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Forschung

Hoffnung für herzkranke Diabetiker

©pix2art/pixelio Einem Expertenteam des Kinderkrankenhauses in Boston ist es gelungen, herzkranke Mäuse und Ratten zu heilen. Erstmals konnten die Forscher Zellen eines ausgewachsenen Herzens dazu bringen, sich zu vermehren und erholen.

Dem Team aus Bostener Wissenschaftlern ist es dabei gelungen herzkranke Versuchstiere ohne Hilfe von Stammzellen zu heilen. Die Zellen des Herzmuskels, Kardiomyozyten genannt, sind bei Erwachsenen bereits voll ausgereift. In der Forschung ist die Frage umstritten, ob auch voll ausgereifte Zellen sich noch einmal teilen können oder nicht. Unter der Leitung von Bernhard Kühn hat das Team des Kinderkrankenhauses in Boston nun einen Weg gefunden, genau diese Frage zu lösen und die Teilung erwachsener Zellen zu erreichen. Diese Entwicklung könnte auch für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, die als Hochrisikogruppe für Herzerkrankungen gelten, interessant sein.

Was sind Stammzellen?

Stammzellen sind Zellen, die noch keine bestimmte Aufgabe im Körper übernehmen. Sie sind  in der Lage, sich zu jedem beliebigen Zelltypus oder Gewebe auszudifferenzieren. Das bedeutet, dass eine Stammzelle sich zu Lungen-, Nerven-, Nieren- oder eben auch Herzzellen entwickeln kann. Diese Eigenschaft macht sie für die Forschung so interessant, weil man sie nutzen könnte, um durch Krankheiten oder Unfälle beschädigtes Gewebe mit Stammzellen zu erneuern. Wissenschaftler glauben, die Stammzellenforschung habe das Potential, bislang unheilbare Krankheiten wie Diabetes oder Querschnittslähmung zu heilen. Auch zerstörte oder schwer kranke Organe könnten mit menschlichen Stammzellen „nachgezüchtet“ werden. Solche Versuche sind jedoch ethisch höchst umstritten, da die optimalen Eigenschaften nur Stammzellen ungeborener Kinder haben.  

Zellteilung bei ausgereiften Herzzellen möglich

Zellteilung ist deshalb so wichtig, weil hierbei viele neue Zellen entstehen, die krankes oder beschädigtes Gewebe ersetzen können. Die Teilung ausgereifter Zellen wurde in der Bostoner Studie mit dem Protein „Neuregulin 1“  (NRG1) erreicht. Die Herzzellen waren zuvor im Labor gezüchtet worden und die Forscher experimentierten lange mit verschiedenen Molekülen um ihre Vermehrung anzuregen. Beim Protein NRG1 gelang die Zellteilung dann offenbar. Dieses Protein wurden bislang mit diversen Funktionen in der Entwicklung des Nervensystems assoziiert. Doch anscheinend regt NRG1 auch die Zellteilung von Kardiomytozyten an. Die positiven Laborergebnisse konnte das Wissenschaftlerteam schließlich auch im Tierversuch nachweisen: Ausgewachsenen Mäusen wurde das Protein  NRG1 gespritzt. Bei Labortieren, die zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten, verbesserte sich die Regeneration des Herzmuskels und die Funktion des gesamten Organs deutlich. Aus welchem Grund NRG1 diesen positiven Effekt erzielt, konnte allerdings nicht eindeutig geklärt werden. Die nächsten Tests sollen mit herzkranken Schweinen durchgeführt werden, da deren Organe denen der Menschen ähnlicher sind.

Hoffnung für herzkranke Diabetiker?

Wenn die Tierversuchsstudien abgeschlossen wurden und entsprechende Sicherheitsprüfungen durchlaufen sind, könnte das Verfahren auch bei herzkranken Menschen angewandt werden. Die Forscher in Boston stellen sich vor, dass man herzkranken Menschen einmal pro Woche eine Infusion mit dem Wachstumsfaktor NRG1 verabreichen könnte, damit kranke Herzzellen regenerieren. Bis die entsprechenden Studien abgeschlossen sind, werden wohl noch viele Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Möglicherweise könnten dann auch Patienten mit einem Typ-2-Diabetes von dieser Therapie profitieren. Als Folge der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus kommt es häufig zu einer schnell fortschreitenden Verstopfung der Arterien (Atherosklerose) in den Herzkranzgefäßen. Gleichzeitig erhöht sich der Gerinnungsfaktor des Blutes. In der Folge kommt es dann zu einer höheren Anfälligkeit für Herzinfarkte.

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