Erstellt am: 20.08.2004
Letzte Änderung am: 20.08.2004
Position der ABDA
Ihre Position zum Versandhandel hatte die ABDA schon lange vor der Gesundheitsreform bezogen. Sie lehnte die Freigabe des Versandhandels von Arzneimitteln strikt ab und zog mit Klagen, unter anderem gegen die niederländische Internetapotheke DocMorris, vor den Europäischen Gerichtshof. Ein nennbarer Erfolg stellte sich aber nicht ein und spätestens nach in Kraft treten der Gesundheitsreform waren diese Anstrengungen Makulatur.
So entwarfen DAV und ABDA Gegenmodelle zu den Internetapotheken, wie das Home-Service-System oder Hausapothekenmodelle, welche dem Kunden unter den Aspekten Kosten, Arzneimittelsicherheit, Versorgungsqualität und Beratung deutliche Vorteile bieten sollen. Um auf ihre Position aufmerksam zu machen und zu polarisieren, gründeten sie die Initiative Pro Apotheke und starteten eine weitreichende Unterschriftenaktion.
Initiative Pro Apotheke
Die Initiative Pro Apotheke startete am 19.April 2002 mit einer Unterschriftenaktion, welche den politischen Entscheidungsträgern ein Meinungsbild der Bevölkerung vermitteln sollte. Über 21.500 Apotheken in ganz Deutschland beteiligten sich an der Aktion. 7,7 Millionen Unterschriften gegen den Versandhandel von Arzneimitteln konnten Ende Juli 2002 an das Bundesgesundheitsministerium übergeben werden - gestoppt werden konnte die Reform nicht.
Dennoch setzt sich die Initiative auch nach dem 1. Januar 2004 gegen den Versandhandel zur Wehr. Der Diskussion, Versandhandel würde neben dem System der unabhängigen Apotheke existieren können und gleichsam synergetische Vorteile für die Patienten bieten, soll ein Ende gesetzt werden, denn für die ABDA ist es Fakt, dass der Versandhandel das definitive Ende der zuverlässigen und wohnortnahen Arzneimittelversorgung einläutet.
Fatale Folgen aus Sicht der ABDA
Die Gründe für das intensive Engagement der ABDA liegen in den Folgen und Risiken, welche die Etablierung des Versandhandels mit sich bringt. Sowohl für Apotheker aber besonders für die Kunden sollen sich nach Meinung der Vereinigung weitreichende Probleme ergeben.
Zum einen sieht die ABDA mit der Einführung des Versandhandels, die bisherigen Arbeitsplätze der Apotheker in Deutschland und mit diesen auch den hohen Leistungsstandard der Apotheken gefährdet. Internetapotheken vertreiben mit Vorliebe kostspielige Arzneimittel. Stellen sich bei den örtlichen Apotheken deshalb Umsatzeinbußen ein, so müsste beim Service eingespart werden. Notdienst-Bereitschaft und Rezepturherstellungen, müssten aus Gründen der Wirtschaftlichkeit entfallen. Die breite Palette an persönlicher Beratung und weiterem Service müsste eingeschränkt werden.
Gefahr für Patienten besteht laut ABDA vor allem in einem Mangel an Sicherheit und Service. „Werden die Lieferungen nicht persönlich zugestellt, könnten sie an Unbefugte ausgehändigt werden. Werden Medikamente dagegen beim Zusteller zur Abholung gelagert, ist nicht nur die Bequemlichkeit der Bestellung hinfällig, sondern ggf. auch die Qualität der Arzneimittel“, lautet es auf der Internet-Seite der Initiative Pro Apotheke. Die Zulassungsvorschriften hierzulande könnten leicht umgangen werden, wenn auch Arzneimittel mit ausländischen Zulassungen für die Versorgung des Endverbrauchers erlaubt würden. Gleiches gilt für die Gefährdungshaftung, die in Deutschland seit dem Contergan-Skandal gilt. Hersteller könnte es reizen, den deutschen Markt bevorzugt über Versandhandel aus dem Ausland zu bedienen, um Haftungsrisiken und Versicherungsprämien auszuweichen.
Der Kampf geht weiter
Auch nach über zwei Jahren Kampf wirkt die ABDA in ihren Bemühungen nicht müde. Weiterhin macht sie ihre Zielvorgaben deutlich, „die Initiative Pro Apotheke setzt sich für den Erhalt der öffentlichen Apotheken und ihres bewährten Leistungsangebotes ein. Die flächendeckende Arzneimittel-Versorgung auf hohem Qualitätsniveau zu erhalten, ist das langfristige Ziel der Initiative.“ Ob sich Erfolg einstellen wird, bleibt abzuwarten.