Erstellt am: 15.09.2011
Letzte Änderung am: 15.09.2011
Die revolutionäre Entdeckung geht auf zwei kanadische Forscher, Frederick Banting und Charles Best, zurück. Am 27. Juli 1921 gelang es ihnen, Insulin in unzerstörter Form aus dem Gewebe einer tierischen Bauchspeicheldrüse zu gewinnen. In einem Experiment behandelten sie zunächst diabetische Hunde – mit Erfolg. Nur ein Jahr nach der sensationellen Entdeckung wurde die erste Insulininjektion einem Menschen verabreicht. Die Behandlung rettete damals dem dreizehnjährigen Leonard Thompson das Leben.
Diabetes – die älteste Krankheit überhaupt?
Heutzutage werden etwa 1,4 Millionen Diabetiker in Deutschland mit Insulin behandelt (vor allem Typ-1-Diabetiker. Da die Bauchspeicheldrüse dieser Patientengruppe das blutzuckersenkende Hormon nicht selbst produzieren kann, gilt die Insulintherapie als lebensnotwendige Maßnahme. Dank des Insulins bedeutet die Diabetes-Diagnose kein Todesurteil mehr. Dem war nicht immer so. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben die Betroffenen meistens sehr jung. Auch wusste man über die Hintergründe des diabetischen Leidens noch sehr wenig. Ärzte des Altertums beispielsweise sahen darin ein zwar weit verbreitetes aber seltsames Gebrechen. Erste diesbezügliche Beobachtungen wurden um 1550 v.Ch. auf einer ägyptischen Schriftrolle, dem Papyrus Ebers erläutert. Später um 400 v. Ch. beschrieb der Inder, Susruta, klebrigen, süsslichen Urin, der Ameisen und Insekten anlockte. Die alten Schriften prägten auch die Erkenntnisse des Griechen, Aretaios von Kappadozien, welcher vor ca. 2000 sehr eindrucksvoll die wichtigsten Leitsymptome erfasste, die der unbehandelten Zuckerkrankheit eigen sind: übermäßiger Durst, großer Harndrang und Gewichtsabnahme. Die Prognosen, die der Arzt machte, waren entsprechend diesem Kenntnisstand düster: "Langsam ist die Entwicklung der Krankheit, lange brütet sie. Ist der Zustand gereift, so hat der Leidende nicht mehr lange zu leben, denn rasch ist der Verfall, schnell der Tod."
Der lange Weg der Forschung
Eine wirksame Behandlungsmethode existierte damals nicht. Weder Aretaios noch die Ärzte, die sich in den darauf folgenden Jahrhunderten mit der Erkrankung beschäftigten, kamen über die bloße Diagnosestellung hinaus. Erst im Jahre 1774 gelang es dem Chemiker, Matthew Dobson, die Ursache des süßlichen Urins zu entschlüsseln. In einer Reihe von Untersuchungen verdampfte der Engländer Blut und Urin der an Diabetes erkrankten Patienten. Als Ergebnis hatte er einen bräunlichen Rückstand aus Zucker erhalten. Fast 100 Jahre später 1869 stieß der erst 22-jährige Medizinstudent Paul Langerhans im Rahmen sei¬ner Doktorarbeit auf die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, wusste aber nicht, welche Aufgabe sie hatten. Den Zusammenhang zwischen einer Fehlfunktion des Organs und Diabetes haben schließlich die Forschungsergebnisse von Oskar Minkowski und Joseph von Mering belegen können. In einem Versuch entfernten sie 1889 einem Hund die Bauchspeicheldrüse, woraufhin das Tier diabetisch wurde. 1920 entdeckten die obig genannten Kanadier, Frederick Grant Ban¬¬ting und Charles Best, die Substanz, die von den In¬¬selzellen der Bauchspeicheldrüse produziert wird, nämlich das Insulin. Fortan dauer¬te es nur noch drei Jah¬re, bis das erste Insulinpräparat auf den Markt kam. 1923 kam auch schon das erste isolierte Insulin der Firma Lilly mit dem Namen Iletin auf den Markt. Zunächst hatte das Insulin tierischen Ursprung – so stammte es vorwiegend von Schweinen und Rindern. Seit den 1980er Jahren wird Insulin gentechnisch in großen Mengen gewonnen.
Insulintherapie rettet Leben
Dank der Insulintherapie können Typ-1-Diabetiker heute ein weitgehend normales Leben führen. Auch profitieren die Patienten heutzutage von der technischen Weiterentwicklung, wie beispielsweise den Pens. Als die Insulintherapie jedoch noch in den Kinderschuhen steckte, waren die Präparate sehr schlecht gereinigt. Schmerzen und Abszesse an den Einstichstellen waren eine häufige Folge. Heutzutage benutzen die Patienten Wegwerf-produkte. Diese müssen dementsprechend nicht mehr ausgekocht werden. Auch die Einwegnadeln müssen nicht mehr auf Schmirgelpapier geschliffen werden.
Neben verbesserten Techniken zur Verabreichung des Insulins legt die moderne Diabetologie einen großen Wert auf die Komplexität der Erkrankung. Aus dieser Erkenntnis leitet sich die Idee der so genannten individualisierten Diabetestherapie ab. So wissen die Forscher heutzutage, dass es nicht eine Therapie für alle Diabetiker geben kann. Das hängt damit zusammen, dass die Ursachen der Krankheit bei jedem Patienten etwas anders gelagert sind. So variiert beispielsweise der Insulinbedarf vom Fall zu Fall. Dieser Stand der Forschung bedeutet, dass Betroffene, anders als vor einigen Jahren, eine Behandlung erhalten, die gezielt auf ihren Diabetes und auch ihre Lebenssituation angepasst ist.
Autor: Beata Mazuryk
Quelle:
http://www.diabetesgesellschaft.ch/de/djournal/archiv/geschichte_und_kultur/geschichte_der_diabetesbehandlung_18206/
http://www.diabetesde.org/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen-3/artikel/vor-90-jahren-insulin-erstmals-isoliert-und-erfolgreich-angewendet/