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Interview mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Interview mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Minister  Karl-Josef Laumann Nach der NRW-Landtagswahl im Frühjahr 2005 lösten die Christdemokraten die seit 39 Jahren regierenden SPD ab. Wenige Tage nach dem Amtsantritt verkündete die CDU die neu gesteckten Ziele bezüglich der Reduzierung der Kohlesubventionen und Förderprogramme des Landes. Wie es um den Bereich Gesundheit bestellt ist, hat DIABETESGATE den neuen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Karl-Josef Laumann gefragt.

Redaktion: Gesundheit nimmt in Gesellschaft und Politik einen immer größeren Stellenwert ein. Die von der Bundesregierung eingeführten Gesundheitsreformen sollen auch in Zukunft die Versorgung aller Menschen sichern. Dafür wird verstärkt auf mehr Eigenverantwortung der Versicherten gesetzt. Wie viel Eigenbeteiligung ist aus Ihrer Sicht den Menschen zumutbar?

Minister Karl-Josef Laumann: Die von der CDU/CSU mitgetragene und -gestaltete Gesundheitsreform ist Anfang 2004 in Kraft getreten. Sie war nötig geworden, um die gesetzliche Krankenversicherung zu stabilisieren. Zunächst wurden in der Öffentlichkeit vor allem die Belastungen für die Versicherten diskutiert. Allmählich werden aber auch die eigentlichen Reformelemente sichtbar, die ein Umsteuern in der gesundheitlichen Versorgung bewirken sollen. Ich denke da vor allem an die Integrierte Versorgung, an die Stärkung der Rolle des Hausarztes und an den Aufbau medizinischer Versorgungszentren. Diese Neuerungen können erst nach und nach Wirkung zeigen. Deshalb halte ich es für falsch, jetzt über weitere Eigenbeteiligungen oder Einschnitte nachzudenken. Statt auf mehr Eigenbeteiligung möchte ich stärker auf Eigenverantwortung setzen. Denn die großen Herausforderungen an das Gesundheitswesen lassen sich nur bewältigen, wenn wir uns stärker für die Krankheitsvorbeugung und Gesundheitsförderung einsetzen. Dies will ich gezielt unterstützen.

Redaktion: DMPs sollen durch strukturierte und flächendeckende Versorgung die Situation chronisch Kranker verbessern. Zwei Jahre nach Beginn der Einführung von DMPs ist der Erfolg noch umstritten. Wie denken Sie darüber?

Minister Karl-Josef Laumann: Die Versorgung von Patientinnen und Patienten, die an Disease Management Programmen teilnehmen, ist deutlich besser geworden. Aktuelle Erhebungen haben beispielsweise gezeigt, dass heute 70 bis 80 Prozent der im DMP „Diabetes mellitus Typ II“ eingeschriebenen Patienten zur jährlichen augenärztlichen Untersuchung gehen. Vor Einführung der DMP lag die Rate gerade mal bei etwa 32 Prozent. Ähnlich deutliche Verbesserungen hat es bei den entscheidenden Faktoren Blutzucker und Blutdruck gegeben. Allein diese Zahlen zeigen schon, dass Disease Management Programme für die Versorgung chronisch kranker Menschen unverzichtbar geworden sind.

Redaktion: Für Diabetiker wurde als erstes ein DMP entwickelt. Wie wurde das Behandlungsprogramm von den Diabetikern in NRW angenommen? Wie ist die Versorgungssituation der Diabetiker in NRW?

Minister Karl-Josef Laumann: Schon lange vor der Einführung der DMP gab es in NRW so genannte Strukturprogramme zur Verbesserung der Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ II. Diese Programme sind dann mit den DMP konsequent weiterentwickelt worden, wobei die DMP-Einführung leider zu bürokratischen Belastungen geführt hat. Mittlerweile konnten aber erste Vereinfachungen erreicht werden. Die Ärztinnen und Ärzte in NRW engagieren sich in großer Zahl beim DMP Diabetes Typ II, und inzwischen sind mehr als die Hälfte aller Diabetiker in NRW darin eingeschrieben. Dabei sind nahezu alle Qualitätsziele erreicht worden, beispielsweise bei den Augenarztüberweisungen. Nachholbedarf haben wir nur noch bei den Überweisungen im Falle eines diabetischen Fußes. Und aktuelle Umfragen haben ergeben, dass die in DMP eingetragenen Patienten mit der Behandlung sehr zufrieden sind.

Redaktion: Prävention sollte (nach dem Willen der Bundesregierung) als „vierte Säule“ neben Akutbehandlung, Rehabilitation und Pflege treten. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde am 22.10.2004 von den Oppositionsparteien mit der Begründung der „Überregulierung“ abgelehnt. Könnten Sie dies bitte näher erläutern? Welchen Stellenwert sollte Prävention in der Gesundheitsversorgung einnehmen?

Minister Karl-Josef Laumann: Unser Gesundheitswesen setzt bislang vor allem auf die Behandlung von Krankheiten, auf Rehabilitation und Pflege. Die Krankheitsvorbeugung muss als vierte Säule hinzukommen. Soweit herrscht weitgehend Einigkeit. Der Gesetzentwurf der amtierenden Bundesregierung war allerdings zu bürokratisch, die Abstimmung zwischen Bund, Ländern und den anderen Beteiligten war zu kompliziert. In Nordrhein-Westfalen wollen wir insbesondere im Rahmen der Landesgesundheitskonferenz – darin sind alle wesentlichen Akteure des Gesundheitswesens zusammengeschlossen – die Umsetzung von Initiativen und Programmen begleiten und unterstützen. Neue Strukturen werden dabei nicht geschaffen, so dass die Gefahr einer Überregulierung nicht besteht.

Autor: Steffi Dörries

Quelle: Interview mit Minister Karl-Josef Laumann

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