Erstellt am: 12.01.2006
Letzte Änderung am: 08.09.2006
Entgegen bisheriger Annahmen wird das Hormon Insulin nicht nur von den ß-Zellen in der Bauchspeicheldrüse sondern auch im Gehirn gebildet. Hier scheint es eine wichtige Rolle bei der Entstehung neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer zu spielen. Den Ergebnissen amerikanischer Studien an der Brown Medical School in Providence / USA zufolge ist die Insulinbildung im Gehirn von Alzheimerpatienten deutlich vermindert.
Hinzu kommt, dass die Wachstumsfaktoren der Insulinrezeptoren ebenfalls deutlich vermindert sind. Dies soll allerdings keinesfalls auf herkömmlichen Diabetes mellitus zurückzuführen zu sein, sondern stellt vermutlich eine dritte Form des Diabetes, einen Typ-3-Diabetes dar. Die Verminderungen der Konzentration des Insulins und seiner Rezeptoren traten nur in Hirnregionen auf, die von der Alzheimer Krankheit betroffen sind und haben keinen Einfluss auf den Blutzucker Wert. In den Regionen, die nicht von Alzheimer betroffen sind, war die Insulinproduktion unverändert. Dies stellten die Forscher um Suzanne LaMonte anhand von Autopsien an Patientengruppen mit und ohne Alzheimer fest.
Nicht nur Insulinmangel kann zu Alzheimer führen
Allerdings führen offensichtlich auch erhöhte Insulinspiegel bzw. Insulinresistenz im Gehirn zu Alzheimer. Eine weitere Studie mit Insulininfusionen und Messungen im Liquor (Flüssigkeit, die das Gehirn im Schädel umgibt) macht wahrscheinlich, dass zwischen 40 bis 50 % aller Alzheimer-Fälle auf eine vorhandene Insulinresistenz im Gehirn und den dadurch erhöhten Insulinpegel zurückzuführen sind. Das bedeutet, dass Personen, die offensichtlich keine Veranlagung für neurologische Krankheiten besitzen, in eine Stoffwechselsituation gebracht werden können, die ein erhöhtes Alzheimer Risiko birgt.
Allerdings lässt sich daraus nicht schließen, dass jeder, der eine Insulinresistenz besitzt, auch automatisch Alzheimer bekommt. Sie ist lediglich ein Faktor von mehreren, den Personen, bei denen andere Risikofaktoren zutreffen, ausschalten sollten.
Konferenz bestätigt bisherige Annahmen
Die "International Conference on Alzheimer's Disease", die Mitte Juli in Madrid statt fand, bestätigte die bisherigen Ergebnisse und Annahmen. Demzufolge bedingen sich Diabetes und Alzheimer nicht unbedingt gegenseitig, begünstigen sich aber durchaus. Bei einer Untersuchung des Äldrecentrum in Stockholm stellte sich heraus, dass nach Berücksichtigung aller anderen vaskulären Faktoren für eine Alzheimer Erkrankung, Diabetes als Risikofaktor übrig blieb. Darüber hinaus ergab die Untersuchung einer Krankenkasse, dass ein langfristig erhöhter HbA1c Wert das Demenzrisiko im schlechtesten Fall der Untersuchung um 78 % erhöht. Dieser Zusammenhang wird als weiterer Anlass genommen, Diabetikern die unbedingte Notwendigkeit einer konsequenten Blutzuckerkontrolle zu verinnerlichen.