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Extremsport

Der eiserne Diabetiker

Oliver Buse beim Training Mit viel Willensstärke wirft er jeden Morgen seine Bettdecke zur Seite. Wenn andere noch schlafen, läuft Oliver Buse bereits durch die Stadt Hockenheim. Sein Ziel ist nicht der nächste Bäcker, sondern die Teilnahme an einem der härtesten Sportwettkämpfe, dem Ironman auf Hawaii (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen). Sein Diabetes steht ihm dabei nicht im Wege.

Der morgendliche, prüfende Blick aus dem Fenster entscheidet nur darüber, ob kurze oder lange Hosen angebracht sind. „Es gibt tausend Gründe keinen Sport zu machen. Das fängt schon beim Wetter an. Am besten gar nicht anfangen darüber nachzudenken, sondern einfach loslaufen“, rät Oliver Buse aus eigener Erfahrung. Im Flur stehen die Turnschuhe von dem gestrigen Training schon bereit. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihnen nicht. Tag für Tag legt der 37jährige Kilometer um Kilometer, ob laufend, schwimmend oder mit dem Fahrrad zurück. Seinem großen Traum „Hawaii“ rückt er damit immer ein Stückchen näher.

Diabetes immer im Blick

Hartes Training ist für Oliver Buse in der heißen Phase, wenige Wochen vor dem Wettkampf, so selbstverständlich wie Zähneputzen oder das Messen seines Blutzuckers. „Meinen Diabetes habe ich dabei immer im Blick.“ Dafür hat er sich eigens eine Halterung für das Blutzuckermessgerät am Fahrradlenker gebaut. So braucht er zum Messen nicht einmal anzuhalten. "Seitdem ich regelmäßig trainiere, liegt der HbA1c-Wert zwischen fünf und sechs. Er läuft mittlerweile einfach so mit“, berichtet er nicht ohne Stolz. Vor  zwölf Jahren sah alles noch anders aus. Mit 22 Jahren war er auf dem besten Wege sich gesundheitlich zu ruinieren. „Das Treppensteigen war schon eine kleine körperliche Herausforderung“, sagt er heute rückblickend.  Jahrelanges Kettenrauchen und die später hinzu gekommene Alkoholsucht waren die Ursache. Seinen bereits mit anderthalb Jahren diagnostizierten Diabetes schenkte er keine Beachtung mehr. „Gespritzt habe ich wann ich wollte. Zwar nach Vorschrift morgens und abends, aber das musste nicht an ein und demselben Tag sein“, sagt Oliver Buse. Kaum verwunderlich, das der Blutzuckerwert sich damals zwischen 13 und 14 bewegte. „Mit Messen hatte ich nicht viel am Hut; das lag einerseits daran, dass die Medizin noch nicht so weit war, anderseits scheute ich mich aber auch davor, regelmäßig zum Arzt zu gehen.“

Leben umgekrempelt

Eigentlich müsste an dieser Stelle der erwartete Tag X kommen oder ein Schlüsselerlebnis, welches das Leben komplett verändert. Aber das brauchte Oliver Buse nicht: Denn Motivation, sich von seinen Süchten zu befreien, hatte er genug. „Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Kinder, meine Ehe stand vor einer Zerreißprobe“, so Oliver Buse. Allmählich dämmerte es dem damals 25jährigen, dass es so nicht weitergehen konnte und sollte. „Ich habe alles umgekrempelt, alle alten Gewohnheiten abgelegt“, so Oliver weiter. Eine große Hilfe war der Sport. „Bei einer Größe von 1,74m wog ich 80kg. Meine Mutter, eine ambitionierte Läuferin, nahm mich auf einer fünf Kilometer langen Strecke mit. Danach war ich fix und fertig, währenddessen meine Mutter fröhlich erzählte, wusste ich nicht, wo ich Luft herbekomme.“

Er zog die Notbremse. „Ich habe für mich erkannt, dass sich nichts ändert, wenn ich nichts verändere. Erst hörte ich von einem auf den anderen Tag mit dem Rauchen und ein paar Monate später mit dem Trinken auf.“ Zehn Jahre später ist Oliver wie ausgewechselt. Seine Ehe hat er gerettet. Seit vier Jahren betreibt er regelmäßig Ausdauersport. Vor wenigen Wochen bestritt er die Vorqualifikation für den Ironman in Frankfurt am Main. Leider hat es nicht ganz gereicht, „aber im nächsten Jahr probiere ich es wieder!“ Das nächste Ziel ist eine neue Arbeit als Industriekaufmann und/oder einen Sponsor für seine Wettkämpfe zu finden.

Wir wünschen viel Erfolg!

Autor: Steffi Dörries

Quelle: Das Interview wurde am 27.07.2005 durchgeführt.
www.bayerhealthcare.com

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