Erstellt am: 12.10.2003
Letzte Änderung am: 09.09.2005
Auch wenn Sie sich das Lachen verkneifen mussten - die Assoziation mit dem Handy ist nicht abwegig, immerhin ist eine Insulinpumpe von ihren Abmessungen her tatsächlich in etwa so groß wie ein Mobiltelefon und wiegt auch vergleichbar viel. Insulinpumpen sind damit so klein und handlich, dass sie trotz des Katheters, der sie mit dem Körper des Trägers verbindet, perfekt in das Alltagsleben integriert werden können.
Da die Pumpe selbständig Insulin in der richtigen Dosierung an den Körper abgibt, gestalten sich viele Aspekte des Alltags flexibler und einfacher.
Der Tag eines "Pumpies" könnte demnach so aussehen:
8 Uhr - Aufstehen, und zwar nicht "gezwungenermaßen", sondern weil man tatsächlich ausgeschlafen hat. Die Pumpe wird auch nachts im Schlaf getragen und gibt weiterhin konstant Insulin an den Körper ab. Die meisten Pumpenträger lassen sie einfach im Bett neben sich liegen oder stecken sie in eine Tasche des Schlafanzugs. Wer einen unruhigeren Schlaf und damit Bedenken hat, der Katheter könnte sich lockern oder sogar aus der Haut gezogen werden, kann die Pumpe an einem Gürtel befestigen.
11 Uhr - Stress bei der Arbeit. Viele Pumpenträger stellen fest, dass ihre Leistungsfähigkeit mit der Pumpentherapie ansteigt, weil der Insulinbedarf, der sich mit Stress und Belastung ständig verändert, besser geregelt ist. Gerade Personen mit einem vielseitigen Beruf, in dem sie "auf Abruf" sein müssen und deshalb auch schon mal eine Mahlzeit ausfällt, sind mit der Pumpe gut beraten. Die Kollegen merken nichts davon, wenn man dies nicht möchte, denn das Kästchen lässt sich unsichtbar unter der Kleidung verstauen.
Zwischendurch - Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind auch mit der Pumpe Pflicht. Da sie nur kurzwirkendes Insulin an den Körper abgibt, kann im Fall einer Unterbrechung der Insulinzufuhr, etwa durch eine verrutschte Nadel oder einen abgeklemmten Schlauch, der Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Eine Insulinpumpe kann den Blutzucker (noch) nicht selbstständig messen und auch nicht eigenständig auf Schwankungen reagieren, sie gibt Insulin passend zu der vorher festgelegten Basalrate des Trägers ab. Allerdings: Zur Zeit beschäftigen sich mehrere Hersteller mit der Produkteinführung eines kombinierten Geräts. Die Verbindung von kontinuierlicher Blutzuckermessung und darauf reagierender Insulinpumpe ist eine echte Innovation und kann für Betroffene eine immense Steigerung der Lebensqualität bedeuten.
Schwere Unterzuckerungen treten mit der Insulinpumpe übrigens deutlich seltener auf als mit der konventionellen Therapie. Sollte die Pumpe einmal nicht einwandfrei funktionieren, zum Beispiel weil der Schlauch verstopft ist oder Insulin nachgefüllt werden muss, gibt sie einen deutlich hörbaren Warnton ab. Es gibt auch Geräte mit Vibrationsalarm.
13 Uhr - Mittagessen. Beim Essen genießt man als Pumpenträger im Vergleich zur konventionellen Therapie große Freiheit. Der zusätzliche Insulinbedarf für die Mahlzeiten wird einfach per Knopfdruck durch die Zugabe eines Bolus angepasst. Die Essgewohnheiten können bei Pumpentherapie insgesamt flexibler gestaltet werden, starre Zwänge bei den Essenszeiten gibt es nicht mehr.
16 Uhr - Arzttermin. Die Pumpe darf natürlich dranbleiben, außer wenn geröntgt werden soll, denn das verträgt sich nicht mit der empfindlichen Elektronik. Falls irgendwann eine Operation mit Krankenhausaufenthalt ansteht, sollte man vorher mit dem Arzt über die Insulinpumpe sprechen. Es kann sein, dass er zunächst gegen die Pumpe auf dem OP-Tisch ist. Erklären Sie ihm die Hintergründe; immerhin sind die wenigsten Patienten Pumpenträger und die Situation ist somit auch für den Arzt und das Krankenhauspersonal neu. Im Regelfall kann die Insulinpumpe auch bei Operationen angeschlossen bleiben.
18 Uhr - Die Runde Jogging, die man abends einlegen möchte, ist als Pumpenträger überhaupt kein Problem, genauso wenig wie die meisten anderen Sportarten, solange das "Anhängsel" sicher verstaut ist. Eine Bauchtausche eignet sich hier genauso gut wie eine Jacken- oder Hosentasche, die extra für den Katheter präpariert worden ist. Dieser wird übrigens auch bei viel Bewegung in Sport und Spiel nicht gespürt. Beim Schwimmen, in der Sauna und bei Kampfsportarten muss man die Pumpe natürlich ablegen.
22 Uhr - Ein heikleres Thema: die Insulinpumpe und Sex. Schließlich möchte man in intimen Momenten ungern "zu dritt sein". Ob mit oder ohne Pumpe ist eine Frage der persönlichen Einstellung. In einer vertrauensvollen Beziehung zum Partner stellt die Insulinpumpe mit Sicherheit kein Problem dar, sie gehört eben einfach zum Menschen und seiner Krankheit dazu. Zudem kann bei manchen Kathetern die Pumpe abgekoppelt werden; "danach" wird sie einfach wieder angeschlossen, ohne dass ein neuer Katheter gelegt werden muss.
Der Katheter der Insulinpumpe wird übrigens alle 1 bis 2 Tage gewechselt, es muss nicht mehr mehrmals am Tag gestochen werden.
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