Erstellt am: 04.01.2006
Letzte Änderung am: 04.01.2006
Seit einem halben Jahr ist der neue Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes im Amt - wir haben ihm fünf Fragen zu seiner bisherigen Arbeit gestellt. Herr Wölfert, worin besteht eigentlich die Arbeit des Deutschen Diabetiker Bundes?
Als Selbsthilfeorganisation sieht der Deutsche Diabetiker Bund seine Hauptaufgabe zunächst darin, Menschen mit Diabetes mellitus zu helfen, möglichst selbstbestimmt und eigenverant-wortlich mit der Erkrankung umzugehen. Die Information, Beratung und teilweise auch Betreuung von Diabetikern durch Gleichgesinnte nimmt daher einen großen Stellenwert ein. Dank unserer rund 850 Selbsthilfegruppen mit ca. 40.000 Mitgliedern ist der Beitrag auf die-ser Ebene nicht unerheblich.
Unserer Ansicht nach werden immer mehr Leistungseinschränkungen der Behandlungsmög-lichkeiten durch die Gesundheitspolitik kommen. Daher ist es für uns auch ein Gebot der "Selbsthilfe", die Interessen der Diabetiker durch unsere eigenen Patientenvertreter auch in der Politik zu wahren und dies nicht mehr den Ärzten und Krankenkassen alleine zu überlas-sen.
Auch wenn wir als anerkannte Patientenvertretung nur ein Anhörungsrecht in den Ausschüs-sen des Gemeinsamen Bundesausschusses haben, so haben wir in den Köpfen der Entscheider doch schon einiges bewegt - das ist gut so und das wird sich auch noch weiter entwickeln. Diese Kombination von Basisarbeit und politischer Vertretung ist das, was den DDB von an-deren Diabetes-Vereinen und Selbsthilfegruppen unterscheidet und so bedeutend macht.
Und was ist Ihre Aufgabe dabei?
Als Bundesvorsitzender und kommissarischer Bundesschatzmeister bin ich darum bemüht, die Bedürfnisse, Positionen und Aspekte der Landesverbände zu sammeln und zu bündeln. Zudem ist es meine Aufgabe, Allianzen zu suchen und die Arbeitsfähigkeit des Bundesvor-stands und der Bundesgeschäftsstelle durch klare Aufgabenzuordnung zu sichern.
Wie ist denn Ihr persönlicher Werdegang, wie sind Sie zum DDB gekommen?
Nach Beendigung meiner Berufstätigkeit als Sparkassendirektor habe ich mich - als Selbstbe-troffener seit 1990 - näher mit dem Deutschen Diabetiker Bund als größte Patientenorganisa-tion in Deutschland beschäftigt und mich zur ehrenamtlichen Mitarbeit entschlossen. Meine Wahl zum Bundesvorsitzenden Ende April 2005 stellt für mich sowohl eine Herausforderung als auch eine Verpflichtung dar, um gestaltend zum Wohl des Verbandes und der Patienten mitzuwirken.
Hatte Ihre bisherige Arbeit schon Auswirkungen auf die interne Ausrichtung und die Außendarstellung des DDB?
Mit der Gründung des Ausschusses "Öffentlichkeitsarbeit" ist ein wichtiges Instrument für eine wirksame Außendarstellung des DDB geschaffen worden. Wir werden uns künftig ver-stärkt und gezielt an die Öffentlichkeit wenden und dafür sorgen, dass wir als schlagkräftige und vor allem unabhängige Patientenorganisation wahrgenommen werden. In Zeiten des Um-bruchs im Gesundheitswesen müssen wir uns verstärkt für die Interessen unserer Mitglieder einsetzen und die Kräfte innerhalb des Bundesverbandes und der Landesverbände bündeln. Unser Forderungskatalog - er ist unter www.diabetikerbund.de einsehbar - an die deutsche Politik hat deutliche Reaktionen hervorgerufen
In Kürze werden wir uns mit allen Verantwortlichen auf eine gemeinsame strategische Linie verständigen.
Ich möchte alle Betroffenen aufrufen, unsere Arbeit mit einer kostengünstigen Mitgliedschaft im Deutschen Diabetiker Bund zu unterstützen. Je stärker unser Verband ist, desto wirksamer kann er sich für Patienten einsetzen.
Drei Stichworte, können Sie bitte in ein bis zwei Sätzen zu jedem Stellung nehmen?
1. DMP (Disease Management Programm)
Die aktuelle Version (12. RSÄndV) beinhaltet viele Aspekte, die erst durch die Teil-nahme der Patientenvertreter an den Gesprächen im Gemeinsamen Bundesausschuss ins Rollen bzw. in den Blickwinkel der Ärzte und Kassen gekommen sind
- eine Entwicklung, an der wir dranbleiben müssen. Als besonderen Erfolg der beharr-lichen Intervention der Patientenvertreter sehen wir insbesondere die Abkehr des Ge-meinsamen Bundesausschusses vom Ausschließlichkeitsanspruch der höchsten Evi-denzstufe zur Beurteilung von Studien zu den verschiedenen Gesundheitsbereichen.
2. Teststreifenverordnung
Nach Ansicht des DDB ist die Stoffwechselselbstkontrolle mit Blutzuckerteststreifen neben der Diabetes-Schulung das A und O zur positiven Beeinflussung der Diabetes-Therapie. Zudem ist die Blutzuckerkontrolle auch als Sicherheits- und Motivationsfak-tor für jeden Einzelnen nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund haben wir eine ein-heitliche Empfehlung zur Blutzuckerteststreifen- und Insulinanalogon-Verordnung he-rausgegeben.
3. Präventionsgesetz
Die Kunst der Politik ist es, die richtige Balance zwischen Prävention, Versorgung und Rehabilitation herzustellen - angesichts der rapiden Zunahme des Diabetes melli-tus ist aber der Aspekt der Prävention nicht zu unterschätzen. Andernfalls steht die Fi-nanzierung der Gesundheit der Bevölkerung aufgrund der ungünstigen demographi-schen Entwicklung auf tönernen Füßen.
Herr Wölfert, herzlichen Dank für dieses Interview!
Autor: Joerg Utecht
Quelle: DIABETESGATE Gesundheitsinformationen. (02/2005)