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Bergsport

Bergsport und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unter tödlichen Bergsportunfällen sind mehr als zwei Drittel auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückzuführen. Wanderer und Skiläufer sind davon am stärksten betroffen. Sollten Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen deshalb auf Wandern und Ski fahren verzichten?

Plötzliches Herzversagen mit Todesfolge tritt in der Gesamtbevölkerung in ein bis zwei Fällen pro 1.000 Menschen auf. Damit gehören sie zu den eher seltenen Todesursachen, doch gerade in der Bergunfallstatistik sind Herznotfälle nach Stürzen die häufigste Unfallursache. Ist Bergsport für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen also doch nicht so gesund, wie das viele Medien und Ärzte behaupten?

Herz-Kreislauf-Belastungen durch Bergsport

Bergswandern und Ski fahren gehören mit Abstand zu den beliebtesten Bergsportarten überhaupt. Egal ob Winter- oder Sommerurlaub, viele Reisebüros bieten Pauschaltouren zu den beliebtesten Skigebieten an. Ob die Urlauber irgendwelche Vorkenntnisse haben oder die körperliche Fitness für solche Unternehmungen mitbringen, überprüfen die Reiseanbieter natürlich nicht. Nach Untersuchungen des Deutschen Alpenvereins (DAV) wird das Risiko eines plötzlichen Herztodes beim Ski fahren durch einen Herzinfarkt in der Vergangenheit um fast 100 % erhöht. Beim Bergwandern dagegen nur um etwa 10 %. Besonders stark betroffen sind Männer ab 34 Jahren. Während ungeübte Bergwanderer spätestens ab dem 40. Lebensjahr vorsichtig sein sollten, nimmt das Risiko eines Herznotfalls bei Skifahrern erst um die 50 herum rapide zu. In der Regel handelte es sich bei den Verunfallten um Menschen, die trotz bekannter Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel und Herzerkrankungen keinerlei Vorsichtsmaßnahmen eingehalten hatten: Weder hatten sie zu Hause Belastungstest durchführen lassen, ärztlichen Rat für den Urlaub eingeholt oder sich regelmäßig körperlich betätigt.

Bergsport ist nicht die Ursache von Herznotfällen

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Versagen liegt also nicht in der sportlichen Betätigung in alpinem Gelände, sondern vielmehr in der mangelhaften Vorbereitung vieler Gelegenheitssportler. Wer seine Freizeit hauptsächlich vor dem Fernseher verbringt, darf keine körperlichen Höchstleistungen im Urlaub erwarten. Diese Tatsache wird jedoch ebenso häufig verdrängt, wie das bekannte Vorliegen der Herz-Kreislauf-Erkrankung selbst. Wer vor der Abfahrt seine Herzmedikamente noch mit einem Schnäpschen herunterspült, handelt einfach unverantwortlich. Frei nach dem Motto „Sport ist gesund und zwar immer“ missachten ungeübte Skifahrer und Wanderer immer wieder ihre körperlichen Grenzen. Herznotfälle in den Bergen hätten sich in den meisten Fällen verhindern lassen, wenn die Gelegenheitssportler einige elementare Sicherheitsregeln beachtet hätten.

Wie kann man Herznotfälle in den Bergen verhindern?

„Ungewohnte Bedingungen bedeuten für den Organismus immer Stress“, sagen der Herzspezialist Martin Buscher und der Sportwissenschaftler Martin Faulhuber aus Insbruck. 50 % aller Herz-Kreislauf-Notfälle ereignen sich bereits am ersten Urlaubstag aufgrund übertriebener Anstrengung, wie beispielsweise zu schnelles Losgehen bei Beginn der Wanderung. Faulhuber und Buscher raten deshalb dringend, zu Beginn einer Tour Belastungstest und Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt durchführen zu lassen, um eventuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen zu können. Wenn bereits eine solche Krankheit bekannt ist, sollten deren Risikofaktoren minimiert werden. Das bedeutet, dass Blutzucker- und Cholesterinspiegel sowie der Blutdruck vor Reisebeginn unbedingt normalisiert werden müssen. Für jeden Gelegenheitssportler empfiehlt sich ein individuell abgestimmtes Aufbautraining: An längere Wanderungen mit schwerem Rucksack sollte man sich schon zu Hause mit länger werdenden Spaziergängen und entsprechendem Gepäck gewöhnen. Auch eine Überanstrengung durch plötzliche Verschlechterung des Wetters kann vorab vermieden werden. Für alle deutschen, österreichischen und schweizerischen Ski- und Wandergebiete kann man telefonisch oder im Internet 24 Stunden Wetter- und Tourenprognosen abfragen.

Autor: Meike Dackweiler

Quelle: www.alpinmedizin.org

Panorama, Magazin des Deutschen Alpenvereins, Februar 2009

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