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Hypoglykämie

Auswirkungen und Folgen der Hypoglykämie

Hypoglykämie Laut einer Vielzahl von Leitlinien der Diabetologie ist das Hauptdiabetestherapieziel das Senken des Glukosespiegels auf einen Normalwert. Dies ist aber anscheinend nicht so unproblematisch wie bisher angenommen wurde. Vermehrt zeigen Studien, dass ein zu niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) ebenso kritisch sein kann wie ein zu hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie).

Die Studienergebnisse der ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes) der US-Gesundheitsbehörde ergaben, dass ein rapides Absenken des Glukosespiegels um jeden Preis sehr gefährlich sein kann. Dies widerspricht jedoch den jahrelangen Richtlinien der Diabetologie, die besagen, dass ein Diabetiker umso besser vor Folgeerkrankungen geschützt sei, desto niedriger sein HbA1c-Wert sei. Fast alle Diabetes-Leitlinien raten, dass aus diesem Grund als Therapieziel ein HbA1c-Wert von weniger als 6,5 Prozent angestrebt werden solle. Die Folgen, die gerade ein rapides Absenken des HbA1c-Werts sowie eine auftretende starke Unterzuckerung mit sich bringen, sind jedoch nach Angaben der Studien-Initiatoren enorm.

Studie überprüft die Folgen einer rapiden Glukose-Absenkung

Die ACCORD-Studie überprüfte die Auswirkungen einer rapiden Glukose-Absenkung der Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ-2. Die 10 000 Teilnehmer waren im Schnitt 62 Jahre alte Diabetiker. Bei der einen Gruppe lautete das Ziel ihren HbA1c-Wert rasant auf das Niveau von Nicht-Diabetikern, also unter sechs Prozent, zu senken. Bei der zweiten Hälfte der Teilnehmer sollte ihr HbA1c-Wert dagegen nur auf sieben bis 7,9 Prozent gesenkt werden. Nach einer Laufzeit von 3,5 Jahren ergab eine Zwischenauswertung ein erschreckendes Ergebnis: Entgegen den Erwartungen waren in der Gruppe mit einem aggressiv gesenkten HbA1c-Wert 22 Prozent mehr Todesfälle zu verzeichnen als in der anderen Gruppe. Die Studie, die eine geplante Laufzeit von 5,6 Jahren hatte wurde daraufhin abgebrochen.

Seither führen die Diabetologen eine kontroverse Diskussion um die Risiken und Nebenwirkungen des rapiden Absenkens des Glukosespiegels und um die Vor- und Nachteile bei einer Toleranz eines mäßig erhöhten Glukosespiegels.

Demenzrisiko und forensische Aspekte aufgrund von Hypoglykämie

Neben einem direkten Zuckerschock können auch Folgeerkrankungen auftreten. Eine Kohortenstudie mit mehr als 16 000 Patienten aus dem Jahr 2009 hatte so ergeben, dass nach jeder Unterzuckerung Folgeschäden zurückbleiben. Der Grund wird darin gesehen, dass das Gehirn offenbar einen Mangel an Glukose ausnehmend schlecht erträgt. Die Studie zeigte, dass bei Patienten mit Typ-2 Diabetes, die einmal wegen Hypoglykämie in die Klinik eingeliefert werden mussten, ein um 26 Prozent erhöhtes Demenzrisiko haben. Das Risiko einer Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt sogar auf 80 Prozent bei einer zweiten Unterzuckerung, die im Krankenhaus endet.

Anpassung der Leitlinie

Nach verschiedenen Studienergebnissen hatte bereits im Oktober 2008 die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit einer Anpassung der Leitlinie reagiert. Bei jüngeren Diabetikern sowie Patienten im Frühstadium des Diabetes kann die Therapie weitgehend gleichbleiben, während ältere Diabetiker mit Begleitkrankheiten und schlechter Basiseinstellung fortan nicht mehr drastisch unter einen HbA1c-Wert von 6,5 Prozent gesenkt werden sollen. Thomas Haak, Präsident der DDG und Chefarzt des Diabetes-Zentrums Bad Mergentheim erläutert, dass bei dieser Patientengruppe auch einen Wert knapp unter sieben Prozent in Ordnung sei.

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