Erstellt am: 19.08.2004
Letzte Änderung am: 19.08.2004
Sie werben mit Angeboten, Zuzahlungen zur Rezeptgebühr und bequemer Bestellung. Lange Zeit bevor sie in Deutschland gesetzlich erlaubt waren, konnte man bereits im europäischen Ausland bei ihnen bestellen. Und die meisten Krankenkassen übernahmen die Kosten: Internet-Apotheken. Die Kritik der Apotheker war groß. Noch größer wurde sie, als mit der Gesundheitsreform im Januar 2004 diese Form des Medikamentenhandels erlaubt wurde: Wer soll hier auf die Qualität achten und den Patienten vor riskanten Wirkstoffkombinationen warnen? Gibt es denn Antworten, wenn Fragen zu den einzelnen Produkten auftauchen?
Diesen Fragen wollte ich nachgehen und einmal ausprobieren, wie gut, wie schnell und wie günstig Online-Apotheken tatsächlich sind. Um heraus zu finden, ob es Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern gibt, orderte ich meinen Bedarf bei zwei verschiedenen Apotheken.
Auswahl
Zum Einen wählte ich die holländische Internet-Apotheke DocMorris, da diese wohl eines der bekanntesten Versandhäuser ist. Als Zweites wollte ich eine kleinere Apotheke testen. Da mittlerweile zahlreiche Pharmazien Medikamente verschicken, gestaltete es sich schwierig, eine gute Adresse zu finden. Die Auswahl ist riesig. Dann stieß ich auf den Medizinfuchs (www.medizinifuchs.de). Hinter dieser URL befindet sich keine Online-Apotheke, sondern ein Suchmaschine, die dabei hilft, seine Medikamente möglichst günstig zu finden. Man gibt einfach den Produktnamen ein und schon vergleicht der Fuchs die Preise von über 310.000 Medikamenten, Naturheilmitteln und Pflegeprodukten. In meinem Fall hatte die Luitpold-Apotheke Bad Steben (www.medikamente-per-klick.de) das günstigste Angebot.
Bestellung
Um bei DocMorris bestellen zu können, muss man sich ein Benutzerkonto einrichten. Dafür sind die Daten gespeichert und kann bei weiterem Bedarf später darauf zurückgreifen. Dann reicht es aus, das gewünschte Produkt in seinen persönlichen Warenkorb zu klicken. Hier orderte ich einen Impfstoff. Dafür musste vorab ein Rezept (in diesem Fall ein Privatrezept) eingesandt werden. In das Kuvert legte ich zum Rezept die ausgedruckte Bestätigung für die Bestellung bei.
Da ich für die Produkte aus der Luitpold-Apotheke kein Rezept benötigte, reichte es hier aus, das Online-Formular auszufüllen. Am Donnerstag, den 22.7. gingen beide Bestellungen raus.
Beratung
Da ich genau wusste, was ich bestellen wollte, war ich auf pharmazeutische Beratung nicht angewiesen. Beide Versandhäuser bieten jedoch Service-Hotlines an, bei denen alle Fragen rund um eine Bestellung von pharmazeutischem Fachpersonal beantwortet wird. DocMorris hat hierfür eine 0180er Nummer (12ct/Minute) von 8-20 Uhr eingerichtet. Die Luitpold-Apotheke bietet diesen Service von 8-18 Uhr zum regulären Festnetzpreis an. Zusätzlich besteht bei beiden die Möglichkeit, eine E-Mail oder ein Fax zu schicken.
Versandkosten
Enthält eine Bestellung bei DocMorris mindestens zwei rezeptpflichtige Medikamente oder liegt der Wert der Nicht-Verschreibungspflichtigen über 40 Euro, so entfällt die Servicepauschale von 4,95 Euro.
Bei der Luitpold-Apotheke dagegen reicht ein Bestellwert von 20 Euro aus, um sich die 3,50 Euro Versandkosten zu sparen. Und rezeptpflichtige Medikamente werden generell versandkostenfrei geliefert.
Auslieferung und Bezahlung
Bereits am Montag (26.7.) brachte die Post das erste Päckchen zu mir nach Hause. Es war an mich „persönlich“ adressiert und kam von der Luitpold-Apotheke. In einem kleinen, handlichen Karton befanden sich nicht nur die von mir bestellten Produkte mit ausführlicher Rechnung, einem Formular für eine weitere Bestellung und einem kostenfreien Rückumschlag auch einige kleine Produktproben. Die Rechnung sollte innerhalb von zehn Tagen bezahlt werden.
Zwei Tage später klingelte das Telefon: Eine freundliche Mitarbeiterin von DocMorris hatte noch Fragen zu meinem eingereichten Rezept. Weitere sechs Tage später kam auch deren Paket an: eine etwas größere dickwandige Styroporkiste ebenfalls an mich persönlich adressiert. Darin befand sich neben jeder Menge Füllmaterial, der Rechnung, dem Beleg, dass die Sendung mehrfach pharmazeutisch geprüft wurde, einem Hinweis auf das interne Rabattsystem, Rückumschlägen und einem Bestellformular zwischen zwei dicken Kühlakkus das bestellte Impfserum – gut verpackt in Karton und verschweißter Plastiktüte, damit nichts an den Inhalt kommen kann. Da hier per Bankeinzug bezahlt wird, musste ich mich nicht darum kümmern, die Rechnung innerhalb einer bestimmten Frist zu begleichen.
Fazit
Bestellungen per Internet sind schon eine feine Sache. Will man aber verschreibungspflichtige Medikamente haben, sollte man sich das Rezept frühzeitig besorgen, da durch das Einschicken vorab und der Überprüfung die Auslieferung des Pakets einige Tage länger dauern kann.
Es lohnt sich auf jeden Fall auch bei den kleineren Apotheken, die Online-Bestellungen anbieten, die Preise zu vergleichen. Denn mittlerweile verfügen auch sie über einen gewissen Spielraum und sind zudem bei den Versandkosten meist günstiger. Eine gute Hilfe, um hier einen Überblick zu bekommen, bietet www.medizinfuchs.de.
Auch Insulin oder andere Medikamente, die ständig gekühlt werden müssen, können bedenkenlos im Internet bestellt werden. Gut verpackt kommen sie mit der vorgeschriebenen Temperatur zu Hause an.
Wer also sparen will und ein paar Tage Zeit hat, auf das Paket zu warten, der ist online gut beraten. Bei dringend benötigter Medizin sollte jedoch besser auf die Apotheke um die Ecke zurückgegriffen werden.