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Special Selbsthilfe

Themen-Special Selbsthilfe: Interview mit NRW-Gesundheitsministerin Fischer

NRW-Gesundheitsministerin Fischer Nordrhein-Westfalen verzeichnet, gleich dem bundesweiten Trend, eine stetig ansteigende Zahl an Selbsthilfegruppen. Wir fragten bei der NRW- Gesundheits- und Sozialministerin Birgit Fischer einmal nach

Selbsthilfegruppen jeglicher Art sind fester Bestandteil des sozialen Lebens. Neben Krankenkassen, Ärzten und Institutionen bieten sie vor allem eines, ein offenes Ohr. Ungelöste Fragen und Probleme werden gemeinsam aufgegriffen. Mit dem Ziel Hilfe zur Selbsthilfe. D´GATE widmet sich daher in den kommenden Wochen speziell dem Thema Selbsthilfe.

Frage D`GATE: Die Zahl der Beteiligten an den traditionellen Formen des sozialen Engagements ist rückläufig. Selbsthilfegruppen dagegen etablieren sich immer mehr. Sie dienen in Zeiten knapper Kassen als ergänzende Dienstleistung für Kranke und Rat suchende Menschen. Wie sieht die Einbindung von Selbsthilfegruppen  in das gesundheitliche Netzwerk NRW aus? 

NRW-Gesundheits- und Sozialministerin Birgit Fischer: Die Selbsthilfe hat sich in Nordrhein-Westfalen zum gleichberechtigten Partner im Gesundheitswesen entwickelt. Sie kann auf gleicher Augenhöhe mit den verschiedenen Interessengruppen verhandeln und bestehen.

Mittlerweile sind zwei Selbsthilfevertreter auch Mitglieder der Landes-Gesundheitskonferenz (LGK). Eine weitere Vertretung aus dem Kreis der Einrichtungen des Patientenschutzes ist zwischenzeitlich berufen worden. Damit haben wir die Grundlagen dafür geschaffen, dass die organisierte Selbsthilfe ihre Interessen und Erfahrungen - und damit die Interessen der Patientinnen und Patienten - bei allen relevanten Fragestellungen unmittelbar einbringen kann.

Gleiches gilt für die kommunale Ebene. Mit dem Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGDG) hat das Land den unteren Gesundheitsbehörden zudem die Möglichkeit gegeben, Selbsthilfegruppen zu unterstützen. Ihre Beteiligung an den Kommunalen Gesundheitskonferenzen ist im Gesetz verpflichtend festgeschrieben.

Auch im Krankenhausbereich hat sich einiges getan: So sind die Krankenhausträger durch das Krankenhausgesetz NRW (KHG NRW) mittlerweile zur Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Patientenschutzes und der gesundheitlichen Selbsthilfe verpflichtet - etwa im Bereich des Beschwerdemanagements.

D`GATE: Selbsthilfegruppen wären ohne freiwilliges Engagement undenkbar. Doch ganz ohne finanzielle Unterstützung geht es auch in diesem Sektor nicht. Gibt es Fördermaßnahmen oder andere Unterstützung für Selbsthilfegruppen  in NRW? 

Ministerin Fischer: Die deutliche Verbesserung der finanziellen Grundlagen der Selbsthilfe hängt im Wesentlichen mit den von den Krankenkassen nach den gesetzlichen Vorgaben zur Verfügung gestellten Mitteln zusammen. Dadurch sind erhebliche neue Ressourcen in das Selbsthilfesystem geflossen.

Ob und wie weit auch die Träger der medizinischen Rehabilitation zusätzlich zu den Krankenkassen systematischer als bisher in die Förderung der gesundheitlichen Selbsthilfe einbezogen werden, wird gegenwärtig in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) diskutiert. Unter Moderation der Bundesarbeitsgemeinschaft werden Empfehlungen erarbeitet, in welcher Weise und in welchem Umfang die gesundheitliche Selbsthilfe gefördert werden kann.

Auch die öffentliche Hand in Nordrhein-Westfalen - sowohl das Land als auch zahlreiche Kommunen - engagiert sich mit erheblichen finanziellen Ressourcen für die Unterstützung und den Ausbau der gesundheitlichen Selbsthilfe.

D`GATE: Die Zahl der an Diabetes mellitus erkrankten Menschen ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. Plant das Land NRW, die Diabetiker-Selbsthilfegruppen verstärkt zu unterstützen?  

Ministerin Fischer: Das tun wir bereits. So wird im Rahmen des vom Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Landesgesundheitsportals das Modul "Diabetes in NRW" angeboten. Dieses Internet-Informationsangebot wird vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut (DDFI) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf betreut und ist seit Januar 2000 online. Neben Basis- und Fachinformationen werden hier von ärztlich-medizinischen Fachredakteuren täglich "Diabetes-News" angeboten. Hier stehen sowohl für die von der Krankheit Betroffenen und deren Angehörige als auch für den Selbsthilfebereich aktuelle Daten über Behandlungsmöglichkeiten
und Ansprechpartner im Gesundheitswesen bereit.

D`GATE: Von der Idee bis zur Gründung einer Selbsthilfegruppe ist es mitunter ein weiter Weg. Gibt es für Interessierte Beratungsstellen?

Ministerin Fischer: In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 34 Selbsthilfe-Kontaktstellen. Sie stellen die Kommunikation zwischen den an Selbsthilfe Interessierten, den Selbsthilfegruppen und -initiativen, den im Gesundheits- und Sozialbereich hauptamtlich Tätigen sowie Politik und allgemeine Öffentlichkeit her. Wichtigstes Merkmal von Selbsthilfe-Kontaktstellen ist, dass sie fach- und indikationsübergreifend arbeiten. Das heißt, Selbsthilfe-Kontaktstellen unterstützen alle Selbsthilfegruppen unabhängig davon, ob diese einem Dachverband angehören, ob ihre Mitglieder Versicherte einer bestimmten Krankenkasse sind oder ob die Kooperation mit einer bestimmten Berufsgruppe angestrebt wird.

D`GATE: Barrierefreiheit ist und bleibt ein wichtiges Thema. Wie ist der Stand bei der Umsetzung des BITV auf Landesebene?

Ministerin Fischer:  Die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz steht im Entwurf. Er wird nun mit den anderen Landesministerien abgestimmt und anschließend mit verschiedensten Verbänden und Institutionen in einem schriftlichen Anhörungsverfahren erörtert. Die Verordnung soll zum 1. Juli 2004 in Kraft treten.  Das Internetangebot meines Hauses (http://www.mgsff.nrw.de/) ist bereits heute barrierefrei programmiert.  

D´GATE: Wann findet der nächste Selbsthilfetag statt?

Ministerin Fischer: Die nächste landesweite Selbsthilfeveranstaltung wird nach heutigem Planungsstand im kommenden Jahr stattfinden, über Themen wird in absehbarer Zeit beraten.

Autor: Steffi Dörries

Quelle: Wir bedanken uns für das Interview bei der NRW-Gesundheits- und Sozialministerin Birgit Fischer.

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