Erstellt am: 09.09.2010
Letzte Änderung am: 09.09.2010
Eine Kölner Firma hat jüngst die Zulassung erhalten, Diabetiker mittels Stammzelltherapie zu behandeln. Aktuell äußern Diabetes-Experten jedoch in einem offenen Brief an die Bezirksregierung Köln erhebliche Bedenken zu diesem Verfahren, da erstens die Wirksamkeit der Behandlung wissenschaftlich nicht belegt sei und zweitens die Patienten durch hohe Kosten belastet würden. Darüber hinaus sei eine Schädigung der Gesundheit durch Nebenwirkungen ebenfalls nicht auszuschließen. Was genau ist dran an diesen Vorwürfen und der Diskussion um die neue Therapiemethode?
Die Erkrankung Diabetes mellitus zählt zu einem der größten Probleme der heutigen Gesellschaft. Mangelnde Bewegung und Überernährung sind dabei wesentliche Ursachen. Seit je her beschäftigt sich die Internationale Forschung intensiv damit, die körpereigene Insulinproduktion eines Diabetikers, welche durch eine autoimmunreaktion zum Erliegen kommt wieder herzustellen. Die sogenannte Stammzellentherapie sollte zur lebenslangen Insulinbehandlung eine Alternative darstellen.
Experten äußern Bedenken gegenüber Stammzellentherapie
Anlass des aktuellen Beschwerdebriefes des Kompetenznetzes Diabetes mellitus und der Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) gab die Genehmigung für eine Kölner Firma, Patienten Knochenmark zu entnehmen, von welchem wiederum die Stammzellen im Labor isoliert und aufbereitet werden, um diese dann in die Bauchspeicheldrüse zu transplantieren. Dort sollen die eingesetzten Stammzellen als Insulin produzierende Betazellen arbeiten. Die Kosten für diese Therapie liegen zwischen 7.500 und 10.500 Euro und werden bisher nicht von den Krankenkassen übernommen.
Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler von Kompetenznetzes Diabetes mellitus sowie Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender der Gesamtorganisation diabetesDE kritisierten, dass es derzeit keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gebe, dass Patienten von einer solchen Therapie profitieren würden. Der Erfolg eines solchen Stammzelleneinsatzes konnte bisher lediglich bei tierexperimentellen Studien belegt werden. Beim Menschen funktionierte die Therapie bisher nicht. In Spanien beispielsweise wurde eine Studie bereits nach drei von zehn geplanten Patienten abgebrochen, da die in der Bauchspeicheldrüse transplantierten Zellen die Insulinproduktion nicht steigern konnten.
Die Experten weisen weiter darauf hin, dass beim Typ-1- Diabetes die Abwehrzellen des Körpers die neuen Betazellen zerstören würden. „Diese aggressiven Zellen sind weiter im Körper vorhanden. Sie bedrohen auch später transplantierte Stammzellen”, so die Experten. Dem könnte nur entgegen gewirkt werden, wenn die transplantierten Zellen so verändert würden, dass das Immunsystem sie nicht mehr erkennen würde. Nach Informationen von Ziegler und Danne ist dies bisher noch nicht gelungen, was zur Folge hat, dass die Autoimmunreaktion mit Hilfe von Medikamenten eingedämmt werden muss. Dies könnte jedoch wiederum laut Expertenwarnungen erhebliche Nebenwirkungen für den Patienten haben.
Stammzellentherapie vs. Pankreastransplantation
Eine Möglichkeit, Diabetes mellitus zu behandeln bieten derzeit Pankreas- oder Pankreasinseltransplantationen. Bei der erstgenannten Methode wird die gesamte Bauchspeicheldrüse transplantiert während bei der zweiten Behandlungsmöglichkeit nur isolierte, Insulin produzierende Zellen verpflanzt werden. Diese beiden Verfahren wurden in den vergangenen Jahren klinisch derart verfeinert, dass eine langdauernde Unabhängigkeit der Diabetiker von der Insulinspritze erreicht werden konnte.
Die Schwachstelle dieses Verfahrens ist allerdings, dass ein großer Mangel an Spenderorganen herrscht. Dieser führt dazu, dass die Forschung weltweit weiter daran arbeitet Insulin produzierende Zellen im Reagenzglas zu züchten. Die besten Ergebnisse wurden wie bereits erwähnt bei der Gewinnung Insulin produzierender Zellen aus Stammzellen erzielt. Das liegt daran, dass Stammzellen die Fähigkeit haben, sich selbst zu erneuern. Tierversuche haben wie bereits erwähnt gezeigt, dass diese aus dem Reagenzglas stammenden Zellen nach einer Transplantation den Blutzuckerspiegel senken können. Solange der Beweis für eine Wirksamkeit beim Menschen jedoch aussteht, ist Vorsicht geboten.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.diabetesde.org/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen-3/artikel/diabetes-experten-warnen-vor-stammzelltherapie/
http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/fachthemen/neuemethoden/?TextID=1591
http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/ernaehrung/texte/?TextID=1131