Erstellt am: 23.11.2010
Letzte Änderung am: 23.11.2010
Schaut man sich Sendungen wie „Germanys next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ an, könnte man annehmen, die Mehrzahl der Jugendlichen achte sehr stark auf ihr Aussehen, lege viel Wert auf Mode sowie auf das Gewicht. Studien zeigen jedoch, dass die Realität anders aussieht. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind heute übergewichtig. Hinzu kommt die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, welche aufgrund ihrer Fettleibigkeit an einem Typ-2-Diabetes, einer ursprünglich altersbedingten Form der Zuckerkrankheit erkranken.
Während pummelige Babys noch als süß gelten, wird bereits leichtes Übergewicht im Grundschulalter als kosmetischer Makel oder Problem empfunden. Da Kinder aber im Wachstum sind, ist es normal, wenn sie zeitweise etwas schlanker oder dicker sind. Grund zur Sorge sollten die Eltern jedoch haben, wenn das Gewicht wesentlich schneller steigt, als das Kind wächst. Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt sowie Richtlinien nach dem Body-Mass-Index helfen beurteilen zu können welches Gewicht für Größe und Alter noch als normal gilt und ab wann es bereits krankhaft wird.
Starkes Übergewicht im Kindesalter bringt langfristig vielerlei Probleme mit sich: Angefangen bei Leistungseinschränkungen in der Schule durch zunehmende gesundheitliche Schwierigkeiten, über das Aufkommen von seelischen Problemen beispielsweise durch figurbedingtes Mobbing bis hin zu dem Auftreten von ernsten Erkrankungen durch ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck. War man als Kind fettleibig, hat man meist auch im Erwachsenenalter noch mit Übergewicht zu kämpfen.
Fettsucht erhöht Herzrisiko
Nicht nur in Deutschland ist die Zahl der an Adipositas (krankhaftes Übergewicht) erkrankten Kinder gestiegen. Auch Wissenschaftler des British Columbia Children's Hospital berichten, dass die Fettsucht bei Kindern in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch zugenommen hat und weiter steigen wird. Abgesehen von zu erwartenden ästhetischen und psychologischen Schwierigkeiten der Kinder, steigt mit der Zahl der Fettleibigen auch die Zahl der Risikogruppe derer, die an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Stoffwechselstörungen leiden werden. Die britischen Wissenschaftler befürchten daher, dass Herz- oder Schlaganfälle sowie Typ-2-Diabetes bei immer jüngeren Menschen auftreten werden.
Bei den Untersuchungen wurde herausgefunden, dass die Blutgefäße fettsüchtiger Teenager bereits denen von Menschen mittleren Alters ähneln. So konnten schon bei Dreizehnjährigen Anzeichen eine Versteifung der Aorta nachgewiesen werden, was ein erster Hinweis auf eine Herzerkrankung ist. Die Verhärtung der Arterien, die das Herz mit Blut versorgen, gilt als eine der entscheidenden Veränderungen bei Herzerkrankungen.
Kevin Harris, einer der Wissenschaftler, will jetzt untersuchen, ob sich die Veränderungen der Aorta durch eine verbesserte Ernährung und Sport wieder rückgängig machen lassen.
Lebensstil und andere Gründe
Sind Kinder übergewichtig oder gar fettleibig, wird häufig der Grund dafür gesucht. Während Familienangehörige meistens die Gene dafür verantwortlich machen, suchen Ärzte und Wissenschaftler den Grund im Lebensstil: Eine ungesunde Ernährung und der Mangel an Bewegung sowie die Trägheit der Videospiel-Generation werden häufig als Ursache genannt. Einen alleinigen Schuldigen gibt es natürlich nicht. Jede Fettleibigkeit hat eine persönliche Ursache. Im gewissen Maße spielen neben dem Lebensstil auch die Gene eine entscheidende Rolle dabei, ob ein Kind fettsüchtig wird oder nicht.
Fehlendes DNA-Segment verursacht Fettsucht
Die Wissenschaftler der University of Cambridge und des Wellcome Trust Sanger Institute konnten Ende vergangenen Jahres eine genetische Ursache für schwere Fettsucht bei Kindern nachweisen. Ihrer Meinung nach ist der Verlust eines entscheidenden DNA-Segments dafür verantwortlich. Teamleiter Sadaf Farooqi berichtete, dass ein bestimmtes Gen auf dem Chromosom 16 eine ausschlaggebende Rolle bei der Regulierung des Gewichts und der Blutzuckerwerte spielt. „Menschen, denen in diesem Bereich Teile des Genoms fehlten, hatten ein starkes Verlangen zu essen und nahmen sehr leicht zu.“, so Farooqi.
