Erstellt am: 28.06.2004
Letzte Änderung am: 28.06.2004
Am 13. Juni 2004 wählten erstmals 388 Millionen Menschen ein gemeinsames Europäisches Parlament. Das bedeutet, dass die verschiedenen Meinungen aber auch die Probleme der einzelnen Länder und der Gemeinschaft immer umfangreicher werden. Eine gemeinsame, europäische Linie zu finden, gestaltet sich nicht zuletzt dadurch schwierig.
Manfred Weber aus dem niederbayerischen Wildenberg kandidierte bei dieser Wahl für einen Posten – mit Erfolg: Als Bayerns jüngster Abgeordneter der CSU schaffte der 32jährige den Sprung in das europäische Parlament. D’GATE wollte wissen, wo er Chancen und Risiken in einer möglichen europaweiten Gesundheitspolitik sieht.
Redaktion: Durch die gestiegene Lebenserwartung und Zivilisationskrankheiten wird das Gesundheitswesen vieler Länder stark belastet. In wieweit könnte hier eine Zusammenarbeit der europäischen Staaten sinnvoll sein?
Manfred Weber: Zusammenarbeit ist hier auf jeden Fall sinnvoll. Die Patienten bekommen so mehr Auswahl an Leistungen und der Wettbewerb steigt.
Redaktion: In welchen Punkten sehen Sie hier besonderen Handlungsbedarf?
Manfred Weber: Transparenz und Wettbewerb! Wenn heute nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet wird, dann ist Wettbewerb unmöglich. Die Krankenkassen müssen zukünftig mit den Leistungserbringern, also Krankenhäusern und Ärzten, direkt Verträge abschließen. Das Krankenhaus, welches effizienter und besser ist, wird gewinnen. Heute haben wir Staatswirtschaft und Plan!
Redaktion: Kann das deutsche Gesundheitssystem von Europa profitieren?
Manfred Weber: Das deutsche Gesundheitswesen ist stärker als sein Ruf. Der Gesundheitssektor kann ein echter Boombereich werden. Patienten aus ganz Europa können kommen und sich bei uns versorgen lassen. Wir müssen unsere Stärken herausstellen und wir müssen die Rahmenbedingungen richtig gestalten.
Redaktion: Die Gesundheitssysteme der einzelnen Länder sind unterschiedlich strukturiert. Sehen Sie eine Chance, trotzdem europaweit zusammenarbeiten zu können?
Manfred Weber: Der Binnenmarkt wird dies erzwingen. Schon heute können Kuren in EU-Ländern angeboten und von der Krankenkasse auch bezahlt werden. Der Wettbewerb wird zunehmen und damit werden sich die Systeme auch angleichen. Für die Anbieter bedeutet dies mehr Konkurrenz, für den Patienten mehr Auswahl.
Redaktion: Glauben Sie, dass eine Vereinheitlichung von medizinischen Leistungen und deren Kostenerstattung machbar und auch sinnvoll ist?
Manfred Weber: Nein – bitte kein Vereinheitlichung! Das ist ja schon wieder Staatswirtschaft. Ich vertraue hier auf den Markt. Schon heute sind die Patienten schon sehr selbstbewusst und wählen eigenständig aus, welches Krankenhaus und welcher Arzt Ihnen am Besten helfen kann. Dies gilt auch für den europäischen Gesundheitsmarkt.
Redaktion: Gerade die Zahl der Diabeteserkrankungen steigt seit einigen Jahren dramatisch an. Können hier europaweite Präventionsmaßnahmen helfen, oder ist es sinnvoller, das Problem erst einmal national in den Griff zu bekommen?
Manfred Weber: Die Diabetesentwicklung belegt, dass in Zukunft ein deutlicher Schwerpunkt auf Prävention gesetzt werden muss. Dies ist aus meiner Sicht regional besser zu machen. Europa darf sich auch nicht zum Superstaat entwickeln, der alles regelt.
Redaktion: Welche Fragen der Gesundheitspolitik sollten ausschließlich auf nationaler Ebene diskutiert werden?
Manfred Weber: Die Finanzierung des Gesundheitswesens wird auf absehbare Zeit eine nationale Frage bleiben. Der Wettbewerb zwischen den Systemen wird jedoch vor Deutschland nicht halt machen.
Redaktion: Vielen Dank für das Interview!
Autor: Ramona Völkl
Quelle:
Interview im Juni 2004
weitere Informationen:
www.weber-manfred.de