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Übergewichts-Prävention

Prävention soll Übergewicht von Kindern senken

Die Zahl übergewichtiger Kinder in Deutschland ist erdrückend. In den letzten 20 Jahren haben sie sich verdoppelt. Die Deutsche-Adipositas-Gesellschaft (DAG) kam zu dem Ergebnis, dass fast 30% der unter 18jährigen zu viele Kilos auf die Waage bringen.

Davon leidet knapp ein Zehntel unter krankhafter Fettsucht (Adipositas). Typische altersbedingte Krankheiten, wie Gelenkschäden, Herz-Kreislauf-Störungen und/oder Diabetes sind bereits in jungen Jahren die Folge. Schätzungsweise 35% der fettsüchtigen Kinder leiden bereits an einer Vorstufe des Typ 2 Diabetes. (Prognosen sehen in Typ 2 Diabetes eine neue Kinderkrankheit.) Zudem leidet die Seele der Betroffenen. Hänseleien und Minderwertigkeitskomplexe veranlassen oft, den Kummer erst recht sprichwörtlich in sich hineinzufressen. Mit "Babyspeck" hat das wenig zu tun. Wer als Kind stark an Übergewicht leidet, hat es später schwer ein "normales" Gewicht zu erreichen.
Von Adipositas ist die Rede, wenn der Wert des Gewichtes im Verhältnis zur Körpergröße den Normwert um 20% übersteigt. Die Ursachen sind vielerorts zu suchen: Falsche ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Vorbild Eltern, Kummer etc., das Spektrum ist groß. Um effektiv dagegen zu wirken, müssen die Ursachen erkannt und dann an den Wurzeln behandelt werden. Die Universitätskinderklinik in Leipzig verfolgt genau diesen Gedanken. Anfang des Monats startete das Präventionsprogramm zu Adipositas bei Kindern. Ziel ist die Reduktion übergewichtiger oder bereits ernsthaft an Fettsucht erkrankter Kinder. Die Dunkelziffer letzterer ist hoch. Eltern unterschätzen oftmals die Folgen des Übergewichts. Das neue Programm sieht daher besonders eine Sensibilisierung der Familie für Adipositas vor.

Programmverlauf

Mehr als deutschlandweit 280 Kinderarztpraxen senden, unter Einwilligung der Eltern, Körpergröße und Körpergewicht der kleinen Patienten an die Datenbank des Universitätsklinikums Leipzig. Zusätzlich führt der zuständige Kinderarzt über ein Jahr Ernährungs- und Bewegungsprotokolle. Auf diese Weise konnten so bereits Daten von mehr als 180.000 Kindern gespeichert werden. Kinder im Alter von 4-7 Jahren werden bisher in die Datenbank aufgenommen. "Grund der Altersbegrenzung ist das erstmalige körperliche Ausbrechen der Kinder in diesem Alter", erklärt Alexandra Keller, Assistenzärztin an der Universitätskinderklinik in Leipzig und mit sechs weiteren Mitarbeitern Betreuerin des Projekt.
Die Auswertung findet parallel in einem von zehn deutschlandweiten Zentren statt.
"Der behandelnde Arzt und natürlich die Eltern erhalten so Rückmeldung von uns, ob eine ernsthafte Gefahr besteht, dass das Kind an Übergewicht oder gar Adipositas leidet", erklärt Keller. "Ist eine Diagnose gestellt, wird dem Arzt eine mögliche Therapieanwendung für den Patienten vorgeschlagen. Zudem sollen die Eltern auf diesem Wege ausreichend informiert und aufgeklärt werden. Denn Übergewicht ist selten nur ein Problem des Kindes", so Keller weiter. Die Auswertung findet anonym statt und dient lediglich als Unterstützung für den behandelnden Arzt und die Eltern.
Die Gewichtsentwicklung von Kindern, die zu Fettleibigkeit tendieren, soll rechtzeitig beeinflusst werden.

Vom 16.-18. Oktober findet in Salzburg die Adipositas Jahrestagung Deutschland-Österreich-Schweiz statt. Verschiedene Diätformen, Folgeerkrankungen, medikamentöse oder nicht-medikamentöse Therapien, sowie die zunehmende Erkrankung von Kindern sind Themen der Tagung. "Die Prävention und Therapie des Übergewichts ist eine der wichtigsten Herausforderungen des 21.Jahrhunderts", so Keller.

Das Interview mit Alexandra Keller wurde am 01.Oktober 2003 durchgeführt.


 

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