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Feuerwehrdienst

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Feuerwehr Als Diabetiker Brände bekämpfen ist noch eine Ausnahme. Aber es ist problemlos möglich. "Auch wenn es ausweglos erscheint, immer erst alles versuchen" - getreu seinem Motto wurde Michael Rösch ein erfolgreicher und engagierter Feuerwehrmann.

Michael Rösch ist seit etwa elf Jahren Diabetiker. Wie in den meisten Fällen äußerte sich die Krankheit mit viel Durst und starker Gewichtsabnahme.
Also bekam der elfjährige Junge aus Ostberlin einen Diätplan mit auf den Weg, der heute jeden Diabetiker und vor allem aber jeden Nicht-Diabetiker erschaudern lässt: Er beinhaltete nicht nur die Menge der Kohlenhydrate, die gegessen werden sollten. Er schrieb auch vor, wie viel Wurst man zum Beispiel aufs Brot legen durfte und wann genau jede einzelne der acht täglichen Mahlzeiten gegessen wird. Zusätzlich wurde Insulin gespritzt.
Doch halt! Die Zeiten sind schon lang vorbei. Bald darauf zog er mit seiner Familie in den Odenwald und ein halbes Jahr später erfolgte die Umstellung der Therapie auf ICT (Intensivierte konventionelle Insulintherapie, Verwendung von unterschiedlichem Insulin zur Imitation der Insulinsekretion eines Stoffwechselgesunden, Verwendung von Normal- und Verzögerungsinsulin).
Am neuen Wohnort trat er zunächst der ortsansässigen Jugendfeuerwehr bei, um neue Freunde zu finden.
Sowohl bei der Jugendfeuerwehr als auch bei jeder anderen Feuerwehr sollten die Kameraden davon unterrichtet werden, wenn jemand Diabetes hat. Nicht nur um Vorurteilen vorzubeugen, sondern auch damit im Notfall die Symptome einer Hypoglykämie erkannt werden.

Deshalb klärte Michael Rösch alle auf, mit denen er übte oder Einsätze fuhr, wie die äußerlichen Anzeichen von Unterzucker aussehen und vor allem auch, wo er seinen "Notfall-Traubenzucker" deponiert. Mittlerweile ist er bereits seit sechs Jahren in der freiwilligen Feuerwehr Höchst tätig und sehr engagiert.
Wenn eine Alarmierung erfolgt, ist der Blutzuckerwert wichtig. Entweder gilt die vorhergehende Messung, die maximal eine halbe Stunde Zeit zurückliegen darf, oder die Werte werden neu bestimmt. Mit modernen Geräten geht dies mittlerweile innerhalb kürzester Zeit. Daraufhin entscheidet Rösch schnell, welche Art von Kohlenhydraten und wie viel er davon für den Einsatz benötigt. Je nachdem, wie lange und wie kräftezehrend dieser wird, nimmt er eine Kombination von kurz und länger wirkenden Kohlenhydraten in Form von Traubenzucker und Schokoriegel zu sich. Seit dem er eine Pumpe trägt, ist es für ihn noch einfacher, denn er kann auf Schokoriegel und andere länger wirkende Kohlenhydrate verzichten. Andauernden Belastungen kann er durch eine Senkung der Basalrate begegnen.
Welche Umstellungen und wie viele BE Kohlenhydrate vor einem Einsatz nötig sind, hat Michael Rösch selbst herausgefunden, ebenso wie die Stressfaktoren auf den Blutzucker wirken. Zunächst hat er vor und nach jedem Alarm seine Werte gemessen. Daraufhin experimentierte er, welche Lebensmittel schnelle und welche länger wirkende Kohlenhydrate schnell und zuverlässig liefern.
Dabei konnte er auch auf Erfahrungen zurückgreifen, die er bereits beim Tauchen gesammelt hatte.
Pannen gab es in der "Experimentierphase" keine. Schließlich, so Rösch, sei man am Anfang bei großen Einsätzen noch nicht vorne mit dabei. Somit könne niemand durch Unerfahrenheit und Fehler andere gefährden. Diese Zeit nutzte er, um die optimalen Werte zu finden, die er jetzt bei einem Alarm braucht.
Stimmt sein Blutzuckerwert allerdings bei weitem nicht und er müsste mehr als 4 BE zu sich nehmen, bleibt nichts anderes übrig, als auf den direkten Einsatz zu verzichten, um nicht sich und andere zu gefährden. Schließlich gibt es auch Aufgaben im Hintergrund, in der Funk- und Einsatzzentrale, die ebenfalls sehr wichtig sind.
Ansonsten bekommt man als Außenstehender kaum mit, dass ein Diabetiker die Menschen aus verbeulten Autowracks schneidet, Sturmschäden beseitigt oder ausgelaufenes Öl bindet. Lediglich wenn sich verschiedene Feuerwehren untereinander treffen, fällt die Pumpe auf. Man spricht sich darauf an und viele sind überrascht, aber nur, weil es sehr selten ist, einen Diabetiker unter den Floriansjüngern zu finden.
Als Diabetiker Brände zu bekämpfen ist noch eine Ausnahme. Aber es ist ohne Probleme möglich. "Auch wenn es ausweglos erscheint, immer erst alles versuchen" - getreu seinem Motto wurde auch Michael Rösch ein erfolgreicher und engagierter Feuerwehrmann. Und nicht nur dabei, sondern bei fast allen Problemen und Hindernissen kann man eine Lösung finden. Es dauert vielleicht etwas länger, aber schließlich ist doch das meiste möglich.

Autor: Ramona Völkl

Quelle: Interview mit Michael Rösch

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