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Blutzuckersenker und Antidiabetika aus dem Beet

Die Perfektion der Gartenernte – Blutzuckersenker und Antidiabetika aus dem Beet

© Dieter Schütz/Pixelio Aufgrund des Gehalts an Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralsalzen gehört alles, was der Gemüsegarten hergibt, zu einer täglichen, ausgewogenen Kost. Ob als Beilage oder als leckerer Snack für Zwischendurch – Kräuter, Obst und Gemüse sind aus einem vernünftigen Speiseplan nicht wegzudenken. Alles ist sehr gesund und wirkt bei regelmäßigem Verzehr sogar präventiv bei vielen Erkrankungen. Der nachgewiesene schützende Effekt des „Grünzeugs“ gilt dabei auch für Diabetes.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt nicht umsonst, fünfmal am Tag eine Portion Obst, Salat oder Gemüse zu essen. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse konnten erneut die Richtigkeit dieser Empfehlung stützen. Der vielfältige Nutzen der Gartenernte wurde dabei unter besonderer Berücksichtigung der Diabetes-Patienten belegt. Zwar kann der Verzehr von Obst und Gemüse die verordneten Medikamente nicht ersetzen, doch eine positive Wirkung auf den krankheitsbedingt angeschlagenen Organismus hat er auf alle Fälle.

Verschiedene Einflüsse

Welchen Einfluss die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten auf den Blutzuckerspiegel haben, interessiert Diabetesexperten schon länger. Als erwiesen gilt, dass Obst wie Bananen, Weintrauben, Ananas, Honig- und Wassermelone wegen des hohen Zuckergehalts den Blutzucker rasch erhöhen. Positiver wirken sich hingegen Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Kirschen aus. Diese Obstsorten sollten deshalb von Diabetikern bevorzugt werden. Dies gilt nicht bei Obstkonserven und -zubereitungen mit Zuckerzusatz. Der hier zugesetzte Zucker ist ungünstig für den Blutzuckerspiegel. Das kann unangenehme Folgen haben.
Eine gute Alternative zu Früchten bieten Gemüse, Kräuter und Pilze, da sie im Allgemeinen den Blutzuckerspiegel wegen ihres hohen Wasser und sehr geringen Zuckergehalts fast nicht beeinflussen. Zu den wenigen Ausnahmen mit hohem glykämischen Index zählen Erbsen oder Mais. Hülsenfrüchte wie z. B. Linsen, Kichererbsen, Bohnen und Sojabohnen müssen in geringen Mengen (bis ca. ein Teller = 250 ml) nicht auf die Insulindosis angerechnet werden. Allerdings muss hier der Kaloriengehalt beachtet werden. Kartoffeln hingegen haben einen hohen glykämischen Index und lassen den Blutzucker schnell ansteigen. Vorsicht ist zudem bei fett- und eiweißreichen Zubereitungen von Gemüse wie z. B. Gemüse in Sahnesoße, panierte oder frittierte Gemüsegerichte oder Zubereitungen in Backteig geboten. 

Erzeugnisse der Natur im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten

Der jetzige Stand der Forschung belegt zunehmend den Zusatznutzen zahlreicher Obst- und Gemüsesorten bei Krankheitsbildern, die wegen der vorherrschenden Lebensverhältnisse typisch für die Industrieländer sind. Zu diesen Zivilisations- bzw. Wohlstandskrankheiten gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. Dank Vitamin C, Folsäure, Ballaststoffen und der sekundären Pflanzenstoffen (zum Beispiel Karotin, eine Vorform von Vitamin A) können Obst und Gemüse diesen Erkrankungen vorbeugen.  Ferner können sie vor Infektionen schützen, indem sie die Anzahl und Aktivität von Krankheitserregern vermindern und gleichzeitig das Immunsystem stärken. Die in Obst und Gemüse enthaltenen Ballaststoffe tragen dazu bei, den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel zu senken, denn sie verzögern die Glukoseaufnahme, außerdem sättigen sie schneller. Dieser Effekt gewinnt vor allem bei bestehender Zuckerkrankheit an Bedeutung. Bei ballaststoffreicher Nahrung sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Nur so können die Ballaststoffe aufquellen und kommen dadurch zu ihrer positiven Wirkung.

