Erstellt am: 07.05.2008
Letzte Änderung am: 07.05.2008
Mit "Seniorenspielplatz" ist eigentlich ein barrierefreier Trainingsparcours für Menschen von 1 bis 100 Jahren gemeint: Für Kinder stellt der Parcours einen abwechslungsreichen Spielplatz dar, Erwachsene können die Geräte zum gezielten Kraft- und Konzentrationstraining nutzen. Kann das funktionieren?
In Berlin, Lengerich, Nürnberg und Schöningen erfreuen sich die Seniorenspielplätze wachsender Beliebtheit. Allerdings spricht man dort auch eher von "Generationenspielplätzen". Was nach politischer Korrektheit klingt, ist tatsächlich der bessere Begriff, denn Kinder und Erwachsene jeden Alters benutzen die Geräte gemeinsam.
Beispiel Lengerich: "Generationenpark Gempt"
Die Gemeinde Lengerich gewann mit der Idee "Generationenpark" einen Wettbewerb der Zeitung "Westfälische Nachrichten": Das Ziel des kreativen Projektes besteht darin, einen gemeinsamen Treffpunkt zum Spielen, Trainieren und gemütlichen Beisammensein für alle Generationen zu schaffen. Die Finanzierung des 75.000-Euro-Projektes gelang durch Spenden, Sponsoren und Ehrenämtler. Anfang August 2007 war es endlich soweit, der "Generationenpark Gempt" wurde mit über tausend Besuchern eröffnet. Das Angebot umfasst schattige Sitzecken, eine Boule-Anlage und natürlich das Herzstück des Projektes, die Spiel- und Trainingsanlage. Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um einen Kinderspielplatz mit weichen Gummimatten, niedriger Fallhöhe, Geländern und abgerundeten, stabilen Elementen. Auf den zweiten Blick wird klar, dass alle Elemente auch für Erwachsene jeden Alters geeignet sind: So kann man an der "Fingertreppe", die aussieht wie ein Waschbrett, mit den Fingern einer Hand möglichst schnell auf und ablaufen, Das trainiert die Hand-Augen-Koordination und die braucht man zum Beispiel beim Schreiben. Weitere wichtige Trainingsfunktionen bieten die Hängebrücken, Trittnetze und Fußwippen, denn damit können gerade Senioren ihren Gleichgewichtssinn verbessern und sich langfristig vor gefährlichen Stürzen in den eigenen vier Wänden schützen. Die Geräte und Angebote wurden von der finnischen Firma Lappset entwickelt.
Mit 60, 70, 80 Jahren noch sportlich aktiv?
Bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit zu sein - das wünschen sich die meisten Menschen. Zu den Vorraussetzungen für ein langes, gesundes Leben gehören abwechslungsreiche, körperliche Aktivitäten und zwar bis ins hohe Alter. Und gerade Menschen mit Diabetes profitieren von ausreichender körperlicher Betätigung. Das Bedürfnis danach hat jeder Mensch und für jedes Lebensalter gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Bewegungsdrang auszuleben: Fitnessstudio, Gartenarbeit, Spaziergänge, Rad fahren, oder Schwimmen bieten einen gesunden Ausgleich für den bewegungsarmen Alltag mit Rolltreppen und Autos. Die Wohlstandsgesellschaft steht aber ständig im Verdacht, ihre Freizeit lieber vor dem Fernseher zu verbringen als anderswo. Ein Zufall ist das nicht, denn das Fernsehprogramm unterhält und vermittelt das Gefühl, Gesellschaft zu haben. Gerade im Alter leiden Menschen häufig unter Einsamkeit und es gibt wenig Motivation, sich zu bewegen. Könnten Generationenspielplätze das ändern? Darüber hat man sich auch in Lengerich Gedanken gemacht: Inzwischen gibt es jeden Montag ab 18h einen offenen Treff für Boule-Spieler und Freitag morgens bieten Physiotherapeuten Übungen unter Anleitung an den Spiel- und Trainingsgeräten an. Dies soll die Hemmschwelle für Senioren herabsetzen, alsbald auch ohne Begleitung die Angebote des Generationenpark in Anspruch zu nehmen.
Wird sich das Konzept durchsetzen?
Die Werbelandschaft wird bevölkert von dynamischen, jung gebliebenen und stets gut gelaunten Großmüttern und Großvätern. Meistens schenken sie den Enkeln Süßigkeiten, wissen Biersorten zu schätzen, vertrauen Haftcremes oder Mitteln gegen Gelenkschmerzen und manchmal fahren sie Fahrrad. Aber sportliche Senioren sind die Ausnahme, denn Alter wird mit Würde und Erfahrung, aber nicht mit Bewegung in Verbindung gebracht. Dabei schließen sich Würde und eine aktive Teilnahme am täglichen Leben keineswegs aus: Kreuzworträtsel, Schach und Skat sind nicht altersgerechter oder würdevoller als ein "Seniorenspielplatz", sie sind nur gewohnter. In Spanien hat sich das Konzept der "Generationenspielplätze" bewährt, dort gibt es schon über 40 Anlagen. In Deutschland wird die Errichtung weiterer Generationenspielplätze bereits in Hamburg, Rellingen und Frankfurt diskutiert.
Autor: Meike Dackweiler