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Olympia

Mathias Steiner - Olympionike mit Diabetes

Bertram Fohrn/ Pixelio Mathias Steiner gilt seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking als stärkster Mann der Welt. 258 Kilogramm hatte sich Steiner für seinen Sieg auf die Stange packen lassen, 8 Kilo mehr als bei seiner vorherigen persönlichen Bestleistung. Was wenige damals wussten: Steiner ist seit mehr als 8 Jahren Typ-1-Diabetiker.

Der gebürtige Österreicher mit deutschem Pass holte den Sieg im Superschwergewicht nach über 16 Jahren zum ersten Mal wieder nach Deutschland. Zuletzt hatte Ronny Weller im Jahre 1992 olympisches Gold für Deutschland in dieser Disziplin geholt. Der Wettkampf in der ausverkauften Halle für Luft- und Raumfahrttechnik in Peking war jedoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Steiner selbst sagte später zu seinem überraschenden Sieg: „In Peking hätten die ersten drei alle gewinnen können. Aber der mit den stärksten Nerven hat gewonnen.“

Gold statt Silber: Steiner hebt die 258 Kilogramm

Sechs Tage vor seinem 26. Geburtstag stand Mathias Steiner auf der Tribüne und übertraf erstmals seine Bestleistung von 203 Kilogramm im Reißen. Dann sah es so aus, als ob er damit auch schon alles gegeben hätte, denn die 207 Kilogramm fielen im beinnahe in den Nacken. Ganze sieben Kilo lag er hinter seinem russischen Konkurrenten Jewgeni Tschigischew. Dann kam das Stoßen und wieder patzte Steiner beim Anfangsgewicht von 246 Kilogramm. Doch er ließ sich noch einmal 4 Kilogramm auf die Stange packen und stieß diese mit Bravour. Steiner wusste in diesem Moment bereits, dass die Silbermedaille ihmnicht mehr zu nehmen war. Damit war er aber nicht zufrieden: Im dritten und letzten Versuch hob er unglaubliche 258 Kilogramm, rund 8 Kilo über seiner bisherigen Bestleistung. Zu einem emotional berührenden Moment kam es auf dem Siegertreppchen: Zusammen mit der Goldmedaille hält der strahlende Steiner das Bild seiner verstorbenen Frau in die Kameras und sagte: „Ich hoffe und denke, dass sie das mitbekommt. Ich bin kein abergläubischer Typ, aber ich wünsche mir, dass es so ist.“

Schockdiagnose für Gewichtheber Steiner: Diabetes-Typ-1

Dass Steiner für seinen Weg gekämpft hat, sagt sich leicht. Doch im Gegensatz zu anderen Leistungssportlern haben es Mathias Steiner nicht nur die Gewichte schwer gemacht. Ausgerechnet an seinem 18. Geburtstag wird bei Steiner ein Diabetes mellitus vom Typ 1 diagnostiziert. „Am 25. August 2000 bekam ich die Diagnose Typ-1-Diabetes. Im Spital sagten die Ärzte mir damals, das war’s jetzt mit dem Gewichtheben. Ein Riesenschock!“ Zwei Wochen wird er stationär für sein neues Leben als Diabetiker geschult und auf CT (Konventionelle Insulintherapie) eingestellt. Die CT bedeutet für Steiner ein Leben nach dem Stundenplan: Festgelegte Mahlzeiten und Insulinmengen zu bestimmten Tageszeiten. Sport ist ab sofort tabu und abnehmen soll der Schwergewichtler jetzt auch, sagen seine Ärzte. Doch Steiner fällt der Sportverzicht zu schwer: Schon nach 2 Wochen setzt er sich entgegen ärztlichem Rat auf einen Hometrainer im Krankenhaus und erkennt, dass seine Werte sich durch den Sport sogar verbesserten. Auch mit der CT hatte Steiner seine Schwierigkeiten: „Als ich zwei Monate nach der Diagnose an den Jugendmeisterschaften teilnahm, merkte ich, dass das mit der konventionellen Insulintherapie nicht geht. Mein Tagesrhythmus ist viel zu unregelmäßig und durch den Hochleistungssport habe ich einen stark erhöhten Energiebedarf, der je nach Belastungsintensität auch nicht immer gleich ist. Darauf musste ich reagieren können, um mein Ziel zu erreichen.“ Daraufhin absolviert er eine Schulung für die ICT (Intensivierte Konventionelle Insulintherapie) und lernt dabei, seinen Blutzucker flexibel und selbstständig zu kontrollieren.

Viele Steine auf dem Weg zum Olympiagold

Obwohl Steiner dank seines Ehrgeizes den Diabetes nach kurzer Zeit im Griff hat, muss er dadurch Rückschläge in Kauf nehmen: Als Diabetiker und mit seinen fast drei Zentnern Körpergewicht wird er als einziger unter seinen Nationalmannschaftskollegen nicht in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen. Auch der österreichische Gewichtheberverband (ÖGV) gibt Steiner keinen Rückhalt mehr als seine Leistungen mit der Zeit stagnierten und er das geforderte Gewichtslimit von 105 Kilogramm für das Superschwergewicht nicht mehr einhalten kann. Bei den europäischen Titelkämpfen im Jahr 2005 patzt Steiner drei Mal im Reißen, als er sein Anfangsgewicht von 195 Kilogramm nicht bewältigen kann. Der Vizepräsident des ÖGV, Martin Schödl, ätzt daraufhin öffentlich: „Nach dem neuerlichen Beweis für seine Unsportlichkeit ist es mir egal, ob Steiner künftig für Schweden, Deutschland, Kasachstan oder Teppichland startet.“

Eine Frau verändert Steiners Leben

Steiner tritt aus dem Verband aus und lernt kurze Zeit später seine spätere Ehefrau Susann kennen. Er folgt ihr nach Deutschland, heiratet sie und beantragt die deutsche Staatsbürgerschaft. 2007 stirbt Susann bei einem tragischen Verkehrsunfall, doch Steiner kämpft weiter: „Hochleistungssport ist mein Antidepressivum“, sagt er heute über seine Motivation. Steiner hebt zwar immer schwerere Gewichte, doch an Wettkämpfen darf er nicht teilnehmen, solange ihm die deutsche Staatsbürgerschaft noch nicht anerkannt wird. 2008 erhält Steiner sie gerade noch rechtzeitig zur Anmeldung für die olympischen Spiele. Als er gewinnt gratulieren ihm auch die Österreicher: "Ein Olympiasieg hätte unserem Team gut getan", sagte der österreichische Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, der ein offenes Gratulationsschreiben an Steiner schickte. "Schade, dass heute nicht die rot-weiß-rote Flagge hinter Matthias Steiner aufgezogen wurde, als er die Goldmedaille überreicht bekam", bedauerte Lopatka.

Autor: Meike Dackweiler

Quelle: www.welt.de

Pressemitteilung von: fischerAppelt Kommunikation GmbH

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