Erstellt am: 28.06.2010
Letzte Änderung am: 28.06.2010
Während zahlreiche Menschen immer häufiger von den verschiedenen Formen der Krankheit Diabetes mellitus betroffen sind, wird auch immer häufiger bei Tieren diese Diagnose gestellt. Etwa 40.000 Tiere, darunter vor allem Hund und Katze, sind in Deutschland schätzungsweise betroffen. Ähnlich wie beim Menschen werden in der Tiermedizin grundsätzlich zwei Typen von Diabetes unterschieden, die ebenso mit einer Ernährungsumstellung und Insulin behandelt werden.
Wie beim Mensch tritt der Diabetes beim Tier schleichend auf und bleibt oftmals für lange Zeit unbemerkt. Anzeichen für einen beginnenden Diabetes sind verstärkter Durst, häufiges Wasserlassen, eine sichtbare Fellveränderung und Abnahme trotz hoher Futteraufnahme bei Hunden bzw. Fressunlust gepaart mit starkem Gewichtsverlust bei Katzen. Schreitet die Krankheit unbemerkt fort, können sich auch Augen- und Nierenerkrankungen entwickeln, die Tiere werden zunehmend apathischer und leiden unter häufigem Erbrechen. Bleibt die Krankheit über viele Monate unentdeckt und unbehandelt, können die Tiere ins Koma fallen und sterben. Bei rechtzeitiger Diagnose der Krankheit und Beginn einer Therapie, können die Tiere ein normales Leben führen. Dies erfordert jedoch von dem Tierhalter eine besondere Pflege, viel Zeit und auch Geld. Der kleine Freund des Menschen braucht jetzt regelmäßige Fütterungszeiten, kontrollierte Bewegung und gegebenenfalls darauf abgestimmte Insulininjektionen.
Zwei Typen von Diabetes
Die Tiermedizin unterscheidet genau wie die Humanmedizin zwei Typen von Diabetes. Zum einen gibt es den insulinabhängigen Diabetes (Typ-1 beim Menschen genannt), bei dem die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin produziert. Dadurch können die Körperzellen keine Glucose aufnehmen und diese bleibt somit im Blut, statt in den Zellen als Energie verwertet zu werden. Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt zum Ausscheiden von Glucose und Wasser über die Nieren, was den verstärkten Durst der Tiere auslöst. Die zweite Form ist der insulinunabhängige Diabetes (Typ-2 beim Menschen genannt), bei dem die Bauchspeicheldrüse zwar ausreichend Insulin produziert, die Zellen dieses jedoch nicht verwerten können.
Der beste Freund des Menschen als Patient
Hat der beste Freund des Menschen Diabetes gibt es einiges zu beachten. Hunde erkranken im Regelfall häufiger an einem Typ-1 Diabetes. In der Regel wird die Erkrankung mittels Insulingaben behandelt. Zum Beginn der Therapie ermittelt der Tierarzt unter Berücksichtigung des Körpergewichts die zu verabreichende Dosis des Hundes. In den meisten Fällen wird in der Tiermedizin ein Insulin gewählt, welches als Tagesdosis verabreicht wird, damit der Hund nur einmal täglich gespritzt werden muss. Trotz allem gibt es aber auch Hunde die nur so eingestellt werden können, dass ihnen zweimal täglich Insulin verabreicht werden muss.
Zwischendurchleckerlis verboten
Das Insulin für Hunde wirkt so, dass nach der Abgabe zwei Aktivitäts-Höhepunkte auftreten. Daraus folgt, dass Hunde zu dieser Zeit immer regelmäßig zweimal täglich gefüttert werden müssen. Auf die Zwischendurchleckerlis sollte unbedingt verzichtet werden. Die Ernährung des Hundes muss dem speziellen Diätplan entsprechen oder kann durch die Abgabe eines Diätfutters für diabetische Hunde erfolgen.
Hormonstörung führt zu Diabetes
Eine Besonderheit bei Hündinnen ist, dass die Eierstöcke nach dem Ende der Läufigkeit das schwangerschaftserhaltende Hormon Progesteron produzieren. Das wiederum kann zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt führen und damit die Insulinwirkung beeinflussen. Ist der Diabetes auf eine Störung des Sexualzyklus der Hündin zurückzuführen, hilft oft eine Kastration und eine Behandlung mit Insulin wird überflüssig. Das gilt jedoch nicht für Katzen.
Stubentiger mit Diabetes
Erkrankt ein Stubentiger an Diabetes, wird es in den meisten Fällen ein Typ-2 Diabetes sein. Besonders gefährdet sind kastrierte Kater und ältere und übergewichtige Tiere. Sind Katze oder Kater erkrankt, muss dem Tier eine zweimalige Insulininjektion im Abstand von zwölf Stunden verabreicht werden. Nach Beginn der Therapie sollte ein Blutzuckertagesprofil erstellt werden, um zu sehen wie das Insulin wirkt, zu welchem Zeitpunkt der niedrigste Zuckerwert ist und wie lange die Insulinwirkung anhält.
In sehr seltenen Fällen können Katzen auch mit Tabletten (sogenannte orale Antidiabetika) statt mit einer Insulinspritze behandelt werden. Diese Therapieform wirkt jedoch nur im Anfangsstadium der Erkrankung und kann erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.
In manchen Fällen können Katzen auch unter einem vorübergehenden Diabetes leiden, der beispielsweise durch die Verabreichung bestimmter Medikamente ausgelöst wurde. Wenn diese dann abgesetzt werden, normalisiert sich der Zuckerwert in der Regel und die Tiere benötigen kein Insulin mehr. Trotzdem bleiben die Tiere Diabetiker und sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Täuschung durch Stresszucker
Eine Besonderheit bei Katzen ist die Ausschüttung von Stresshormonen, wenn die Tiere Angst haben. Das ist manchmal schwierig zu erkennen, da nicht jeder Katze die Aufregung anzusehen ist. Diese verursacht aber eine Stresshyperglykämie, was bedeutet, dass ein erhöhter Blutzuckerwert festgestellt wird, ohne dass die Katze überhaupt Diabetes hat. Im Gegensatz zur echten Erkrankung bleibt der Blutzuckerwert beim Stresszucker nur kurz erhöht.
Nur kontrollierte Aktivität
Egal, ob Mensch, Hund oder Katze: ohne richtige Ernährung und ausreichender Bewegung kann der Patient die Krankheit nicht in den Griff bekommen. Wichtig ist jedoch beim geliebten Haustier, dass die körperliche Aktivität nach der Insulin-Einstellung möglichst täglich im gleichen Rahmen abläuft. Denn wenn sich ein Tier aktiver verhält, als bei der Insulindosis vorgesehen wurde, kann es zu Unterzuckerungen kommen, da dass Tier mehr Zucker als eingeplant verbraucht. Symptome für eine angehende Unterzuckerung sind Unruhe, Zittern, Bewegungsstörungen und im schlimmsten Fall kann Bewusstlosigkeit die Folge sein. Wie beim Menschen muss hier sofort gehandelt werden: dem Tier sollte sofort etwas zu Fressen angeboten werden; verweigert es dies, muss ihm eine Zuckerlösung zwangsmäßig zugeführt werden. In der Regel erholt der Patient sich dann sehr schnell und ist wieder auf den Beinen. Bei Bedarf oder Unsicherheiten sollte zur Sicherheit der Tierarzt informiert werden.