Erstellt am: 08.08.2011
Letzte Änderung am: 08.08.2011
Zwar ermöglichen moderne Therapieansätze heutzutage eine weitaus bessere Versorgung der Diabetiker als noch vor 10 Jahren. Dennoch können die neuen Methoden keine Wunder vollbringen. Nach wie vor ist die Volkskrankheit Nr. 1 ein unheilbares Leiden, welches ein breites Spektrum an Spätschäden verursachen kann. Hierzu zählen beispielsweise die Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie und schwere kardiovaskuläre Komplikationen. Eine vorbeugende Behandlungsweise kann dabei die Bauchspeicheldrüsen -Nieren-Transplantation sein. Lange blieb der kombinierte Eingriff umstritten. Im Laufe der Zeit konnten jedoch die eindeutigen Vorteile der Operation belegt werden.
Für den Typ-1-Diabetiker manchmal die letzte Chance
Geignet für die simultane Pankreas-Nieren-Transplantation sind Menschen mit Typ-1-Diabetes. Bei dieser Erkrankungsart können die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin bilden. Betroffene leiden abhängig von der Blutzucker- und Blutdruckeinstellung in der Regel bereits nach ca. 10 Jahren an fortschreitenden Nierenschäden und einer eingeschränkten Nierenfunktion. Versagt das Organ komplett, wird der Patient dialysepflichtig. Die Bauchspeicheldrüsen-Nieren-Transplantation ist dabei oft der einzige Ausweg, die Überlebenschancen zu steigern. Auch trägt der Eingriff in der Regel zur verbesserten Lebensqualität des Patienten maßgeblich bei. Bereits kurze Zeit nach der Transplantation weisen viele Menschen normale Blutzuckerwerte auf. Dieser Umstand befreit die Betroffenen von Blutzuckerkontrollen, strengen Diäten und Insulininjenktionen. Die Normalisierung kann folglich eine Rückbildung der eingetretenen Schäden an Herz und Gefäßen bewirken bzw. zumindest das Fortschreiten der Veränderungen verhindern.
Trotz der viel versprechenden Prognosen, ist eine Transplantation wie jeder operative Eingriff jedoch eine ernste und nicht risikofreie Angelegenheit. Auch nach erfolgreichen Transplantationen ist der Patient lebenslang an Medikamente gebunden, die per Unterdrückung des Immunreaktion des Körpers verhindern, dass die körpereigene Abwehr das fremde Organ abstößt.
Eine Behandlungsweise mit Tradition
Die Pankreas-Nieren-Transplantation wird weltweit seit mehr als 40 Jahren praktiziert. Seitdem wurde der Eingriff immer weiter perfektioniert und avancierte zum Routineverfahren der Transplantationschirurgie.
Erste Versuche einer einfachen Bauchspeicheldrüsen-Transplantation erfolgten Ende des 19. Jahrhunderts, bereits vor der Entdeckung des Insulins. Eine Ärztegruppe um den deutschen Mediziner Bernhard Naunyn führte den Eingriff im Jahre 1889 an Hunden durch. Dabei wurde den Tieren zunächst die Bauchspeicheldrüse entnommen und dann ein Teil dieses Gewebes unter die Haut verpflanzt. Infolge wurde die Beobachtung gemacht, dass die für Diabetes typische vermehrte Zuckerausscheidung mit dem Urin rückgängig gemacht werden konnte. Bereits ein Jahr später erfolgte eine ähnliche Transplantation an einem Menschen. Dabei verpflanzten amerikanische Ärzte einem 15-jährigen komatösen Patienten Bauchspeicheldrüsengewebe, welches allerdings vom Schaf stammte, unter die Haut. Danach besserte sich zwar der Zustand des Typ-1-Diabetikers, doch hatte der Körper das fremde Gewebe schnell abgestoßen. Der Patient verstarb kurze Zeit später. Erst 1966 wurde die von Mensch zu Mensch erfolgende Bauchspeicheldrüsen-Transplantation durchgeführt. Zu verdanken ist das Verfahren den amerikanischen Chirurgen, William Kelly und Richard Lillehei. Von der Methode konnten bisher Tausende Patienten profitieren.