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Interview mit Meinrad Knapp

"Am Anfang habe ich das sehr locker genommen"

Meinrad Knapp Meinrad Knapp ist nicht nur in Österreich als cooler TV- und Radiomoderator beliebt. In der Morning-Crew von Radio KroneHit in Wien sorgt er morgens für einen aufregenden Start in den Tag. Und beim Sender ATV informiert Meinrad über die spannendsten Themen des Tages. Seit sieben Jahren weiß der 29-jährige Wiener, dass er Typ-1-Diabetiker ist. Doch wie geht ein so viel beschäftigter Mann wie Meinrad mit dem Diabetes um, und was macht er in seiner Freizeit? D`GATE hat nachgefragt.

Redaktion: Meinrad, Du arbeitest u. a. in der Morgencrew des bekannten österreichischen Radiosenders
KroneHit. Was machst du da genau, und wie bist du eigentlich zu deinem Beruf gekommen?
Meinrad: Eigentlich eher zufällig. Ich habe mich, als ich gerade 14 war, mal so zum Spaß beim Radio beworben. Irgendwie bin ich dann dort hängen geblieben. Ich habe dann während meiner Schulzeit am Wochenende moderiert, bin dann später zum Fernsehen gewechselt und mache momentan beides. Aber ehrlich gesagt: Ich wüsste nicht, was spannender ist, Radio oder Fernsehen.

Redaktion: Seit sieben Jahren weißt Du, dass Du Diabetiker bist. Hattest Du schon einmal Probleme im Job deswegen?
Meinrad: Noch nie! Meine Redaktion weiß natürlich, dass ich Diabetiker bin. In den Studios, sowohl beim Fernsehen als auch beim Radio, steht immer eine Dose "Red Bull", für alle Fälle.

Redaktion: Wie hast du denn eigentlich erfahren, dass Du Diabetiker bist?
Meinrad: Ich lernte gerade für meine Matura (so nennt man das Abitur in Österreich). Am Schluss wog ich dann nur noch 59 kg, das ist bei meiner Körpergröße von 186 cm doch relativ wenig! Da meine Schwester auch Diabetikerin ist, kannte ich die Symptome eigentlich schon gut und wusste schon, was los ist, bevor ich ins Krankenhaus musste.

Redaktion: Wie bist du damit umgegangen, als man Dir gesagt hat, dass du Diabetes hast? Haben Deine Freunde Dich unterstützt?
Meinrad: Am Anfang habe ich das sehr locker genommen, fast ein bisschen wie ein Spiel. Ein halbes Jahr nach der Diagnose wurde ich dann ehrlich gesagt doch nachdenklicher, weil ich realisiert habe, dass sich in meinem Leben was geändert hat. Ich habe begonnen, ausgedehnt zu reisen, war sogar in Neuseeland in der Schule. Ich komme jetzt sehr gut mit meiner Situation zu recht. Meine Freunde sind sehr cool damit umgegangen. Es gab halt dann auf allen Festen extra "Cola Light" für mich.

Redaktion: Man kennt Dich ja schon aus Radio und Fernsehen. Aber was machst du eigentlich in Deiner Freizeit?
Meinrad: Schlafen, weil mein Job recht stressig ist. Außerdem reise ich sehr gerne und sehr viel. Mein größtes Hobby ist wohl das Lesen und 2- 3 mal die Woche gehe ich Joggen.
Ein Abend in der Woche ist reserviert für meine besten Freunde. Auch wenn viele schon verheiratet sind und manchmal ihre Kinder mitbringen, ist das echt ein Pflichttermin!

Redaktion: Was tust du sonst noch, um fit zu bleiben?
Meinrad: Ich spüre, dass mir Sport gut tut. Allerdings geht es mir wie jedem Menschen: Auch ich muss meinen inneren Schweinehund erst überwinden. Am liebsten gehe ich nach dem Büro noch eine halbe Stunde laufen. Das macht auch den Kopf ziemlich frei.

Redaktion: Kannst du überhaupt ausgelassen feiern oder hast du immer Diabetes im Hinterkopf?
Meinrad: Natürlich, ich feiere auch sehr gerne sehr ausgelassen und bin auch wirklich oftmals einer der letzten, der geht! Zwischendurch kontrolliere ich eben meinen Blutzuckerspiegel und so geht das eigentlich recht gut. Obwohl ich sagen muss, dass die Erholungsphasen länger werden. Das dürfte aber eher mit dem Alter zusammenhängen, denn meinen "gesunden" Freunden geht es auch so.

Redaktion: Fühlst du dich durch den Diabetes irgendwie eingeschränkt? Wenn ja, inwiefern?
Meinrad
: Natürlich bin ich objektiv eingeschränkt. Ich kann jetzt nicht mehr nur mit einer Dose "Coca Cola" und einer Kreditkarte um die Welt fahren. Ich weiß aber nicht, ob ich das jemals gemacht hätte.
Und ganz privat bin ich der Meinung: Wenn Diabetes mein Deal mit dem Schicksal ist, dann bin ich echt dankbar und sehr zufrieden, denn es gibt bei Gott sehr viel Schlimmeres. Ich bin mittlerweile mit meinem behandelndem Arzt sogar befreundet. wir legen beide Wert auf regelmäßige Kontrollen, weil ja gerade im Bereich der Spätschäden der hba1c-Wert sehr wichtig ist! Aber auch ohne Wert: Wenn man in sich selbst reinhört, weiß man eh, ob es gerade gut läuft, oder ob man etwas genauer sein sollte.

Redaktion: Du musst seit der Diagnose regelmäßig Insulin spritzen. Wie gehst du damit in der Öffentlichkeit um?
Meinrad: Zu Beginn habe ich das sehr cool gefunden, in der Öffentlichkeit Insulin zu spritzen. Mittlerweile ist mir das nicht mehr so wichtig. Aber die meisten Menschen achten auch überhaupt nicht darauf. Im Flugzeug ist es mir manchmal ehrlich gesagt zu mühsam aufs Klo zu gehen. Einfach ein bisschen zum Fenster drehen und kein Problem.
Ein wirklich interessanter Nebeneffekt: Ich glaube, ich kenne mittlerweile fast jedes WC in Wien! Und wenn die sehr grausig sind, dann spritze ich lieber in der Öffentlichkeit.

Redaktion: Wie gehen deine Freunde damit um, dass du Diabetes hast? Ist Diabetes ein Thema?
Meinrad
: Eigentlich reagieren meine Freunde sehr cool und Diabetes ist kein wirkliches Thema. Nur manchmal kommen halt Themen auf  wie: "Es gibt da was Neues", "..habe ich im Fernsehen gesehen", "Weißt Du das schon...", "Ich habe einen Zeitungsausschnitt mitgebracht" und ähnliches.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Meinrad! Wir wünschen Dir auch weiterhin so viel Erfolg wie bisher!

Autor: Wiebke Raue

Quelle: Interview im Juni 2004

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