Erstellt am: 19.01.2004
Letzte Änderung am: 22.01.2004
Die Diagnose Diabetes mellitus bringt stets eine mehr oder weniger intensive Therapie mit sich. Ob Diät, Tabletten oder Insulin, zunächst richtet sich der gesamte Alltag nach der Krankheit aus. Aber auch wenn man schon Übung hat, wird der Diabetes ständig das Leben bestimmen. Man kann nicht einfach bei der besten Freundin spontan übernachten, wenn das Insulin nicht dabei ist. Auf die Ernährung muss geachtet, der Spritz-Ess-Abstand darf nicht vergessen werden und vieles mehr. Natürlich geht es im Laufe der Zeit in Fleisch und Blut über, aber die Einschränkung bleibt.
Jetzt scheinen die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Biomaterialien und Organersatz e.V.(BMOZ) einen bedeutenden Schritt in Richtung "dauerhafte Lösung" gemacht zu haben: Sie stellten sich der Problematik, dass für Transplantationen von Bauchspeicheldrüsen (Pankreas) viel zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen. Selbst wenn mikroverkapselte Inselzellen eingepflanzt werden, garantiert dies noch keine dauerhafte Stabilisierung der Stoffwechsellage.
Künstlicher Ersatz für die Bauchspeicheldrüse
Ziel war es, einen bioartifizielle Pankreas zu entwickeln. Dieser soll die körperfremden Langerhans'schen Inseln vor dem Immunsystem schützen, so dass sie Insulin produzieren und trotz der Abschirmung die Stoffwechselfunktion voll erfüllen können. Was für Typ 1-Diabetiker bedeuten würde, dass sie nicht mehr auf eine lebenslange Insulinbehandlung angewiesen wären. Die "neue" künstliche Bauchspeicheldrüse würde, fast wie die echte, Insulin nach Bedarf produzieren.
Dafür arbeiteten die Forscher zunächst an der Herstellung und Charakterisierung einer Kapillarmembran, die den Schutz vor der Abwehrreaktion darstellen soll. Diese besteht aus einem abgewandelten Polysulfon, einem Kunststoff, der bereits bei Dialysegeräten gute Dienste leistet. Das besondere daran ist, dass zwar das Insulin durchdringt, Viren jedoch die Barriere nicht passieren können. So geht von der Prothese keine Infektionsgefahr für deren Träger aus.
Dann stand die Herstellung einer Gefäßprothese aus einem bestimmten Material (Mikrofaservlies) auf dem Programm, in die die halbdurchlässige Membran zum Blutstrom ausgerichtet integriert wurde. Dahinter befinden sich Betazellen aus Langerhans'schen Inseln. Diese gewann man mittels eines speziellen Verfahrens aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen.
Erste Testphase steht kurz bevor
Nach zehn Jahren Arbeit ist es nun soweit: Die ersten experimentellen Prüfungen an Schweinen sollen Anfang 2004 stattfinden. Dafür wird die Bauchspeicheldrüse als Verbindungsschlauch zwischen einer Arterie und einer Vene im Beckenbereich der Schweine eingepflanzt.
Wenn diese Versuche gut gehen, wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis auch menschliche Diabetiker davon profitieren können. Momentan gibt es dabei noch ein Problem: Derzeit ist der Pankreas noch einen halben Meter lange. Gestaltet sich beim Menschen wohl noch etwas schwierig....