Erstellt am: 04.10.2011
Letzte Änderung am: 04.10.2011
Die emsige Routine aus Schichtarbeiten und sozialem Druck erhöht die Dauer der schlaflosen Phase zunehmend. Der moderne Mensch schläft demnach nicht nur zu wenig, sondern auch unregelmäßig – ein Lebensstil, der die Anfälligkeit für verschiedene Erkrankungen erklärt. Der täglichen Nachtruhe kommt eine essentielle, wenn auch häufig unterschätzte Bedeutung für unser alltägliches Leben zu. Der Schlaf unterstützt zahlreiche physiologische und psychologische Funktionen wie die Regeneration des Gewebes, das Wachstum, die Stärkung des Gedächtnisses sowie das Lernen. Dementsprechend gravierend sind die Folgeerscheinungen bei auftretendem Schlafmangel, ganz gleich ob dieser auf eigene Entscheidung oder auf Schlafstörungen oder gar Erkrankungen zurückzuführen ist. Kurzfristig bewirkt ein Schlafdefizit als Begleiterscheinung der zunehmend schnelllebigen Gesellschaft allgemeine Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und Schlappheit. Auf längere Sicht soll er für die steigende Prävalenz von Volkskrankheiten, wie beispielsweise Diabetes-Typ-2 und Übergewicht, verantwortlich sein.
Weshalb wir schlaflos sind
Die modernen Lebensgewohnheiten fordern dem Menschen viel ab. Der Schlafmangel ist vor allem auf eine Vielzahl von Berufen zurückzuführen, die Schicht- und somit auch Nachtarbeit notwendig machen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes war 2009 jeder zwölfte berufstätige Bundesbürger im Schichtdienst tätig. Der beruflich bedingte Schlafmangel trifft zudem auf viele karrierebewusste Menschen zu, die lange Arbeitszeiten gepaart mit möglichst wenig Schlaf für die Erreichung der Ziele opfern. Andere wiederum finden aber auch aufgrund von Schlaflosigkeit oder chronischer Schmerzen, wie beispielsweise diabetischer Nervenschmerzen, kaum nächtliche Ruhe.
Von der Bedeutung der „inneren Uhr“
Der tempogewohnte moderne Arbeitnehmer und Familienernährer versucht, den wachsenden Anforderungen im Berufsfeld und Privatleben gerecht zu werden. Bei allen Ambitionen gibt es jedoch ein Tempo-Limit, und diesen diktiert uns der eigene Körper. Diese „innere Uhr“ eines Organismus ist ein Gefüge aus vielen Unteruhren, die im harmonischen Gleichklang funktionieren und unser Wohlbefinden garantieren. Für das Bedürfnis nach Schlaf ebenso wie nach Nahrungsaufnahme sind biologische Uhren zuständig. Sie beeinflussen auch Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur. „Geraten die inneren Uhren durch ständig wechselnde Arbeits- und Ruhezeiten aus dem Takt, können gesundheitliche Störungen auftreten“, sagt Professor Dr. med. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).
Schlaf und die Glukoseverwertung
Seit längerem schon steht der Schlafmangel in Verdacht, die Entstehung von Diabetes zu fördern. Immer neue Untersuchungen scheinen diese These zu stützen. Denn: eine Schlafdauer unter 7 Stunden pro Tag geht offenbar mit einer verringerten Glukosetoleranz einher. Diese wiederum gilt als ein ernstzunehmender Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes-Typ-2. Laut der Forschung kann langfristiger Schlafmangel (< 6,5 Stunden pro Nacht) sogar einen 40 %-igen Abfall der Glukosetoleranz verursachen. Ein häufiger Schlafmangel stört jedoch nicht nur den gesunden Stoffwechsel. Je stärker beispielsweise Diabetiker unter Schlafmangel leiden, desto schlechter lassen sich ihre Blutzuckerwerte kontrollieren.
Mangel an Erholung macht langfristig dick
Wer seinen Schlaf-Wach-Rhythmus häufig ignoriert, legt Studien zufolge auch deutlich an Gewicht zu. Beim Zusammenhang zwischen dem Schlafmangel und der Gewichtszunahme könnten Forschern zufolge die Appetitsteigerung sowie der verringerte Energieverbrauch eine Rolle spielen. Das hat den Grund, dass ein kurzer Schlaf offenbar mit Änderungen von Hormonspiegeln zu tun hat, welche das Hungergefühl kontrollieren. Demnach sind die Spiegel des Leptins (appetitreduzierend) bei „Unausgeschlafenen“ niedrig, während die des Ghrelins (appetitanregend) als hoch eingeschätzt werden. Abgesehen von den hormonellen Abläufen, steht durch eine kürzere Schlafenszeit deutlich mehr Zeit fürs Essen und Trinken zur Verfügung.
Faulenzen als Gesundheitsgarantie?
Der von Krankheiten und Schlafmangel geplagte Mensch ist für viele Experten das Spiegelbild seiner hektischen Gesellschaft. Die Zeitnot drängt. Der Tag reicht mit seinen 24 Stunden oftmals nicht mehr aus. Mit der steigenden Übermüdung wächst Umfragen zufolge aber auch der Wunsch nach mehr Müßiggang. Angesichts dieser appellierenden Entwicklung betont die Forschung zunehmend die Wichtigkeit der Schlafhygiene. Unter anderem sollte dabei das tägliche Zu-Bett-Gehen zu einem festen Ritual werden.
Trotz all der Empfehlungen, der Gesundheit zuliebe kürzer zu treten, wäre es ein arger Fehler auf die Berufstätigkeit gänzlich zu verzichten. Aus psychologischer Sicht braucht der Mensch eine sinnvolle und regelmäßige Beschäftigung. Nicht zuletzt deshalb neigen viele Arbeitssuchende zu depressiven Verstimmungen. Menschen, die sich hauptsächlich mit Bequemlichkeiten beschäftigen, sind Umfragen zufolge häufig unzufrieden. „Es macht keinen Spaß, nichts zu tun, wenn man nichts zu tun hat“, wie der englische Autor, Jerome. K. Jerome, einst treffend formuliert hatte.
Autor: Beata Mazuryk
Quelle:
http://www.diabetesde.org/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen-3/artikel/schichtarbeit-und-schlafmangel-foerdern-uebergewicht-und-diabetes/
http://www.diabetes-ratgeber.net/Adipositas-fettsucht/Forscher-sagen-Schlaf-haelt-schlank-77345.html
http://www.eufic.org/article/de/ernahrungsbedingte-krankheiten/diabetes/artid/schlafentzug-folgen-fuer-stoffwechsel/