Die genetischen Faktoren spielen somit sicherlich eine zusätzliche Rolle bei der steigenden Zahl an übergewichtigen Kindern, sind jedoch nicht der alleinige Grund. Kinder werden erst fettleibig, wenn sie über eine längere Zeit zu viel und falsch essen und sich zu wenig bewegen. Ernährungsexperten sind der Meinung, dass auch Menschen mit einer ungünstigen genetischen Veranlagung mit einer ausgewogenen Ernährung und einem sinnvollen Bewegungsverhalten ein normales Gewicht halten können.
Führt der Bewegungsmangel zur Fettleibigkeit oder ist diese Grund für den Bewegungsmangel?
Bewegungsmangel führt zu Übergewicht. – So die weitverbreitete Meinung. Eine britische Studie der EarlyBird-Stiftung hat jetzt jedoch gezeigt, dass entgegen dieser verbreiteten Annahme starkes Übergewicht zur Bewegungsunlust führe. Im Rahmen der Studie wurde bei 202 ungefähr gleichaltrigen Kindern (Alter zu Beginn: 7 Jahre) drei Jahrelang einmal jährlich zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten die körperliche Aktivität und der Körperfettanteil bestimmt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt "Archives of Disease in Childhood" und zeigten, dass die Stärke und Ausdauer der Bewegung der Kinder keinen erkennbaren Einfluss auf ihre Körperfettwerte hatte. Die Ergebnisse zeigten jedoch auch, dass die Wissenschaftler anhand des erhöhten Körperfettanteils der siebenjährigen Kinder voraussagen konnten, dass sich die körperliche Bewegung deutlich reduzieren wird. Die Forscher schließen daraus, dass „die Weichen der vorpubertären Gewichtsentwicklung bereits vor dem fünften Geburtstag gestellt werden“ und sehen den Grund der Fettleibigkeit nicht im Bewegungsmangel, sondern in der Ernährungsweise der ersten Lebensjahre und in der Vorbildrolle des gleichgeschlechtlichen Elternteils.
Ernährung ist eine Frage der Erziehung
Am besten können Eltern ihre Kinder unterstützen, indem sie zu Hause ein gesundes Essverhalten vorleben und gemeinsame, regelmäßige Mahlzeiten einnehmen. Dazu zählt vor allem, dass sie Grundnahrungsmittel selber einkaufen und Speisen selbst zubereiten/kochen. Sei es Kartoffelpüree oder selbstgemachter Nachtisch aus frischer Milch, der jedem Sahnepudding aus dem Kühlregal vorzuziehen ist. Darf das Kind bei den Vorbereitungen helfen oder den Tisch dekorieren, hat es meist automatisch mehr Lust auf das gemeinsame Kochen, als auf fertiges Essen aus dem Kühlregal.
Weggelassen oder nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten vor allem Fertigsoßen und -gerichte bzw. -breie bei Babys sowie eine große Menge von Kinderschokoladen, -desserts oder -fruchtjoghurts. Diese Produkte enthalten eine große Menge an zusätzlichen Trauben- oder Fruchtzuckern, Fetten und Aromen. Instantkakao besteht beispielsweise nur zu 20 % aus Kakao, kleinen Mengen Emulgatoren, Aromen und dann zum allergrößten Teil aus Zucker.
Genug Flüssigkeit ist vor allem für Kinder besonders wichtig (1 - 2 Liter Flüssigkeit täglich), da sie einen aktiven Stoffwechsel haben und durch vieles Rumtoben leichter schwitzen. Als Hauptgetränk sollte immer Mineral-/ Wasser und zur Abwechslung verdünnte Gemüse- und Fruchtsäfte ohne Zuckerzusätze angeboten werden. Limonaden, Light- oder Eisteegetränke sind allesamt ungesund und in großen Mengen aufgrund von Koffein (in Eistee und Cola) und Süßstoffe schädlich für Kinder.
Selbstverständnis Bewegung: durch gemeinsame Ausflüge und Einkäufe
Auch sollten die Eltern einen Alltag mit ausreichend Bewegung vorleben und beispielsweise nicht jede Besorgung mit dem Auto erledigen oder alle Abende und Wochenenden vor dem Fernseher verbringen. Kleine Einkäufe oder der Weg zum Kindergarten bzw. zur Schule können zum Beispiel zusammen mit den Kindern (soweit es die Gegebenheiten zulassen) per Rad oder zu Fuß erledigt werden; Spaziergänge und Ausflüge sollten darüber hinaus dem sonntäglichen Fernsehprogramm vorgezogen werden. Ein aktives Leben der Eltern schafft bei den Kindern eine Selbstverständlichkeit für Bewegung und beugt somit Übergewicht und Trägheit vor.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,705542,00.html
http://www.pressetext.de/news/101025010/teenager-fettsucht-erhoeht-herzrisiko/
http://derstandard.at/1259281356480/Uebergewicht-Gen-Fehler-verursacht-Fettsucht-bei-Kindern
http://www.mobile-familienmagazin.de/gesundundmunter/ernaehrung/details?k_onl_struktur=385574&k_beitrag=166726
http://www.babyguide.at/rtc-babyguide/533