Erstellt am: 18.03.2003
Letzte Änderung am: 14.10.2005
Wenn es um das Thema Hautpflege geht, denken die meisten zuerst an Gesicht und Körper. Doch auch der Fuß sollte nicht zu kurz kommen. Besonders von Diabetes Betroffene sollten hierauf ein besonderes Augenmerk haben. Denn durch dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte treten meist Beeinträchtigung in der Durchblutung der Füße auf, was bei einer falschen Behandlung zu fatalen Folgen bis hin zur Amputation führen kann.
Schlechte Durchblutung bedeutet immer auch eine schlecht Heilung. Deshalb sollte bei Behandlung und Pflege stets große Sorgfalt geübt werden, damit keine Verletzungen oder Läsionen entstehen. Tritt das diabetische Fußsyndrom, eine der häufigsten Folgeerkrankungen, auf, muss hier besonders umsichtig vorgegangen werden.
Fußbad zur Reinigung und Entspannung
Ein tägliches Fußbad, vor allem nach einem anstrengenden Tag, regt die Zirkulation des Blutkreislaufs an. Zudem entspannt es und ist somit auch für die Seele eine Wohltat. Um die Haut nicht zu strapazieren, sollte die Temperatur 28 Grad nicht überschreiten. Am besten verwendet man zur Kontrolle ein Badethermometer, da das persönliche Wärmeempfinden beeinträchtigt sein kann. Zur Reinigung eignen sich am besten milde Seifen oder Reinigungslotionen, Badezusätze sind dagegen tabu.
Nach fünf Minuten ist der Badespaß auch schon vorbei, damit die Haut nicht unnötig aufweicht. Um Fußpilz vorzubeugen ist es wichtig, beim Abtrocknen sehr gründlich vor zu gehen. Auch die Zwischenräume der Zehen dürfen dabei nicht vergessen werden. Vorsichtiges Abtupfen ist zudem besser, als kräftiges Reiben, was die Haut nur unnötig reizt. Ebenso sollte auf Trockenföhnen verzichtet werden: Zu schnell kann man sich dabei die Haut verbrennen.
Pflege und Vorsorge
Nach dem Bad kommt die Pflege: Gut dafür geeignet sind normale Körpercremes ohne Zusätze. Für besonders empfindliche Haut gibt es in der Apotheke spezielle neutrale Pflegecremes, z.B. mit Urea, die genau auf die Bedürfnisse von Diabetikerhaut abgestimmt sind. So wird vermieden, dass sie austrocknet, spröde oder rissig wird. Nicht nur der Fußrist, auch die Sohle sollte ihre Pflege bekommen. Die Zwischenräume der Zehen bleiben ausgespart, denn sonst entstehen dort Feuchträume, die einen Nährboden für Fußpilz darstellen.
Auch das regelmäßige Schneiden der Fußnägel ist wichtig. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu kurz geraten, denn sonst können schnell Verletzungen auf der empfindlichen Nagelhaut entstehen. Auch die Ecken sind tabu, um das Einwachsen und daraus resultierende Entzündungen zu vermeiden. Am besten und sichersten ist es natürlich, die Nägel mit der Feile zu kürzen, allerdings ist das auch am aufwändigsten.
Lästige Hornhaut darf auf keinen Fall mit Rasierklingen, Hornhauthobel, Messer oder andern scharfen Gegenständen entfernt werden. Hier ist die Verletzungsgefahr zu groß. Gleiches gilt für chemische Mittel, die dafür oder zur Entfernung von Hühneraugen eingesetzt werden, da die Haut von Diabetikern auf reizende Mittel sehr empfindlich reagiert.
Auch bei Hühneraugenpflaster ist größte Vorsicht geboten: Durch das Abziehen können leicht Risse und Verletzungen entstehen, die sich schnell entzünden. Einziges geeignetes Hilfsmittel ist der Bimsstein, doch auch hier sollten nach jeder Anwendung die Füße auf Verletzungen kontrolliert werden.
Am sichersten ist es, wenn man Hühneraugen, Hornhaut oder auch eingewachsene Fußnägel vom Fachmann behandeln bzw. entfernen lässt. Dieser kann die Behandlung genau auf die jeweiligen Bedürfnisse und Probleme der Haut abstimmen.
Baumwolle besser als Nylon
Bei der Fußbekleidung ist das Material wichtig. Synthetische Fasern sollten eher gemieden werden. Besser sind Baumwolle oder Wolle. Neue Socken oder Strümpfe müssen vor dem ersten Tragen gewaschen werden. Gestopfte Stellen können Druck ausüben und somit Läsionen verursachen. Deshalb ist es ratsam, neben den Schuhen auch die Socken vor jedem Tragen zu überprüfen, ob sie einwandfrei sind. Zudem sollte alles, was den Blutfluss stört, vermieden werden. Dazu gehören Strumpfbänder, Sockenhalter oder zu enge Strumpf-Bündchen. Tägliches Wechseln der Socken ist Pflicht. Bei der Neigung zu Schweißfüßen sollte dies sogar noch häufiger geschehen.
Keine Wärmflasche bei kalten Füßen
Wer im Bett unter kalten Füßen leidet, kann meist schlecht einschlafen. Doch eine Wärmflasche oder eine Heizdecke sind eher schlecht geeignet. Durch ein gestörtes Temperaturempfinden entstehen sehr schnell schmerzhafte Verbrennungen.
Besser ist es, die altmodische Variante zu wählen und nachts Wollsocken oder Bettschuhe zu tragen. Dort speichert sich die eigne Körperwärme und die Füße kühlen nicht so schnell aus.
Vorbeugend kann auch tägliche Fußgymnastik wirken. Auch wer regelmäßig Spaziergänge macht, bringt damit die Durchblutung und den Kreislauf in Schwung. Und das tut nicht nur den Füßen, sondern der gesamten Seele gut.
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Autor: Ramona Völkl
Quelle:
"Der Diabetische Fuß", Diagnose, Therapie und schuhtechnische Versorgung. Ein Leitfaden für Orthopädie-Schuhmacher, Friederike Bischof, Carsten Meyerhoff, Jürgen Eltze, Karl Türk
Gespräch mit Stefan Rengsberger, Orthopädie-Schuhmachermeister