Erstellt am: 11.02.2005
Letzte Änderung am: 11.02.2005
Die Insulinpumpe hat die Therapie von Zuckerkranken zweifellos revolutioniert. Sie bietet den Patienten eine enorme Erleichterung im Alltagsleben und sorgt für eine nahezu optimale Blutzuckereinstellung. Das ständige Spritzen fällt weg, die Insulinzufuhr wird von dem kleinen Gerät nahezu physiologisch genau geregelt. Dennoch schrecken immer noch viele Patienten vor einer Insulinpumpe zurück. Grund hierfür ist meist das Vorurteil, Insulinpumpen seien zu unhandlich und würden in vielen Situationen stören. Besonders beim Thema Sex kann es oft zu Diskussionen kommen, Fragen die sich viele stellen sind: ist man in vertrauten Momenten mit der Insulinpumpe einer zu viel? Oder kann man den treuen Begleiter in solchen Momenten einfach mal vor der Tür lassen?
Das Problem heißt nicht Unhandlichkeit sondern Scham
Dabei ist das Problem mit der Insulinpumpe in intimen Momenten längst nicht mehr die Unhandlichkeit der Geräte. Die Pumpen überschreiten heutzutage nicht einmal mehr die Größe eines Handys und auch das Gewicht ist in etwa dasselbe. Es ist vielmehr das Gefühl der Scham, das immer noch genug Menschen im Umgang mit der Erkrankung empfinden. Die Pumpe identifiziert Betroffene als „gehandicapt“ und gerade beim intimen Aufeinandertreffen können sie diese nicht mehr verbergen.
In einer festen Partnerschaft sollte die Erkrankung
auch beim Sex kein Tabuthema sein
Gerade in einer festen Beziehung darf Schamgefühl aber kein Thema sein. Gemeinsam mit dem Partner kann dieses vielmehr überwunden werden, schließlich ist eine Krankheit kein Grund, etwas zu verstecken oder sich einschränken zu lassen. Das Paar sollte über das Thema und die damit zusammenhängenden Ängste und Schamgefühle im Bereich der Sexualität offen sprechen, um nach einer Lösung zu suchen. Die anfängliche Angst, die Intimsphäre könnte durch das Gerät besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, bestätigt sich bei den meisten Paaren nicht.
Eine einfache Angelegenheit
Im Gegenteil, viele Paare berichten, dass das Ablegen der Pumpe genauso in das Vorspiel mit einbezogen werden kann wie beispielsweise Kondome, schließlich dauert das Ablegen der Pumpe bei einem abnehmbaren Katheder nur wenige Sekunden. Der Phantasie jedes einzelnen Paares bleibt es überlassen, wie sie solche Momente rücksichtsvoll und einfühlsam gestalten.
Bei One-Night-Stands oder der ersten Nacht auf die Pumpe verzichten
Anders als in einer festen Partnerschaft sieht es mit der Schamgrenze bei der ersten gemeinsamen Nacht mit einem neuen Partner oder etwa bei einem One-Night-Stand aus. In diesen Situationen ist das Schamgefühl natürlich höher, denn erstens fehlt das tiefe Vertrauen einer festen Partnerschaft und zweitens möchte man natürlich sexuell anziehend und erotisch wirken. Da ist ein deutliches Anzeichen für Krankheit oder Schwäche natürlich fehl am Platz.
In solchen Momenten ist es durchaus möglich, auch einmal auf die Pumpe zu verzichten, allerdings nicht ohne vorher für einen angemessenen Ausgleich des Blutzuckerspiegel zu sorgen. Vor dem Ablegen sollte der Blutzucker gemessen werden und dann die Zeit ohne Pumpe gegebenenfalls wieder per Spritze oder Pen ausgeglichen werden.
Letztendlich gilt, was jeder Einzelne aus der intimen Situation macht und wie er mit der Insulinversorgung verfährt, bleibt ihm oder ihr selbst überlassen. Wichtig ist nur: Die heutzutage praktischen und leicht zu bedienenden Insulinpumpen müssen und sollten beim intimen Tête-á-Tête kein Hindernis mehr darstellen.
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Autor: Carolin Bunge
Quelle:
„Insulinpumpenfibel...oder bei dir piepts ja“ von Ulrike Thurm, 4. Auflage, Sulzbach
„ Diabetes mellitus: Pumpentherapie“ von Dr. med. G. Lohmüller, Mainz (2001)
www.diabetesgate.de