Erstellt am: 25.01.2010
Letzte Änderung am: 25.01.2010
Die Debatte um den Verdienst der deutschen Mediziner ruft in der öffentlichen Diskussion sehr unterschiedliche Meinungen hervor. Mal werden die Ärzte als unterbezahlt, mal werden sie als die großen „Absahner“ dargestellt. Wie eine aktuelle Studie von Kienbaum nun ergab, kann man dies nicht so einfach pauschalisieren, da die Gehälter von Führungskräften in Krankenhäusern stark auseinanderklaffen.
Ende des Jahres 2009 forderte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Tarifverhandlungen Gehaltssteigerungen um fünf Prozent sowie deutlich höhere Vergütungen für Bereitschaftsdienste an kommunalen Kliniken. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) kritisierte, dass die Ärztegewerkschaft zum dritten Mal in Folge überproportionale Gehaltssteigerungen fordere, die die Krankenhäuser nicht verkraften könnten. VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg erläutert, dass nach dem großen Gehaltssprung der Ärzte in 2006 und den Erhöhungen in 2008 sowie 2009 um rund acht Prozent eine weitere derartige Gehaltssteigerung keinesfalls angemessen und auch für die Krankenhäuser nicht finanzierbar sei. Die nächste Tarifrunde für die rund 55.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern hat am 18. Januar in Frankfurt am Main begonnen.
Position bestimmt den Verdienst
Die Verdienstspanne von Klinikärzten in Deutschland beträgt im gesamten Medizinerbereich zwischen 80.000 Euro und 500.000 Euro pro Jahr. Rund fünfzig Prozent der Chefärzte erhält jedoch zwischen 130.000 Euro und 330.000 Euro. Die lukrativste Position in einem Krankenhaus hat somit mit Abstand der Chefarzt.
Mit einem Gehalt von 266.00 Euro pro Jahr führt er die Spitze der Krankenhausgehälter an. Mit deutlich geringeren Jahresbezügen von ca. 90 000 bis 120 000 Euro gehören die Oberärzte ebenfalls zu den Top-Verdienern. Diese beträchtlichen Gehälter sind jedoch nicht für alle Fachkräfte charakteristisch. Die aufgezeigten Daten resultieren aus Vergütungsinformationen von rund 2.055 Positionen, mit Schwerpunkt auf dem ärztlichen Dienst aus insgesamt 184 Einrichtungen.
Gehaltssteigerungen von 2008 bis 2009
Nach mehrmaligen Forderungen des Marburger Bunds, nach Gehaltssteigerungen wurden die Gehälter der ärztlichen Führungskräfte in Krankenhäusern im Durchschnitt um 5,3 Prozent von Juli 2008 bis Juli 2009 erhöht. Die größte Gehaltssteigerung erlangten mit 3,1 Prozent die Geschäftsführer und Vorstände. Den größten Gehaltssprung dagegen machten mit durchschnittlich 6,9 Prozent die Fachärzte. Deutlich niedriger war die Erhöhung um 2,7 Prozent von nichtärztlichen Angestellten.
Position und Fachrichtung bestimmen die Entlohnung
Die Gehälter von Führungskräften in Krankenhäusern variieren, wie sich gezeigt hat, stark. Mit wachsender Verantwortung steigt auch das Gehalt. Während Chefärzte mit durchschnittlich 266.000 Euro im Jahr vergütet werden, verdienen ihre Geschäftsführer- und Vorstandskollegen 120.000 Euro weniger. Zusätzlich ist die eingeschlagene medizinische Fachrichtung für das Gehalt mitentscheidend. Mit einer durchschnittlichen Jahresgesamtvergütung von 300.000 Euro und mehr gehören insbesondere internistische Chefärzte sowie deren Kollegen in den radiologischen Fächern, der Urologie und der Chirurgie zu den Top-Verdienern. Mit durchschnittlich 266.000 Euro pro Jahr folgen die Chefärzte der Anästhesie/Intensivmedizin, der Gynäkologie und der Orthopädie. Deutlich unter diesem Durchschnitt liegen dann die Chefärzte der Geriatrie/Rehabilitation, der Neurologie/Psychiatrie und der Pädiatrie. Betrachtet man die Gehälter der Oberärzte, zeigt sich hier fachgebietsspezifisch ein anderes Vergütungsgefüge. Oberärzte aus der Inneren Medizin und der Radiologie führen nicht, wie die Chefärzte aus demselben Fachbereich die Gehaltskala an, sie liegen eher im Mittelfeld beziehungsweise am unteren Rand des Vergütungsgefüges. Topverdiener unter den Oberärzten sind die Gynäkologen mit Jahresgesamtbezügen von durchschnittlich 125.000 Euro.
Andere Branchen verdienen im Vergleich das Doppelte
Die aktuelle empirische Vergütungsstudie „Führungs- und Fachkräfte in Krankenhäusern“ von der Unternehmensberatung Kienbaum hat ergeben, dass das Vergütungsniveau in den Krankenhäusern, soweit es vergleichbar ist, deutlich unter dem Niveau anderer Wirtschaftszweige liegt. So ergab sich, dass während Personal- und Finanzchefs im Krankenhaus rund 73.000 Euro verdienen, das Gehalt von vergleichbaren Wirtschaftsunternehmen bei rund 130.000 Euro liegt. Geschäftsführer und Vorstände in Wirtschaftsunternehmen verdienen mit ihren durchschnittlich 280.000 Euro rund das Doppelte im Vergleich zum Krankenhaus. Der enorme Gehaltsunterschied hemmt somit einen Wechsel von anderen Wirtschaftsunternehmen in die Klinkbranche. Neue Spitzenkräfte oder Talente zu gewinnen wird immer schwieriger. Indessen birgt die Gehaltsdifferenz die Gefahr, dass leistungsfähige und motivierte Krankenhausmitarbeiter kündigen und zukünftig in lukrativere Branchen wechseln wollen. Kienbaum Vergütungsexperte Christian Näser, erklärt, dass die Optimierung der Vergütungssysteme für Krankenhäuser unumgänglich sei, um die Mitarbeiter langfristig binden zu können.
Trotz der eklatanten Differenzen sind das Klagen auf hohem Niveau. Schlecht verdienen unsere Chef- und Oberärzte nicht. Der Verdienst eines Chefarztes entspricht beispielsweise in etwa dem Verdienst eines Geschäftsführers eines mittelständischen Industrieunternehmens mit 1000 Mitarbeitern.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://verguetungsportal.kienbaum.de/Portaldata/4/Resources/aktuelles/sonstiges/artikel_aktuell/Aerzte_an_der_Spitze_der_Gehaltshierarchie...,_in_Berufs-_und_Gesundheitspolitik_(03_09),_konrad.pdf
http://www.ddpdirect.de/kienbaum-studie_zur_verguetung_in_krankenhaeusern_53787.html
http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Marburger-Bund-will-fuenf-Prozent-mehr-fuer-Aerzte
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/640/338487/text/