Erstellt am: 01.06.2010
Letzte Änderung am: 01.06.2010
In den vergangenen Jahren hatte Stiftung Warentest immer wieder die Qualität von Apotheken hinterfragt und kam stets zu einem eher enttäuschenden Ergebnis. Im Fokus der Untersuchung standen 2007, 2008 wie auch aktuell folgende Kriterien: Bei den Vor-Ort-Apotheken wurden Service- und Beratungsleistung, Diskretion sowie die Preisgestaltung unter die Lupe genommen. Da Versandapotheken eine immer größere Rolle am Markt spielen wurden insgesamt 23 hiervon genauer im Hinblick auf ihre Website, ihren Bestell- und Lieferservice sowie auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen geprüft.
Dürftiges Ergebnis
Laut Stiftung Warentest haben im Vergleich zum letzten Test die Vor-Ort-Apotheken insgesamt besser abgeschnitten, wenn auch noch immer nicht durchweg gut. Die Bewertung für die 23 Versandapotheken viel in diesem Jahr dagegen wesentlich schlechter aus. Keine einzige konnte mit einem Qualitätsurteil „gut“ versehen werden. Vier von 23 wurden aber wenigstens mit der Note „befriedigend“ bewertet. Bei den Vor-Ort-Apotheken war das Ergebnis etwas erfreulicher: von 27 untersuchten Filialen in den Städten Augsburg, Berlin, Essen und Nürnberg erhielten sieben das Qualitätsurteil „gut“.
Schlecht beraten
Um die fachliche Kompetenz der Apotheken zu überprüfen, stellen die geschulten Tester allen 50 Apotheken sieben Fragen oder Aufgaben. Ein Bereich umfasste dabei beispielsweise die Beratungsleistung. Es wurde überprüft, ob die Mitarbeiter kompetent Fachfragen beantworten konnten. Das Ergebnis war insgesamt unbefriedigend. Fragen zu Wechselwirkungen von Medikamenten, zu Nahrungsergänzungsmitteln und zu Inkontinenzprodukten wurden entweder falsch oder gar nicht beantwortet.
Und auch die individuelle Beratungs- oder Serviceleistung entsprach nicht der gewünschten Vorstellung. So versäumten etwa Mitarbeiter, die nur ein Verkaufsgespräch führten und kein Interesse für den Patienten zeigten, wie auch Mitarbeiter, die versäumten den Besuch eines Arztes zu empfehlen, erhielten schlechte Noten. Die Versandapotheken schlossen bei der Beratungsleistung noch schlechter ab. Von drei gestellten Testaufgaben, konnte keine einzige alle drei Testfälle lösen und vier versagten sogar in allen drei Fällen.
Rezepturherstellung verweigert
Ein weiterer Aspekt, der untersucht wurde war das Verhalten und das Können im Bezug auf die Rezepturherstellung. Beim Test sollte eine Zinkoxidschüttelmixtur erstellt werden. Das Ergebnis: nicht alle Apotheken erfüllten ihre Pflicht, die Rezeptur herzustellen. Besonders schlecht schnitten hier wieder die Versandapotheken ab. Acht von 23 lehnten den Auftrag ab. „Es kann nicht sein, dass sich die Versender die 'Rosinen herauspicken' und die personalintensiven Arbeiten den Kollegen vor Ort überlassen“, kritisierte Testabteilungsleiter Holger Brackemann und führt fort „Es wäre Pflicht der Apothekerkammern die Einhaltung berufsrechtlicher Verpflichtungen zu überprüfen.“
Preisvergleich
Für einen Preisvergleich wurden sieben rezeptfreie Medikamente in den 50 Apotheken überprüft. Hier schnitten die Versender besser ab, wenn auch deutlich wurde, dass keine Versandapotheke durchgängig günstige Preise anbot. Wo welches Medikament am günstigsten ist, ist demnach unterschiedlich und nicht zu pauschalisieren. Insgesamt wurde aber ein Rückgang der Durchschnittspreise festgestellt. Preisvorteile zur Selbstmedikation boten somit die Versand- als auch die Vor-Ort-Apotheken an. Anzumerken ist jedoch noch, dass in einigen Fällen hohe Versandkosten den günstigen Preis der Versandapotheken wieder relativieren.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Apotheken-11-von-50-mangelhaft-8-davon-Versandapotheken-1859832-2859832/
http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/test/Apotheken-Falsch-beraten-in-Berlin-1688216-1688054/
http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Apothekenpraxis/10267.html