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Reportage

Diabetes-Sprechstunde Uni Düsseldorf

Diabetes-Sprechstunde Die Atmosphäre im Schlossmannhaus ist hell und freundlich und erinnert eher an einen modernen, liebevoll ausgestatteten Kindergarten. Fünf Kinder und Jugendliche haben sich an diesem Nachmittag zunächst im Schlossmannhaus der Düsseldorfer Uni-Klinik zur Diabetes-Sprechstunde bei Dr. Gerhard Däublin eingefunden - alle in Begleitung der Eltern oder eines Elternteils.

Es ist heiß an diesem Augustnachmittag; viele holen sich noch schnell ein Eis aus der nahestehenden Kühltruhe. Im Warteraum bekommen die Kleineren Bücher vorgelesen, die Großen unterhalten sich mit den Eltern. Bevor es in die Sprechstunde geht, gibt es eine kurze Untersuchung, der Blutzucker wird gemessen, eine Urinprobe abgegeben.

Ebenso freundlich ist die Atmosphäre in der Sprechstunde. Die erste kleine Patientin von Dr. Gerhard Däublin heißt Katharina, ist ein sehr zartes Mädchen und, ganz stolz, "schon fast sieben". Katharina erkrankte vor drei Jahren an Diabetes. Seit dieser Zeit fährt sie alle drei bis vier Monate mit ihrer Mutter zur Diabetes-Sprechstunde in die Uni-Klinik. Dr. Däublin fragt seine kleine Patientin zunächst, wie es ihr geht. Ob sie gut ißt, ob sie satt ist. Katharina bejaht. Die Mutter erzählt, dass Katharina gerne Sport treibt, sehr viel Fahrrad fährt. Dann fragt der Arzt, ob Katharina noch in den Kindergarten geht: "Ich komme doch jetzt in die Schule!" Ein Stichwort für die Mutter, die sich noch an die Probleme in Katharinas erstem Kindergarten erinnert: "Eine Unterzuckerung haben die da gar nicht erkannt, obwohl wir denen Bescheid gesagt haben und auch Info-Material besorgt haben." Die Konsequenz: Der Kindergarten wurde gewechselt: "In dem anderen Kindergarten hat es dann allerdings auch gut funktioniert. Ich meine, wir haben seit drei Jahren ein AuPair-Mädchen - und die kriegt das doch auch hin!" Dr. Däublin kennt die Problematik und bietet vorsorglich weiteres Info-Material für die Schule an. Dann möchte er von Katharina wissen, ob und wieviel sie selber spritzt: "Ja, aber nur manchmal." Die Mutter erzählt, dass Katharina im Urlaub mehr Insulin benötigt hätte, wegen der leckeren Brötchen und Croissants: "Aber das war auch überhaupt kein Problem." Währenddessen untersucht der Arzt die Einstiche und gibt noch den Tipp, beim Spritzen in den Oberarm denselben gegen eine Tischkante zu drücken, weil dann das Fleisch zusammengedrückt wird.

Katharina hat selten Unterzuckerungen, klagt allerdings des Öfteren über Bauchschmerzen. Die Mutter vermutet: "Ich glaube nicht, dass da andere Gründe vorliegen. Oft hat sie nur Bauchschmerzen, weil sie Hunger hat!" "Deshalb habe ich ja auch gefragt, ob du satt bist", lacht der Arzt.

Alles in allem sind Katharinas Werte sehr gut, Dr. Däublin ist zufrieden und fragt noch nach dem letzten Augenarzttermin. Der war vor einem halben Jahr und "alles war ok!" Alles ok auch bei dem heutigen Austausch - und doch gibt es noch ein kleines Wermutströpfchen zum Schluß: Dr. Däublin erzählt, dass er die Klinik verlassen wird, da er eine neue Stelle hat. Katharina ist noch zu klein, das zu verstehen. Ihrer Mutter aber merkt man trotz der herzlichen Gratulation an, dass sie "ihren" Arzt für ihre Tochter lieber weiter behalten hätte. Drei Jahre schweißen eben zusammen.

Dass die Sprechstunde bei Dr. Däublin bei weitem kein leidiges "muß" ist, sieht man auch der fast 16-jährigen Eva auf Anhieb an: Die Mutter hat sie im Schlepptau, betritt sie strahlend das Behandlungszimmer. Bei Eva wurde der Diabetes im April 1997 diagnostiziert. Seitdem kommt sie aus ihrer Heimat, dem Siegerland, regelmäßig zur Diabetes-Sprechstunde. Zunächst gibt es den obligatorischen Einstieg: Dr. Däublin fragt Eva, wie es ihr geht. Die hübsche Schülerin lacht: "Gut!" Und wie war das Zeugnis...?! Strahlen bei Mutter und Tochter - alles im grünen Bereich!

Gibt es sonstige Probleme? Eva erzählt, dass sie in den Ferien morgens manchmal "etwas korrigieren" mußte. Dr. Däublin möchte wissen, wo sie im Urlaub war. Eva war in München, hatte also keine große Umstellung. "Da hast du wahrscheinlich länger geschlafen", vermutet Dr. Däublin - und liegt damit auch richtig. Gibt es Probleme mit Unterzuckerungen? Selten, höchstens zweimal im Monat. Der Arzt fragt, ob sie weiß, wann sie Unterzuckerungen hat: "In der Schulzeit, meistens mittags oder nachmittags - weil ich dann weniger gegessen habe." Der Arzt ist zufrieden - Eva weiß selber den Grund. "Was sagst du denn zu deinem Gewicht?", fragt Dr. Däublin. Leichte Röte überzieht das Gesicht; die Mutter schaltet sich ein: "Natürlich gibt es Momente, wo sie sagt, hier oder da zwickt`s ein bißchen. Aber ansonsten ist sie sehr zufrieden." Eva bejaht, strahlend wie immer. Der Arzt erläutert seine Frage: "Viele haben eben Probleme in der Pubertät und bekommen ordentlich Übergewicht. Damit hast du aber überhaupt keine Probleme. Wobei ich mir auch nicht anmaßen möchte, für deinen Körper zu sprechen!"

Eva berichtet vom wöchentlichen Sportprogramm, und kommt schließlich zu "altersgemäßen" Fragen. Sie möchte wissen, ob sie alkoholische Getränke zu sich nehmen darf. "In Maßen ja - und du mußt es berechnen. Wenn du nämlich im Vollrausch liegst und merkst die Unterzuckerung nicht, dann hast du ein Problem", neckt Dr. Däublin sie augenzwinkernd. Schnell winkt der Teenager ab: "Ich rede ja nur mal von einem Bier oder einem Glas Wein!" Nächstes, wichtiges Thema: Verhüten - aber wie? "Wenn du die Pille nimmst, bitte nicht rauchen! Rauchst du?" Eva verneint. Wenn irgendwie möglich, erläutert der Arzt weiter, dann bitte ohne Chemie.

Und was ist nächstes Jahr bei einem längeren Auslandsaufenthalt zu beachten, möchte Eva noch wissen. Wohin soll´s denn gehen? Nach Amerika! "Na super", ist Dr. Däublins begeisterte und prompte Antwort: "Da gibt's überhaupt kein Problem! Die medizinische Versorgung ist einwandfrei. Du solltest dich vorher nur mit der Kasse absprechen, wie das mit den Abrechnungen läuft. Ansonsten - ich kann dir nur raten, mach das auf jeden Fall!"

Auch Eva und ihre Mutter reagieren etwas bestürzt auf den unerwarteten Abschied von "ihrem" Arzt, dem langjährigen Wegbegleiter Evas. Dr. Däublin tröstet - bald wäre Eva ja nun auch aus dem Kinderarzt-Alter heraus... "Alles Gute" wünschen sich Arzt und Patientin noch gegenseitig an der Türe. Im Warteraum ist es voll geworden - Dr. Däublin wird sich heute noch oft verabschieden...

Autor: Pia Zimmermann

Quelle: Interview mit Dr. Gerhard Däublin von der Uni-Klinik Düsseldorf

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