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Themen-Special Selbsthilfe

Selbsthilfe, die "an die Nieren geht"

Stetig steigt die Zahl der an Nierenerkrankungen Betroffenen. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Fakt ist, die Diagnose allein krempelt den Alltag des Betroffenen von Grund auf um. Schätzungsweise 40 % der Diabetiker (meist Typ 2) erkranken bei einem unbehandelten Diabetes an den Nieren.

Plötzlich steht der Betroffene ratlos da. Schlagwörter wie Nierenversagen, Dialyse, Transplantation oder gar Tod prasseln auf ihn ein. Zuflucht und Hilfe bieten Selbsthilfegruppen. Der Schritt ist groß, der Nutzen für den Einzelnen aber noch viel größer. Wenn der Betroffene den Weg nicht alleine findet, wird eben nachgeholfen. So zumindest handhaben es die ehrenamtlichen Mitarbeiter von der Interessengemeinschaft  "Künstliche Niere". Im nächsten Jahr wird das 30jährige Jubiläum begangen. Mittlerweile 1300 Mitglieder in 19 Untergruppen haben den Weg gefunden. Christel Oettgen ist eine von ihnen. Vor 20 Jahren ist sie selbst als Betroffene eingetreten. Nach einer zweiten Nierentransplantation mittlerweile wieder gesund, leitet sie nun schon  seit dem Jahr 2000 selbst die Selbsthilfegruppe für die Städte Mülheim, Duisburg und Oberhausen.

Hilfe zur Selbsthilfe

"Ihre" Gruppe hat circa 40 Mitglieder, zahlenmäßig sind die Frauen überlegen. Das mag einerseits daran liegen, dass es Männern schwerer fällt, sich einer fremden Gruppe anzuvertrauen, aber auch daran, dass häufig sich die Ehefrauen der Betroffenen aktiv mit einbringen. Jeder ist willkommen. "Den ersten Kontakt stellen wir bereits in den Praxen her", beschreibt Christel Oettgen ihre Arbeit. "Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit Ärzten, Diabetologen, Diätassistenten und dem Deutschen Diabetiker Bund hat sich ein gutes Informationsnetzwerk aufgebaut. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl sprechen wir die Patienten persönlich an und stellen uns vor." In den meisten Fällen schauen die Betroffenen binnen einem halben Jahr bei der SHG vorbei.
Getroffen wird sich einmal im Monat. Gemütlich zu Kaffee und Kuchen werden Erfahrungen ausgetauscht. Für verschiedene Schwerpunktthemen werden Experten eingeladen. Ein weiterer Punkt ist die Förderung von Sportgruppen. "Wir beraten, betreuen und informieren Nierenkranke im Präterminalstadium, im chronischen Programm der Dialysebehandlung und nach Nierentransplantationen. Außerdem helfen wir sowohl in rechtlichen Fragen weiter und bieten Unterstützung zum Beispiele bei der Beantragung von einem Dialyseurlaub", erklärt Christel Oettgen. 

Über den eigenen Schatten springen

Der erste Schritt ist der schwierigste. Vertrauen in andere Menschen zu fassen kostet gerade am Anfang viel Überwindungskraft. Wer erst einmal Mitglied geworden ist, weiß die unzähligen Vorteile zu schätzen. Christel Oettgen zählt die Möglichkeiten und Hilfeleistungen, die SHG bieten auf:

  • Patienten und deren Angehörige aus der Isolation befreien
  • Kompetente Ansprechpartner rund um die Uhr
  • Sozial Bedürftige erhalten nützlich Tipps zur Beantragung von Zuschüssen
  • Psychisch-soziale Betreuung
  • Zusammenarbeit mit Ärzten, Psychologen, Sportgruppen, Krankenkassen
  • Enger Kontakt und Zusammenarbeit mit dem Landesverband und anderen SHG

Fazit:

Die Entscheidung sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, muss jeder selbst treffen. Fakt ist, dass die Zahl der SHG von Jahr zu Jahr ansteigt. In Zeiten knapper Kassen bieten sie eine Plattform des Miteinanders. "Mit meinem Engagement für die Interessengemeinschaft künstliche Niere und Transplantation will ich den Leuten zeigen, dass man mit Dialyse alt werden und gut leben kann", erklärt Christel Oettgen.

Nähere Informationen zur Interessegemeinschaft "Künstliche Niere" und Transplantierter NRW e.V. unter http://igkn-mhduob.ddev.de/

Autor: Steffi Dörries

Quelle: Das Interview wurde am 26.03.2004 durchgeführt.

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