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Werbeverbot für Süßigkeiten im Kinderprogramm

KKH-Allianz fordert Werbeverbot für Süßigkeiten im Kinderprogramm

©pixelio / Benjamin Klack Immer mehr Menschen erkranken in jungen Jahren am sogenannten Altersdiabetes (Typ-2). Um insbesondere Kinder vor der heimtückischen Erkrankung besser zu schützen, fordert nun die KKH-Allianz ein Werbeverbot für Naschwerk im Kinder-TV. Dadurch erhofft sich die viertgrößte Krankenkasse in Deutschland, den Einfluss von unbewussten gesundheitsschädlichen Botschaften zu verringern.

Werbespots stehen seit längerem unter Verdacht, den übermäßigen Konsum von Süßigkeiten zu fördern und mitunter für den starken Anstieg von Fettleibigkeit bei Kindern mit verantwortlich zu sein. Die KKH-Allianz stützt ihre Forderung nach einer Abschaffung des diskutierten Werbezweigs auf den Daten ihrer Versicherten. Das Material wurde anlässlich des diesjährigen Weltdiabetestages vorgestellt und belegt einen gefährlichen Trend. Die Auswertung hatte ergeben, dass im Jahr 2008 rund 219.000 Typ-2-Diabetiker in ambulanter oder stationärer Behandlung waren. Nur ein Jahr später stieg die Zahl auf 246.300 Fälle, Tendenz steigend. Nach Zahlen der Felix Burda Stiftung wären jedoch bis zu 90 Prozent der Erkrankungen bereits mit klassischen Maßnahmen, wie gesunde Ernährung und Sport, vermeidbar gewesen.  

Studien: TV-Werbung animiert Kinder zum verstärkten Süßwarenkonsum

Der Zusammenhang zwischen Süßwarenwerbespots und dem Konsum der Dickmacher wurde bereits in vielen internationalen Studien bewiesen, so Christian Klameth, Leiter des KKH-Allianz Servicezentrums in Hameln. Schokolade, Bonbons und Co. scheinen auf die Konsumenten ohnehin eine magische Kraft auszuüben. Zusätzlich verstärkt wird die Verlockung durch Aussagen, die dem Verbraucher per TV vermittelt werden. Besonders den kleinen Zuschauern wird dabei mit bunter und lustig gestalteter Werbung eine falsche Botschaft vermittelt. Die TV-Werbung für die Kleinen wirkt, denn bei Kindern unter 6 Jahren bilden sich Ernährungsvorlieben erst noch aus. Laut Prof. Dr. Berthold Koletzko, Leiter der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist sogar die Tendenz zu beobachten, dass die Firmen und Hersteller immer jüngere Altersgruppen ansprechen. Das hat fatale Folgen für die Gesundheit junger Menschen. Zurzeit leiden rund 6 Mio. der Bundesbürger an Diabetes. Sollte dieser Trend fortbestehen, wird die Zahl der Erkrankten in den nächsten 15 Jahren um 50 Prozent steigen. 

Andere Länder nehmen die Angelegenheit ernst

Im Durchschnitt sieht ein fernsehendes Kind hierzulande zwischen 20.000 und 40.000 Werbespots jährlich. Die Hälfte dieser Kurzfilme wirbt für Süßwaren. Ein kritischer Umgang mit Werbung ist aus Sicht der Experten keine ausreichende Maßnahme mehr. TV-Werbung wirkt sich schleichend auf die Vorlieben der Kinder aus. So steigt etwa der Kaufwunsch bezüglich bestimmter Speisen und Getränke schon bei 2-Jährigen. Die Erfahrung hat ferner gezeigt, dass Kinder unter acht Jahren den überredenden und verschönernden Charakter der Werbung meist nicht erfassen. Diese Erkenntnisse haben dazu beigetragen, dass viele europäische Länder die Empfehlung der Experten in die Tat umsetzen. In Norwegen, Schweden und einigen skandinavischen Ländern beispielsweise ist es selbstverständlich, die problematische Werbung in Kinderprogrammen nicht auszustrahlen. Christian Klameth (KKH-Allianz) hofft, dass auch Deutschland dieses Thema mit Ernst angeht. "Wenn Appelle an die freiwillige Selbstkontrolle der Wirtschaft nicht weiterhelfen, muss die Politik handeln“, kommentiert Klameth die Verbotsforderung. Doch die Politik zögert. So hatte die Bundesregierung bereits 2008 in dem weiterhin gültigen Aktionsplan INFORM eine Vereinbarung mit der Lebensmittelwirtschaft angekündigt, in der sich diese verpflichtet, auf Werbung gegenüber Kindern unter zwölf Jahren zu verzichten. Dies ist bisher nicht verwirklicht worden, weshalb nun auch der der Bundesverband Verbraucherzentralen (vzbv) verstärkt Druck ausübt.

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