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Urteil der Stiftung Warentest

Lebensmittelversand bei Amazon: das Urteil der Stiftung Warentest

©Stiftung Warentest Mitte Juli diesen Jahres hatte der Onlinehändler Amazon sein Sortiment um einen weiteren Zweig erweitert. Neben Büchern, Elektrowaren und Mode fing das Versandhaus an, mit seinem Lebensmittelangebot zu werben. Knapp zwei Monate später erntet die gut gemeinte Geschäftsidee vorwiegend negative Schlagzeilen. Hinzu kommt die ernüchternde Zwischenbilanz der Stiftung Warentest.

Die Amazonsche Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf mit einem einfachen Bücherhandel. Bald wurden auch weitere Produktbereiche angeboten, das Geschäft blühte. An Essbares hatte man sich erst vor kurzem getraut. Zurzeit scheint es, dass die Verbesserung durch die Einführung einer Lebensmittelplattform, nur eine „sogenannte“ zu werden verspricht. Die angebotene Ware ist häufig nicht frisch, dazu überteuert und erst Tage später lieferbar. Brauner Salat, beschädigte Eier und mehrere Lieferungen für einen einzigen Einkauf scheinen dabei kein Einzelfall zu sein. Beim jetzigen Entwicklungsstand sei der Lebensmittelversand von Amazon den Verbrauchern kaum zuzumuten, so das Ergebnis der Stiftung Warentest.

Die neue Lebensmittelplattform - unübersichtlich und unvollständig

Die Testbestellung umfasste insgesamt 20 Produkte im Wert von etwa 20 Euro. Probleme entstanden bereits bei der Produktsuche, da die Filterfunktionen von Amazon nicht benutzerfreundlich eingestellt sind. So konnte bereits der Begriff „Erdbeeren“ zu Suchergebnissen führen, die nichts mit der Frucht gemein hatten, wie beispielsweise unzählige Getränkepulver mit Erdbeergeschmack. Um hier den Warenkorb zu füllen, müssen der Kunde geübt in solchen Onlinebestellungen sein – kommentiert die Stiftung Warentest. Neben der mangelnden Übersicht, fällt das Lebensmittelsortiment bei Amazon durch Unvollständigkeit auf. Häufig werden Raritäten angeboten, wie beispielsweise Regenwasser aus Tasmanien, während alltägliche Lebensmittel auf der Produktliste fehlen. Der Kunde wird ferner ungenügend über das zu betreffende Produkt informiert. Die Tester vermissten dabei Angaben zu den Nährwerten und Mengen der Inhaltsstoffe. Weiter heißt es in dem Urteil, es wäre auffallend, dass die Beschreibungen in erster Linie einen werbenden Charakter hätten.

Im Preis ernüchternd hoch

Eigentlich sollte die von Stiftung Warentest bestellte Ware 20 Euro kosten. Erst zu Ende des Bestellvorgangs fiel den Testern jedoch auf, dass die Versandkosten für den Probekauf rund 25 Euro betrugen. Damit wurde für den Versand mehr Geld als für die Ware verlangt. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass Amazon bei zahlreichen Produkten oft lediglich als Vermittler für seine Handelspartner fungiert. Diese wiederum berechnen die Versandkosten individuell und nicht einheitlich. Werden beispielsweise 20 Produkte von fünf verschiedenen Anbietern versendet, kann es wie im durchgeführten Test schnell teuer werden. Unökonomisch nennt der Test zudem die vielen extravaganten Produkte, die Amazon seinen Kunden anbietet. In ihrem Kommentar bemängelt die Stiftung, dass nahezu alle bekannten Mineralwassermarken im Sortiment nicht zu finden seien. „Dafür können Kunden eine 0,7 Liter-Flasche Regenwasser aus Tasmanien für 7,90 Euro bestellen.“ – belächeln die Tester. Zudem sei das Angebot an meist teurem Wein reichhaltig, an Bier dagegen spärlich. Bei alltäglichen Lebensmitteln, wie beispielsweise Salz, würden Großpackungen angeboten, wobei Amazon den Kunden zu einem Vorratskauf bewegen will.  Laut der Tester rechnet es sich auch hier nicht. Neben überteuerter Ware und häufig unerschwinglichen Versandkosten, ist auch die Bezahlung umständlich. Meistens kann der Einkauf nur per Bankeinzug oder Kreditkarte getätigt werden. Kauf auf Rechnung hingegen war selten möglich.

Die Problematik der Lieferungen

Für die Testbestellung von 20 Produkten waren insgesamt 15 Lieferungen notwendig. Die ersten zehn davon trafen innerhalb von zwei Tagen ein, vier weitere am dritten Tag. Besonders lange habe das letzte Paket mit Bio-Eiern und Bio-Butter auf sich warten lassen. Nach einer Reklamation am vierten Tag dauerte es noch weitere drei Werktage, bis das Paket schließlich ankam. Damit musste der Kunde über sieben Werktage auf die beiden Lebensmittel warten. Auch das Ergebnis der gelieferten Ware überzeugte die Tester nicht in jedem Fall. So wurden bei den Eiern Transportschäden vermerkt. Alarmierend war zudem die zum Teil falsche Lagerung, welche zur starken Erwärmung von in dieser Hinsicht empfindlichen Lebensmitteln führte. Während die eingelieferten Bratwürste, sofort auf Keime untersucht wurden, erreichte das bestellte Eis den Kunden nur noch in Flüssigform. 

Testfazit: (noch) nicht empfehlenswert

Unter Berücksichtigung der Testergebnisse kann die Stiftung Warentest die Lebensmittelplattform von Amazon den Verbrauchern nicht empfehlen. Attraktiv ist die Lebensmittelbestellung bei Amazon dem Testurteil zufolge nur in Ausnahmefällen. Dies betreffe vor allem Delikatessen oder spezielle Lebensmittel, die im gewöhnlichen Supermarkt oft nicht zu finden sind. Dennoch: Die getestete Amazon-Webseite ist zunächst erstmal die in der Erprobung stehende Beta-Version. Der Onlinehändler hat zudem bereits angekündigt, die entlarvten Mängel zu korrigieren. Stiftung Warentest empfiehlt an dieser Stelle die Einführung Amazon-eigener Versandzentren, in denen die Ware gelagert, gebündelt und abgeschickt werden könnte. So würden die hohen Versandkosten erst gar nicht entstehen. Außerdem müsse das Sortiment wachsen, wobei auch der Ausbau entsprechender Filterfunktionen notwendig sei. „Inwieweit Amazon auf die Servicequalität der Handelspartner Einfluss nimmt, ist aber fraglich.“ – geben die Autoren des durchgeführten Tests zu Bedenken.

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