Erstellt am: 03.03.2010
Letzte Änderung am: 03.03.2010
Die Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology berichtet von neuen Beweisen für einen direkten Zusammenhang zwischen Gallensteinen und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Den Ursprung für diese Meldung bilden die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam.
Bisher war bekannt, dass Menschen mit einem Diabetes Typ-2 aufgrund von jahrelangem Übergewicht häufiger Gallen- und auch Nierensteine bilden, als gesunde Menschen. Die Forschergruppe des DIfE und Leiter Heiner Boening kamen nun zu der Erkenntnis, dass zumindest im Hinblick auf die Gallensteine auch andersherum eine Wechselwirkung vorhanden ist.
Langzeit-Studie
Verwertbare Daten lieferte dabei die Auswertung der Potsdamer EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition). Sie ist wiederum Teil einer prospektiven (Teilnehmer leiden zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit) Gesamt-EPIC-Studie, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes beschäftigt. Potsdam ist einer von insgesamt 23 europäischen Standorten, an denen Studienteilnehmer untersucht wurden. Seit 1994 haben über 25.000 Probanden an der Studie teilgenommen.
Sigifikante Auffälligkeiten
Bis dato war bekannt, dass Patienten mit einem Typ-2-Diabetes häufig unter Gallensteinen leiden. Für einen Beweis der umgekehrten Beeinflussung fehlten bislang aussagekräftige Daten. Bei der EPIC-Studie konnten die Forscher nun Ergebnisse von Patienten auswerten, die an Gallen- oder Nierensteinen litten. Das Ergebnis: Innerhalb der Studiendauer erkrankten 850 Personen an Diabetes, wobei unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Taillenumfang und Lebensstil die Gallenstein-Patienten um 1,42 Mal häufiger betroffen waren. Bei den Patienten mit Nierensteinen konnte indes kein Zusammenhang festgestellt werden. „Nach unseren Daten sind Gallensteine ein eindeutiger Risikofaktor für Diabetes und könnten zusammen mit anderen Faktoren genutzt werden, um die Einschätzung des individuellen Diabetesrisikos zu präzisieren“, erklärte dementsprechend Leiter Heiner Boeing.
Vermutung über Ursache
Als mögliche Ursache für die Wechselwirkung nennen die Potsdamer Wissenschaftler ein bestimmtes Zusammenspiel mit einer Insulinresistenz. „Hinweise aus Tierexperimenten sprechen dafür, dass Insulinresistenz die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit so verändert, dass Gallensteine entstehen können“, erläutert Studienautorin Claudia Weikert. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass diese Unfähigkeit des Körpers, auf Insulin richtig zu reagieren, der Diabetesentwicklung vorausgehe. „Gallensteine können Vorboten einer Zuckerkrankheit sein, da vermutlich beide Krankheiten von denselben pathobiochemischen Prozessen ausgelöst werden.“
Nutzen für die Vorsorge
Nützlich könnten diese neuen Erkenntnisse nach Meinung der Forschergruppe vor allen Dingen bei der Diabetesprävention sein. „Treten Gallensteine auf, sollte man sich vom Hausarzt über Vorzeichen einer Diabeteserkrankung und das individuelle Risiko beraten lassen“, empfiehlt Cornelia Weikert. „Ebenso ergibt sich aus der Gallensteinerkrankung ein Anlass, seine Ernährung sowie seinen Lebensstil zu überdenken und Präventionsempfehlungen verstärkt zu befolgen.“
Gallenstein- und Nierensteinerkrankungen treten bei Menschen in den westlichen Industrienationen sehr häufig auf, da unter anderem Übergewicht ein wesentlicher Risikofaktor ist.
Autor: Carolin Bunge
Quelle:
Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
http://www.dife.de