Erstellt am: 01.12.2009
Letzte Änderung am: 01.01.2010
Vorbei sind die Zeiten, da Comics eine kulturelle Sünde waren. Anspruchsvolle Comics gelten mittlerweile als Gesamtkunstwerke. Inzwischen gibt es auch zu nahezu jedem Thema einen oder mehrere Ausgaben. Ein Comic über Diabetes darf da nicht fehlen. Praktischerweise ist der Mann mit dem beeindrucken Namen Georg Eduard Josef Graf von Westfalen zu Fürstenberg, kurz „Georg“, nicht nur der Zeichner von „Bernd das Brot“, sondern auch ein Mediziner außer Dienst. Nach vollendetem Medizinstudium wechselte er nach eigenen Angaben aus Leidenschaft in die sonst eher brotlose Kunst des Comiczeichnens.
Die Abenteuer von Laura und Peppin
Der Zeichner Georg entwickelt auch Designs für das Internet-Medizinlexikon „doccheck“. Nebenher hat er eine Comicserie für jüngere Menschen mit Diabetes gezeichnet, die auch bei den älteren Vorlesern Anklang finden dürfte. Die Hauptfigur ist Laura, ein kleines, blondes Mädchen, die mit ihrem diabetischen Teddybären aufregende Abenteuer erlebt. Ähnlich dem Verhältnis des frühreifen Comickindes Hobbes zu seinem Plüschtiger Calvin aus der gleichnamigen Comicserie von Bill Watersson, ist der Bär Peppin nur dann ein Stofftier, wenn Erwachsene dabei sind. Ansonsten spricht, spielt, segelt, klettert und streitet er mit Laura über Sinn und Unsinn des Diabetes für einen Bären, der Weltmeister im Honigwettessen werden wollte. Jüngere Leser werden sich über die detailreichen Bilder freuen und die Diskussionen der Comichelden gebannt verfolgen. Ältere Leser können sicher auch dem trockenen bis absurden Humor des Kastenbrotzeichners etwas abgewinnen.
Diabetes-Wissen unter der Hand vermitteln
Im Gegensatz zu traditionellen Kinderbüchern über den Diabetes mellitus wird bei der Comicserie „Laura und Peppin“ das Thema Diabetes eher unter der Hand vermittelt, im Vordergrund steht immer ein kleines Abenteuer. Wenn Peppin nach einem anstrengenden Gummi-Twister-Tanz mit Laura unterzuckert, erklärt er ihr zwar, was man gegen eine „Hypo“ machen kann. Doch Laura lässt sich von Peppins Erklärungen meist nicht sehr beeindrucken und nimmt das Spiel wieder auf. Trotzdem werden die Grundzüge der Diabetestherapie auf anschauliche und komische Weise vermittelt. In einem Strip wollen Laura und Peppin möglichst viele Packungen mit supersüßen Frühstücksflocken verputzen, damit sie einen Gutschein für eine Ritterburg gewinnen. Irgendwann schüttet Peppin alle Packungen über Laura, sodass sie sich nicht mehr bewegen kann, um ihr klar zu machen, wie der viele Zucker in der Nahrung den Körper ausbremst. In einem anderen Strip muntert Laura ihren frisch diagnostizierten Teddybären auf, der sich davor fürchtet wegen seines Diabetes in Zukunft ausgegrenzt zu werden und deshalb trotzig in ein Baumhaus gezogen ist. Zur Versöhnung mit seinem Diabetes ernennt Laura Peppin zum Vizepräsidenten ihres neu gegründeten „Clubs zur Notbekleidung der Bäume im Herbst“.
Autor: Meike Dackweiler