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Migrationshintergrund

Migranten wissen nicht was Diabetes ist

© Dieter Schütz/ pixelio Der Aspekt der Migration hat einen entscheidenden Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit Diabetes. In Deutschland leben rund 15 Millionen Migranten oder Menschen mit einem Migrationshintergrund. Schätzungsweise 1 Million davon haben Diabetes - viele ohne dass sie es wissen. Armut, Bildungsferne oder Sprachbarrieren sind nur einige Gründe, die Diagnose und das Management der Krankheit erheblich erschweren.

Die aktuellsten Zahlen der International Diabetes Federation (IDF) besagen, dass circa zwölf  Prozent der deutschen Bevölkerung an einer Diabeteserkrankung leidet. Das entspricht rund acht Millionen Diabetikern. Hinzu kommt schätzungsweise rund eine Million Migranten mit Diabetes. Eine exakte Zahl von Diabetikern, die in Deutschland leben lässt sich nicht benennen, da bei vielen Menschen der Typ-2-Diabetes oft jahrelang unbemerkt bleibt und außerdem keine öffentliche Liste besteht, die beinhaltet wie viele Diabetiker von welcher Krankenkasse versichert werden.

Maßnahmen für Migranten

Die Betriebskrankenkasse BKK berichtet aktuell, dass bei Migranten generell das Bewusstsein für die Krankheit Diabetes sehr gering entwickelt sei und dass im Vergleich mit Deutschen der Altersgruppe 55 plus, etwa doppelt so viele Migranten am Diabetes leiden würden.
Die große Zahl an betroffenen Migranten erfordert dementsprechend besondere Maßnahmen zur Bekämpfung des Diabetes. Einige Krankenkassen sowie Organisationen wie die  Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) bieten mittlerweile spezielle Aufklärungsprogramme und Schulungen an, die auf die Bedürfnisse der fremden Kulturen - eng verbunden mit anderen Verhaltens- und Ernährungsmustern -, der fremden Sprachen oder der sozialen Umstände eingehen.

Soziale Faktoren haben großen Einfluss auf den Diabetes

Häufig wird bei Migranten die Erkrankungen Diabetes erst diagnostiziert, wenn diese bereits weit fortgeschritten ist. In manchen Fällen wird der Diabetes nie festgestellt, was wiederum dazu führt, dass Migranten oftmals vorzeitig an chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder einem Herzinfarkt sterben.
Die Gründe des Diagnoseproblems sind vielfältig. Viele Migranten gehören der unteren Bevölkerungsgruppe an: Das heißt sie haben einen niedrigen sozioökonomischen Status. Armut, Arbeitslosigkeit, Bildungsferne oder Analphabetismus, kombiniert mit Unkenntnis der Sprache, beeinträchtigen die dringend benötigten ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Viele Migranten wissen zudem nicht, was ein Diabetes ist und können infolge dessen keine vorzeitigen Anzeichen erkennen. Sie wissen vielfach nichts über den Zusammenhang zwischen Übergewicht, Ernährung, Alter, familiärer Prägung und Diabetes. Diese Unwissenheit - die auch bei vielen Deutschen immer noch festzustellen - ist eng mit den sozialen Umständen verbunden. Aufklärungsinformationen, die über Medien wie Zeitung, Internet oder Fernsehen bekannt gemacht werden, dringen beispielsweise nicht bis zu den möglichen Betroffenen durch. Ferner haben Migranten in vielen Fällen das Problem, die überwiegend deutschen Informationen nicht verstehen zu können.

Migranten brauchen andere Schulung

Um der wachsenden Zahl an Diabetes erkrankten Migranten in Deutschland Einhalt gebieten zu können, stehen Aufklärung und Betreuung von Diabetikern mit Migrationshintergrund ebenso im Fokus, wie die Präventionsmaßnahmen und -schulungen für andere Risikogruppen. Bereits 2002 gründete die DDG die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten, die stetig an einer Versorgungsverbesserung von Migranten arbeitet. Aufgrund der großen Anzahl von türkischstämmigen Migranten war bereits ein Hauptthema der DDG Jahrestagung im vergangenen Jahr die "Gesundheitskompetenz türkischstämmiger Patienten mit Diabetes". Thema war unter anderem die Vorstellung eines Katalogs, der zehn essenzielle Schulungsinhalte beinhaltet, die auf Migrationsbedürfnisse wie mögliche psychische Probleme, Analphabetismus, Sprachbarriere etc. hinweisen und somit Bestandteil aller Diabetes-Schulungen von Migranten sein sollten.

Auch andere Vereinigungen wie zum Beispiel die Betriebskrankenkasse BKK vor Ort engagieren sich für die Aufklärung der Diabetiker mit Migrationshintergrund. Die BKK veranstaltet unter anderem Aktivitäten eigens zur gesundheitlichen Aufklärung speziell für türkisch sprechende Mitglieder. Bestandteile sind feste türkische Beratertage und Gesundheitsforen sowie Vorträge in türkischer Sprache. Kürzlich wurde in diesem Zusammenhang ein Ernährungskurs - mit dem Inhalt, wie die kalorienreiche türkische Küche samt ihrer zuckerreichen Spezialitäten oder der fettigen Sucuk-Salami mit einer gesunden Ernährung zu vereinein ist, in den Moscheen Wuppertal und Solingen - abgehalten.

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