Erstellt am: 10.05.2010
Letzte Änderung am: 10.05.2010
Bevormundung, Hilflosigkeit, Unsicherheit – verschiedene Ursachen können der Auslöser für Diabetesfrust und Streitereien in einer Partnerschaft sein. Doch ein Diabetes als Beziehungskiller, das muss nicht sein. Gründe für schlechte Laune sind oftmals die unterdrückte Angst vor Folgeschäden, die Einschränkungen beim Essen, diabetesbedingte Lustlosigkeit oder Potenzprobleme. Mit der richtigen Behandlung ist auch trotz Diabetes ein fast normales Leben möglich. Das sollte auch in der Partnerschaft gelten.
Das Hauptmerkmal einer funktionierenden Beziehung ist der Austausch von Gefühlen, Gedanken oder aktueller Belastungen. Die Partnerschaft lebt vom Informationsaustausch. Sei es darüber, was jeder den Tag über erlebt hat oder eben das, was einem gerade Sorgen bereitet. Da der Diabetes ein wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens darstellt, sollte auch über die Erlebnisse, Sorgen und Nöte rund um die Erkrankung offen gesprochen werden.
Reden ist die Basis jeder Beziehung
Diabetes-Experte Dr. Detlef Schmidt empfiehlt deshalb: „Sprechen Sie mit Ihrem Partner Klartext. Das gilt für beide Seiten.“ Nach Aussage des Experten ist für den Patienten das aktive Mitwirken an der Krankheit, beispielsweise durch Blutzuckermessen, wichtig. Die Unterstützung des Partners kann dabei das Leben des Patienten erleichtern. Jedoch sollten sich beide Parteien darüber einig sein, wie viel Unterstützung der Betroffene wirklich möchte, wieviel der Partner bereit ist zu geben und wo seine Grenzen sind. Da die Diabetestherapie eine Ernährungsumstellung mit sich bringt, aber keine einseitige Diät im eigentlichen Sinne ist, könnte beispielsweise gemeinsam ein neuer Ernährungsplan erstellt werden, der allen Beteiligten zusagt. Während der Diabetiker nicht verlangen sollte, dass nur noch Obst, Gemüse und fettarme Produkte auf den Tisch kommen, sollte der Partner dem Betroffenen ab und zu auch ruhig mal etwas Süßes gönnen.
Absprache für den Ernstfall
Viele Angehörige belastet die Angst vor einer Unterzuckerung. Es sollten also Absprachen getroffen werden, was zu tun ist, wenn der Ernstfall eintrifft. Diese können Unsicherheiten und Diskussionen vorbeugen. Auslöser für Unterzuckerungen können zum Beispiel ausgelassene Zwischenmahlzeiten oder ungewohnte körperliche Betätigung sein. Erste Hilfe bieten hier Kohlenhydrate wie Traubenzucker, Fruchtgummi oder -säfte mit Zuckerszusatz. Weiß der Partner über die Nothilfsmittel bescheid, kann er den Diabetiker unterstützen. Aufgrund des Energiemangels im Gehirn, kann der Diabetiker in manchen Fällen aggressiv werden oder sogar die Hilfe ablehnen. Hier ist es wichtig, dass die Angehörigen diese Stimmungsschwankungen während einer Unterzuckerung nicht persönlich nehmen. Diplom-Psychologe Dr. Bernhard Kulzer vom Diabetes Zentrum Bad Mergentheim empfiehlt, ruhig zu bleiben und darauf zu beharren, dass der Betroffene beispielsweise den Traubenzucker zu sich nimmt.
Einmischung nervt
Unterstützung kann dem Betroffenen das Leben mit Diabetes erleichtern, kann aber auch nervig sein, wenn diese in Kontrolle oder in Überfürsorglichkeit umschlägt. Die Privatsphäre sollte gewahrt werden. Ständige Kommentare über die notierten Werte können ein Kontrollgefühl beim Betroffenen hervorrufen. Mit einer Vereinbarung, beispielsweise einmal die Woche über die Werte zu sprechen, kann dem Kontrollwahn vorgebeugt werden. Ebenso nervig kann es ein, wenn der Partner ständig anruft weil er sich Sorgen macht, dass der Betroffene eine Unterzuckerung bekommt. Fühlt der Betroffene sich überwacht und überbehütet kann es passieren, dass er sich gegen gut gemeinte Ratschläge wehrt, Hilfe ablehnt und sich zurückzieht. Um die Angst des Partners zu reduzieren und dem Betroffenen seine Freiheit zu lassen, können beispielsweise feste Zeiten vereinbart werden, zu denen man telefoniert.
Sexuelle Störungen
Sehr belastend für eine Beziehung können auch sexuelle Störungen sein, die in Folge der Zuckerkrankheit auftreten können. Es ist nicht selten, dass Männer im Verlauf der Erkrankung unter Potenzproblemen und Erektionsstörungen leiden. Gründe dafür sind Durchblutungsstörungen und diabetesbedingte Nervenschäden. Auch hier sollte unbedingt über das Problem gesprochen und sich bewusst gemacht werden, dass die Erkrankung die Ursache und nicht ein Problem in der Partnerschaft ist. Medikamente können Abhilfe schaffen. Ferner unterstützt ein bessere Einstellung der Blutzuckerwerte, regelmäßige Bewegung und der Abbau von eventuellem Übergewicht die Potenz. Auch Diabetikerinnen, die im Verlauf der Erkrankung unter sexueller Lustlosigkeit leiden, sollten ebenfalls mit ihrem Partner darüber sprechen und bei seelischen Ursachen wie Depressionen einen ärztlichen Rat aufsuchen.
Therapiemöglichkeiten und Selbsthilfegruppen
In manchen Fällen sind Unwissen und unbegründete Ängste der Grund für nervige Fragen nach dem Befinden und gut gemeinte Ratschläge des Partners. Hier kann es helfen, ihn über die Krankheit aufzuklären und zu einer Schulung mitzunehmen. Mit dem nötigen Grundwissen kann man nicht nur die Krankheit, sondern auch die Partnerschaft gut in den Griff bekommen. Selbsthilfegruppen bieten perfekte Schulungen, richtig mit der Erkrankung umzugehen. Davon profitieren Betroffene sowie Partner in vielfacher Weise.
Autor: Kerstin Kirchner
Quelle:
http://www.diabetes-psychologie.de/partner.htm
http://www.aok-bv.de/presse/medienservice/ratgeber/index_01884.html
Diabetes Ratgeber. März 2010
FIT 50+ - Ihr Apothekenmagazin zum Wohlfühlen. Nr. 2 März/ April 2010