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Adipostitas-Pilotprojekt

Adipositas bereits in jungen Jahren vorbeugen

Dass Übergewicht eine ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheit ist, muss an dieser Stelle nicht mehr erläutert werden. Übergewicht ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Die Kassen sehen sich mit einer kaum zu bewältigenden Flut an Betroffenen konfrontiert, denn zu viele Pfunde gehen auf Dauer mit zahlreichen Folgeerkrankungen einher.

Die Zahl Übergewichtiger steigt besonders im Kinder- und Jugendalter stetig an. Kinder, die von klein auf an Übergewicht leiden, haben auch im Erwachsenenalter oft damit zu kämpfen. Die Spirale setzt sich zu Ungunsten der Gesundheit fort. Dieses Problem bereits im Keim zu ersticken, hat sich das Adipositas-Pilotprojekt in der Seebachschule in Osthofen auf die Fahnen geschrieben.

Prävention im Grundschulalter

Die Idee stammt von dem Leitungsteam der Regionalen Gesundheitskonferenz im Landkreis Alzey-Worms. Nachdem die politischen Gremien des Landkreises Alzey-Worms, Lehrer und Eltern zugestimmt hatten, konnte das Projekt im Herbst 2003 anlaufen. Ziel ist die kontinuierliche Ernährungsaufklärung und -beratung in Kindergärten und Grundschulen zur Reduktion von Adipositas im Landkreis.
"Wir wollten keine Eintagsfliege initiieren, sondern langfristig mittels Prävention an Schulen und Kindertagesstätten dem Problem Übergewicht entgegenwirken", erklärte der Geschäftsführer der Regionalen Gesundheitskonferenz des Landkreises Alzey-Worms und stellvertretender Vorsitzender des Adipositasnetzwerkes Rheinland-Pfalz e.V. Jockel Jung. Nicht dass im Landkreis Alzey-Worms die Zahl übergewichtiger Kinder besonders hoch wäre, aber: "Prävention im Grundschulalter ist das beste Mittel, um Übergewicht vorzubeugen. Bei den Kleinen kann man noch einiges bewegen", erklärt Jung.
Das Projekt stützt sich auf die Zusammenarbeit von Ernährungsberaterinnen, Lehrern, Eltern und Kindern. Die wissenschaftliche Begleitung hat das Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Uni Koblenz- Landau übernommen.

Pilotphase zeigt Früchte

In der ersten Phase des Pilotprojektes bekamen die Erstklässler von drei Ernährungsberaterinnen in vier Doppelstunden im Schuljahr die Grundlagen gesunder Ernährung, Essgewohnheiten und die zentrale Bedeutung von Bewegung und Freizeit vermittelt. Bei wem die Waage zu viele Pfunde anzeigte, stand zusätzlich ein wöchentliches Sportförderprogramm auf dem Plan. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erhebung wurden Eltern und Kinder vor und nach dem Projekt befragt.
Das Ergebnis spricht für sich: Die Kinder zeigten bereits nach den ersten Schulungsblöcken ein verändertes Bewusstsein für gesunde und ungesunde Ernährung. Als gesund wurde Obst, Gemüse und Brot eingestuft, auf der Liste der ungesunden Sachen kreisten die Kinder Süßigkeiten, Chips, Cola und Fleisch ein. Die Selbsteinschätzung der Kinder zu ihrem Ernährungsverhalten lag bei 50% zwischen "teils gesund" und "teils ungesund". Mama und Papa schnitten aus Sicht der Kinder gut ab, währenddessen die Geschwister zu ungesunder Ernährung tendierten. Neben den erhobenen Daten gab es auch sichtbare Erfolge. "Eine Lehrerin beobachtete, wie sich Kinder gegenseitig in die Brotboxen schauten. Mit der Feststellung, dass ein Mohrenkopf viel ungesunder ist als ein Apfel", berichtet Jung. Zudem sind die Kinder im Unterricht aufmerksamer und die Bewegungsabläufe sind flüssiger als vorher.

Fortsetzung des Projektes

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde das Projekt um ein Jahr fortgesetzt. Die nun bereits in der zweiten Klasse befindlichen Kinder erhalten auch in diesem Jahr Unterricht. Zur besseren Veranschaulichung gibt es Riech- und Fühlboxen, ein Lebensmittelkreislauf wird aufgezeichnet und auch mal gemeinsam gekocht. Wie es nach Ablauf des Jahres aussieht, ist allerdings noch ungewiss, denn auch im Bereich Prävention geht es nicht ohne finanzielle Mittel. Bisher arbeiteten die Ernährungsberaterinnen fast kostenlos. Die wissenschaftliche Auswertung soll untermauern, mit welchem Erfolg das Projekt verläuft.

"Die kontinuierliche Weiterführung und Einbindung in den Schulunterricht wäre eine optimale Prävention. Denn eine Nachhaltigkeit ist erst gegeben, wenn es richtig im Bewusstsein der Kinder verankert ist", erklärt Jung. Aber er gibt auch zu bedenken, dass der finanzielle und personelle Aufwand für die Landkreise kaum zu bewältigen wäre.

Wir bedanken uns für das am 16.09.2004 mit Herrn Jockel Jung durchgeführte Interview!

Autor: Steffi Dörries

Quelle: Interview mit Jockel Jung, Geschäftsführer der Regionalen Gesundheitskonferenz des Landkreises Alzey-Worms

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