Neue Erkenntnisse: Bittergurke ist hohem Blutzucker gewachsen


Der Blick der Diabetologen geht in diesem Punkt trotz fehlender medizinischer Standards in die Länder der Dritten Welt. Die Zuckerkrankheit kommt hier nur selten vor, vermutlich weil der westliche Ernährungsstil die Bewohner (noch) nicht eingeholt hat. In den Entwicklungsländern ernähren sich die Menschen hauptsächlich vom Selbstangebautem. Nicht zuletzt aus diesem Grund lenkten Diabetesexperten und Mediziner ihr Augenmerk auf dort verzehrtes Obst und Gemüse. So haben Untersuchungen der Inhaltsstoffe der Bittergurke ergeben, dass diese tropische Gemüsesorte den Blutzuckerspiegel senken und das Gewicht reduzieren kann. Für die Senkung des Blutzuckerspiegels sind die in der Bittergurke enthaltenen Lipide verantwortlich. Die Saponine hingegen lassen die Pfunde um bis zu 15 Prozent purzeln. „Das ist vor allem wichtig, um Spätschäden durch Diabetes zu vermeiden“, so Professor Michael Krawinkel von der Universität Gießen. „Außerdem eignet sich die Bittergurke hervorragend zur vorbeugenden Behandlung.“ Die auch als Bittermelone bekannte Gemüsesorte aus der Familie der Kürbisgewächse ist ein altes Heilmittel, das in der ayurvedischen Medizin zur Linderung von Diabetes eingesetzt wird. Wissenschaftler wollen nun verschiedene Bittergurkensorten auf ihre Diabeteswirksamkeit testen und das medizinische Potenzial des Gemüses durch Anbaumethoden steigern.

Viele mögliche Blutzuckersenker aus dem Gemüsebeet noch nicht genügend erforscht

Heilende Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse soll ebenfalls die europäische Geißraute haben. Diese Pflanze kann den Blutzucker senken, allerdings besteht beim Verzehr das Risiko einer Unterzuckerung. Experten raten aufgrund noch mangelnder Untersuchungen dieses Gewächses derzeit von der Verwendung ab. Ein weiteres Kraut in dieser Reihe der natürlichen Blutzuckersenker stammt aus Südamerika und wurde unter der Bezeichnung Stevia bekannt. Die Pflanze könnte ein ideales Süßungsmittel sein. Die Stevioside in ihren Blättern sind 300 Mal süßer als Zucker, ohne den Blutzuckerspiegel anzuheben. Das Kraut soll zudem auf den Blutdruck regulierend wirken. Als Heilmittel konnte Stevia noch nicht zugelassen werden, da entsprechende Studien ausstehen. Ebenfalls unzureichend erforscht wurden die Blutzucker und Cholesterin senkenden Eigenschaften, die seit längerem der Feigenkaktus zugeschrieben werden. Auch hier wird noch vom Verzehr abgeraten.  

Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate: keine Konkurrenz für das „Grünzeug“

Um eine unausgewogene Ernährung auszugleichen, greifen manche Diabetiker zu Nahrungsergänzungsmitteln. Dennoch kann keine Tablette und kein isolierter Pflanzenstoff den Verzehr von Obst und Gemüse wirklich ersetzen. Deshalb werden diese Zusatzprodukte auch von Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung generell nicht empfohlen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln besteht die Gefahr von Nebenwirkungen durch Fehler in der Dosierung. Eine Überdosierung von Vitaminen und Mineralstoffen  kann daraus resultieren und dem Körper mehr schaden als nützen. Hohe Mengen Magnesium hemmen beispielsweise die Aufnahme von Zink und Kalzium, was mit Schwindel und Durchfall einhergeht. Eine Überdosis an Vitamin A kann Haarausfall oder Kopfschmerzen verursachen, eine zu hohe Vitamin-D-Konzentration für Vergiftungserscheinungen verantwortlich sein. Ein Vitamin-E-Überschuss bringt den Hormonshaushalt durcheinander, Vitamin C führt in hoher Menge zu Gicht und Nierensteinen. Wer auf Vitaminpillen, Brausetabletten und andere Präparate dennoch nicht verzichten möchte, muss die angegebene Tageshöchstmenge auf der Packung beachten. Wichtig für Diabetiker: Bei schlechter Stoffwechseleinstellung kommt es häufig zu Vitamin D oder Vitamin E Mangel. Bei hohen Blutzuckerwerten gehen mit dem Urin auch vermehrt wasserlösliche Vitamine und Mineralstoffe verloren. Bei nachgewiesenem Defizit an Vitaminen sollte man unbedingt mit dem behandelndem Arzt besprechen, welche Dosierung der Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist und wie man darüber hinaus den Mangel mit einer ausgewogenen Ernährung in den Griff bekommen kann.

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