Erstellt am: 24.10.2011
Letzte Änderung am: 24.10.2011
Immer neue Diäten versprechen eine schnelle und langfristige Gewichtsreduktion. Im Auftrag des österreichischen Verbraucherschutzmagazins „Konsument“ wurden Ende des Jahres 2010 gleich mehrere Abnehmprogramme einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen. Die in der Januar-Ausgabe des Blattes veröffentlichten Ergebnisse stuften vor allem das Konzept der neuen Gen-Diät als bedenklich ein. Abnehmen liegt seit Jahrzehnten im Trend. Das hat lange nicht nur ästhetische Gründe. Eine bewusste Ernährungsumstellung, das belegt die Forschung, minimiert unumstritten das Risiko an Volkskrankheiten, wie Bluthochdruck und Diabetes, zu erkranken. Die noch sehr junge Idee der so genannten „Nutrigenomik“, auf der die Gen-Diät basiert, verspricht scheinbar neue Lösungsansätze. Auf der Grundlage einer individuellen Genanalyse soll das Risiko solcher Erkrankungen kontrolliert werden. Denn: jedes Genom (Erbgut) lässt die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten erkennen.
Eine Diät entdeckt das Individuum
Die Nutrigenetik ist ein Zweig der biotechnologischen Wissenschaft, welcher das Zusammenspiel zwischen Erbanlagen und Ernährung erforscht. Der Begriff tauchte erstmals 1999 in Fachkreisen auf. Die Idee der daraus abgeleiteten Gen-Diät beruht auf der mittlerweile wissenschaftlich belegten Tatsache, dass das Erbgut nicht nur jeden Menschen unterscheidet, sondern auch bestimmte, individuelle Schwachstellen aufweist. So können Genvariationen beispielsweise einen chronisch erhöhten Cholesterinspiegel zur Folge haben. Bei anderen Menschen wiederum weist die genetische Disposition auf erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten oder Diabetes hin. Die Erforschung des Humangenoms und der damit verbundenen Vielfalt hat im Bereich der Ernährungswissenschaft die Erklärung dafür geliefert, warum nicht eine Diät gleich für jeden die passende ist. Immer mehr Forscher sprechen mittlerweile vom Einfluss der Gene auf die Nahrungsverwertung und den Stoffwechsel. Aus dieser Erkenntnis wird neuerdings Profit geschlagen. So werben immer mehr Firmen, die ihren Sitz vorwiegend in den USA haben weltweit für ein scheinbar revolutionäres Lifestyle-Produkt: ein Gentest, auf dessen Grundlage individuell zugeschnittene Diätempfehlungen aufgestellt werden.
Der letzte Schrei im Geschäft um die Gesundheit findet keinen Zuspruch
In Wissenschaftskreisen schließt man nicht aus, dass eines Tages eine Ernährungsberatung basierend auf der persönlichen Erbveranlagung zur gängigen Praxis avanciert. Zurzeit jedoch, so das Argument der Kritiker, stecke die Forschung noch in den Kinderschuhen. „Klar ist hingegen seit Langem, dass Ernährungsweise, Lebensstil, Bewegungsverhalten und psychische Faktoren direkt auf das Körpergewicht wirken. Übergewicht ist nach wie vor eine Frage der Energiebilanz: Die Kalorienzufuhr zu reduzieren und das Körpertraining anzukurbeln, bleibt keinem Abnehmwilligen erspart.“ – beurteilt der „Konsument“. Die Gen-Diät sei absolut entbehrlich und zur Anwendung am Menschen noch ungeeignet, weil bisher lediglich Labortests mit Mäusen durchgeführt wurden. Die Übertragung der vorliegenden Ergebnisse aus der Tierwelt auf den Menschen ist Experten zufolge unverantwortlich und übereilt. Die Vielfalt menschlicher Gene und ihre Abhängigkeiten untereinander seien vergleichsweise enorm. Trotzdem versuchen Firmen aus dem unzureichenden Wissensstand ein profitables Geschäft zu machen. Beachtliche 200 US-Dollar aufwärts verlangen die Unternehmen derzeit für einen Gentest. Zwar wird dem Ergebnis eine ausführliche Erläuterung beigefügt. Verbraucherschützer sehen in dem Inhalt jedoch einen eindeutigen Betrugsfall. So sind die darin enthaltenen Informationen eher banaler Natur. Die erteilten Ratschläge decken sich mit den Empfehlungen einer gesunden, ausgewogenen Ernährung. Der Vorwurf der Verbraucherschützer: Das seit Jahren Bekannte wird hier zum Novum umetikettiert und als solches teuer verkauft. „Einmal mehr stellte sich heraus, dass bei Abnehmprogrammen Verkaufserfolg und Anwendernutzen nur selten Hand in Hand gehen.“ – so das im „Konsument“ veröffentlichte Ergebnis.