nennt es die „Rein-Raus-Regel“. Alles was an Kalorien aufgenommen wird, muss energietechnisch wieder abgearbeitet werden, ansonsten macht es langfristig natürlich dick.

Erbgut, Setpoint und andere Einflüsse...

Nachdem der Autor kapitelweise Ernährungsmärchen aufgedeckt und über den echten Hunger berichtet hat, bietet er seinen Lesern zusätzlich noch Informationen, die die meisten bestimmt noch nicht gehört haben. Oder wussten Sie, dass zahllose Schlanke, im Gegensatz zu den meisten ihrer schwergewichtigen Artgenossen so genanntes Fidgeting betreiben? Nie gehört? Knopp fasst unter diesem Begriff, die zahllosen unbewussten Bewegungen, wie mit den Beinen wippen, an der Haltestelle hin und herlaufen oder nervös das Haar aus dem Gesicht streichen, zusammen. Durch Fidgeting oder auch „sinnloses Gezappel“ sollen der Organismus somit rund 350 Extrakalorien täglich verbrauchen

Für alle nicht-Fidgetinger ist vielleicht ein schwacher Trost, wenn die Hose nach zahllosen Diäten wieder mal kneift: Beim Gewicht spielt auch die genetische Veranlagung „eine ganz entscheidende Rolle“. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom so genannten „Setpoint“. Das ist das individuelle Idealgewicht des Körpers, welches er ohne großen Aufwand beibehalten kann und auch möchte. So zeigt Knop in seinem Werk großes Verständnis für TV Richterin Barbara Salesch, die in einem Interview zugab, „sie habe einen Butter-Sahne-Geschmack, der ihre Lust auf hochkalorisches Essen bedinge.“ Knop erklärt, sie stecke also in einer „genetischen Zwickmühle“, denn solange sie esse, was ihre Gene ihr befehlen, sei sie gemessen am aktuellen gesellschaftlichen Maßstab zu dick. Um diesen jedoch erfüllen zu können, müsse sie quasi ihr ganzes Leben lang Diät halten.
Auf den Punkt gebracht, haben wir Menschen also die Qual der Wahl: Entweder wir leben unsere Natur aus und bleiben gegebenenfalls etwas rundlicher oder wir müssten unsere Bedürfnisse ständig im Zaume halten, um nach heutiger Definition „normalgewichtig“ sein zu können.

Fazit: Das Buch, kurzweilig geschrieben, vermittelt in unterhaltsamer Weise einen Überblick über die bedeutendsten Ernährungsstudien und -standpunkte. Auch wer nicht jede Meinung mit dem Autor teilt, wird am Ende der Lektüre auf jeden Fall einen kritischeren Blick auf neueste Ernährungsregeln werfen. Den Maßstab des Autors, allein das zu Essen, was der Körper fordert, sollte jedoch nur der als Richtschnur nehmen, der sowohl körperlich als auch geistig gesund ist. Bei Stoffwechselerkrankten wie Diabetikern beispielsweise muss das Ernährungsbedürfnis zwangsläufig im Rahmen der Therapie dem individuellen Verlangen untergeordnet werden.

Autor: Kerstin Kirchner

Quelle: Uwe Knop
Hunger & Lust – Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz.
Books on Demand
ISBN 978-3-8370-5296-1
Paperback, 200 Seiten

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