Erstellt am: 28.10.2010
Letzte Änderung am: 28.10.2010
Mit zunehmender Krankheitsdauer bei Diabetes mellitus sind oft Beeinträchtigungen der Nervenstränge die Folge. Doch bereits Kinder, die länger als zwei Jahre an Typ-1-Diabetes leiden, weisen verborgene Nervenschäden auf. Mittels der neuen Messmethode der Quantitativen Sensorischen Testung könnten die kleinen Schädigungen nun früh entdeckt werden. Dies ergab die Studie der Vestischen Kinderklinik Datteln.
Viele Diabetiker kennen das Gefühl: Plötzlich brennt die Haut bereits bei kleinsten Berührungen wie Feuer oder eine Stelle sticht plötzlich wie 1.000 Nadelstiche. Diese Erscheinungen sind typische Beschwerden von neuropathischen Schmerzen. Sie sind in der Regel chronisch und werden durch Schäden an Nervenbahnen oder im zentralen Nervensystem verursacht. Um diese Nervenschmerzen zu ermitteln, kommt die Quantitative Sensorische Testung (QST) zum Einsatz. Bisher ist sie die einzige Methode, um die Funktionsfähigkeit dünner Nervenfasern klinisch zu testen. Die Untersuchung besteht aus einer Reihe von einfachen Tests wie einer Messung der Schmerz- und Wahrnehmungsschwelle für Hitze, dumpfen Druck oder Reizung mit einem spitzen Gegenstand. Liegt beim Patienten eine Nervenschädigung vor, erkennt der Arzt das an charakteristischen QST-Profilen, die sich durch stärkere oder schwächere Sensibilität für einen bestimmten oder auch mehrere Reize darstellen. Das Verfahren wurde in den letzten Jahren vom Deutschen Forschungsnetz Neuropathischer Schmerz (DNFS) entwickelt und erprobt und wurde jetzt auch erstmals bei Kindern ab sechs Jahren angewandt, wie auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim berichtet wurde.
QST – bei Kinder eingesetzt
Die Entstehung von chronischen Schmerzen bei Kindern ist lange noch nicht so gut erforscht, wie bei Erwachsenen. Als sicher galt bisher nur, dass sich die Entstehung der Schmerzen bei den beiden Generationen deutlich voneinander unterscheidet und sich somit die Resultate aus dem Gebiet der Erwachsenenforschung nicht einfach übertragen lassen.
Nicht nur Erwachsene leiden jedoch vermehrt darunter, auch bei Kindern treten chronische Schmerzen sehr häufig auf. Betroffen sind verstärkt auch junge Diabetiker, die schon lange mit der Erkrankung leben. Mit rund 200.000 betroffenen Kindern ist die Zahl in Deutschland generell sehr hoch. Aktuelle Untersuchungen mit der QST bei Kindern haben nun zu den Besonderheiten ihres chronischen Schmerzempfindens neue Erkenntnisse erbracht. „Diese Ergebnisse werden voraussichtlich auch die Behandlung in Zukunft erheblich verbessern", meint Studienleiter Dr. Markus Blankenburg, Kinderarzt und Neurologe von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln. Die Studie hat ergeben, dass rund die Hälfte aller Kinder, die länger als zwei Jahre an Typ-1-Diabetes leiden, verborgene Nervenschäden haben.
Mittels der neuen Messmethode QST lassen sich diese Nervenschäden entdecken, noch bevor das Kind sie bemerkt. Blankenburg nimmt an, dass sich diese Schäden bei Kindern durch eine bessere Einstellung des Blutzuckers und vielleicht auch durch Medikamente wieder zurückbilden könnten. Somit wurde sich die QST-Messung sowohl als Screening-Verfahren als auch zur Überprüfung der Wirksamkeit von Medikamenten ebenfalls eignen.