Erstellt am: 26.08.2010
Letzte Änderung am: 26.08.2010
Viele Menschen leiden an einer Überempfindlichkeit des Weizenbestandteils Gluten. Seit der Entdeckung der Erkrankung suchen Forscher nach den Ursachen, die für eine Glutenunverträglichkeit verantwortlich sind. Aktuell haben britische und australische Wissenschaftler nun die Ursache für die Immunreaktion, die eine sogenannte Zöliakie auslöst, entschlüsselt. Auslöser der Beschwerden sind hauptsächlich drei Fragmente im Klebereiweiß Gluten. Die Hoffnung liegt nun auf einer erfolgreichen Entwicklung einer künftigen Therapieform.
In den letzten Jahren ist der Anteil an Zöliakie-Patienten stetig gewachsen. Momentanen Schätzungen nach leidet etwa einer von ca. 250 Menschen an einer Glutenüberempfindlichkeit. Zöliakie tritt verstärkt zusammen mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Typ-1-Diabetes, Laktoseintoleranz, Osteoporose oder Schilddrüsenerkrankungen auf.
Was ist Zöliakie?
Unter Zöliakie versteht man eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten. Gluten ist ein Getreideeiweiß, welches in Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Dinkel enthalten ist. Andere Namen, die alle die gleiche Erkrankung bezeichnen sind: Einheimische Sprue, nicht-tropische Sprue, glutensensitive Enteropathie oder Heubner-Herter-Krankheit. Früher wurde zwischen den Begrifflichkeiten Sprue im Erwachsenenalter und Zöliakie im Kindesalter unterschieden. Diese Unterschiede trifft die Medizin heute jedoch nicht mehr.
Zöliakie erforscht - Glutenfreie Ernährung war gestern
Rund 60 Jahre nach der ersten Entdeckung des Proteins Gluten hat nach einer neun Jahre währenden Studie das australische Forscherteam Bob Anderson vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical die im Protein enthaltenen giftigen Stoffe gefunden, die für eine Überempfindlichkeit verantwortlich zu sein scheinen. An der gegenwärtigen Studie nahmen 200 Zöliakie-Patienten in Krankenhäusern in Oxford und Melbourne teil. Sie mussten drei Tage lang Glutenprodukte wie Brot, Gersten-Muffins oder gekochte Gerste essen und daraufhin detailliert die Reaktion ihres Immunsystems analysieren.
In der Zeitschrift "Science Translational Medicine" berichtete das australische Forscherteam, dass 90 von insgesamt 2700 untersuchten Eiweißbruchstücken Reaktionen des Immunsystems auslösten. Dabei wurde festgestellt, dass sich drei dieser Fragmente als besonders giftig erwiesen. Das Gluten in Weizen, Roggen und Gerste. Diese Peptide lösen den größten Teil der Immunreaktionen aus. Diese Erkenntnis könnte nun eine Entwicklung einer Immuntherapie möglich machen. Bei dieser sollen die Zöliakie-Patienten - ähnlich wie bei Heuschnupfen - stufenweise mit einer steigenden Konzentration der Stoffe konfrontiert werden.
Diabetes und Zöliakie
Beobachtungen zeigen, dass Zöliakie-Patienten häufig an einer Typ-1-Diabetes leiden. Die beiden Krankheiten haben gemeinsam, dass ihnen jeweils ein Fehler im Immunsystem zugrunde liegt. Vermutungen nach führt eine genetische Glutenüberempfindlichkeit zu einer Kettenreaktion. Die Folge ist, dass die Immunsystemzellen überreagieren und körpereigenes Gewebe angreifen (Autoimmunkrankheit). Werden dabei bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüsen zerstört, entwickelt sich ein Insulinmangel und damit Diabetes mellitus.
Symptome
Zöliakie-Patienten, die die sogenannte klassische Form haben, leiden häufig unter Durchfall, Blähungen, magern ab und neigen zu Eisenmangel und Blutarmut (Anämie). Darüber hinaus können Muskelschwund, Wassereinlagerungen, vermehrte Hautpigmentierung und Haarausfall auftreten. Gerinnungsstörungen und Osteoporose, als Folgen eines Vitamin- und Kalziummangels, kommen ebenso vor. Bei Kindern zeigen sich erste Symptome sobald sie mit getreidehaltiger Breikost gefüttert werden – ca. ab dem 6. Lebensmonat. Die betroffenen Babys verweigern meist das Essen, haben Bauchschmerzen, einen geblähten Bauch und Durchfall. Aufgrund dessen nehmen sie auch nicht richtig zu und können Anzeichen einer Blutarmut und Austrocknung entwickeln.
Atypische Formen der Zöliakie sind weit schwieriger zu deuten und werden oft erst Jahre später als Zöliakie erkannt. Meist hat die Hälfte der Patienten keine der sonst typischen Magen-Darm-Beschwerden. Bei ihnen treten verstärkt ein oder mehrere der folgenden Symptome auf: