Erstellt am: 21.07.2010
Letzte Änderung am:
21.07.2010
Schweinegrippe – Pandemie; Diabetes – Volkskrankheit
Wird für übertragbare Infektionskrankheiten eine Pandemiegefahr bekanntgegeben, stürzen sich die Medien - wie jüngst die Schweinegrippe präsentiert hat - sofort und lang anhaltend darauf. Bedroht jedoch eine nicht übertragbare Krankheit wie Diabetes die Bevölkerung in pandemieartigem Ausmaß, findet das in den Medien weitaus weniger Beachtung. DIABETESGATE hat in diesem Zusammenhang einmal untersucht, wie verbreitet das Medieninteresse an der Stoffwechselkrankheit wirklich ist und kam zu einem überraschenden Ergebnis.
Der Anteil von Diabetikern in Deutschland ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen und noch lange nicht am Ende angekommen. Derzeit leben in Deutschland rund 8,9 Millionen erfasste Diabetiker, so Ärztezeitung.de. Bis 2020 wird ein Anstieg auf 14 Millionen registrierte Diabetiker, mit einer zusätzlichen Dunkelziffer von weiteren sechs Millionen erwartet. Damit ist Diabetes die Volkskrankheit Nummer eins. Die erschreckenden Zahlen zeigen, dass die Erkrankung einen immer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft einnimmt und die Bürger für Präventionsmaßnamen und erste Warnzeichen sensibilisiert werden müssen.
In eigener Regie
Immer wieder wird beklagt, Diabetes spiele in den Medien eine untergeordnete Rolle. DIABETESGATE hat genauer nachgeforscht, welchen Beitrag die Online-Medien zur Prävention und Eindämmung dieser Pandemie leisten. Zunächst haben wir unseren Untersuchungsrahmen auf 12 wichtige meinungsbildende Online-Portale [1] und einen überschaubaren Zeitraum von 15 Monaten (Jan. 2009 - März 10) eingegrenzt. Wir haben bewusst ein breites Spektrum an weltanschaulichen Internetportalen gewählt, um die Tendenzen der Berichterstattung in verschiedenen Ressorts aufzuzeigen. [2]
Die Artikel wurden dabei drei Themenrichtungen zugeordnet:
- Basisinformationen: Diabetestypen, Therapieformen, Diabetesmanagement
- Folgen des Diabetes Mellitus: Vorurteile, Einschränkungen, Folgeerkrankungen
- Prävention: Präventionsmaßnahmen, Folgeerkrankungen verhindern oder reduzieren
Neben der inhaltlichen Richtung wurde auch die subjektive Darstellung des Artikels beleuchtet. Als sogenannte positive Diabetesdarstellung wurden Artikel, die Präventionsmöglichkeiten aufzeigen und Lebensmut und Zuversicht vermitteln, gezählt. Als negativ wurden solche eingeordnet, die nur über die Lebenseinschränkung und Folgeerkrankungen berichten. Als neutral wurden Experteninterviews, medizinische Forschungs- und Studienergebnisse sowie Termin- und Konferenzankündigungen eingestuft.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Diabetes spiele in den Medien eine untergeordnete Rolle, zeigt sich, dass viele Portale eine große Anzahl an Diabetesberichten veröffentlicht haben. Fünf der elf Online-Portale haben durchschnittlich 30 Artikel, der Spitzenreiter sogar 59 Artikel in dem untersuchten Zeitraum veröffentlicht. Die anderen Portale liegen mit durchschnittlich 6 bis maximal 14 Berichten deutlich darunter.
Diagnose: Diabetesberichterstattung überraschend vielseitig Ergebnisse der Untersuchung zeigen außerdem, dass ein sehr großer Teil der aufgeführten Artikel den Fokus auf positive Aussichten für ein Leben als Diabetiker legen. Die Artikel thematisieren die fortschrittlichen Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Durch ausreichend Bewegung und eine angepasste Ernährung lässt sich die Krankheit gut in den Griff bekommen und Folgeerkrankungen können verhindert oder zumindest reduziert werden. Die Artikel gehen insbesondere auf den Aspekt der Lebensqualität von Diabetikern ein und zeigen, dass bei Einhaltung der verordneten Therapie ein normales Leben möglich ist.

Ebenso viele Artikel berichten schwerpunktmäßig aber auch über die negativen Aspekte und Folgen, die die Krankheit mit sich bringt. Vorrangig werden die negativen Auswirkungen auf Augen, Herz, Nieren und Gefäße beschrieben, die bei einer schlechten Diabetesbehandlung Schlaganfälle, Herz- oder Hirninfarkte auslösen können. Genauso häufig stehen zum einen, dass sogenannte Diabetische Fußsyndrom, was im schlimmsten Fall zu Amputationen führen kann und zum anderen diabetesbedingte Depressionen oder Partnerschafts-probleme im Fokus. Abschließend wird auch wiederholt der Kostenaspekt für die Volkswirtschaft, besonders für unser Gesundheitssystem in den Medien erwähnt. Laut Diabetesstiftung.de betragen die Kosten für die Diabetes-Behandlung mit allen Folgen in Deutschland pro Jahr ca. 60 Milliarden Euro.
Den geringsten Anteil an der Diabetesberichterstattung nehmen die sogenannten neutralen Artikel, das heißt die medizinische Forschungsergebnisse wie Studien oder Behandlungsmethoden, Ärzteinterviews oder allgemeine Aufklärungsartikel ein.
Informationswelt Medien Verschiedene Medien nehmen auf unser Leben zunehmend Einfluss. Unser Wissen wird von Informationen aus Zeitungs-, Radio- oder Fernsehmeldungen geprägt. Und auch das Internet hat mittlerweile einen großen Stellenwert bei der Informationsrecherche eingenommen. Die ARD/ZDF Onlinestudie 2009 hat ergeben, dass 67,1 Prozent der Deutschen das Internet nutzen. Das entspricht ungefähr 43,5 Millionen der deutschen erwachsenen Bundesbürger. Von den 67,1 % Onlinern ist der größte Anteil mit 96,1 % der, der 14 bis 29 Jährigen. Der Anteil bei den über 50-Jährigen liegt hier gerade bei 40,8 %. Anzumerken ist jedoch, dass vor allem in dieser Altersgruppe das jährlich größte Wachstum zu verzeichnen ist. Dies wiederum lässt auf den aufsteigenden Stellenwert des Internets schließen.
Medien tragen VerantwortungSomit darf der Einfluss der Medien auf die Einstellung und auf das Verhalten von Verbrauchern keinesfalls unterschätzt werden. Sie können Hysterien über Pandemien auslösen oder aber auch positive Denkanstöße für das eigene Leben geben. Damit verstärkt sich die Medienverantwortung aller Informationskanäle. Werden Themen intensiv aufgegriffen und popularisiert ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Verbraucher auch im privaten Umkreis weiter damit beschäftigen. Aus diesem Grund sollten die Berichterstatter in den deutschen Medien verantwortungsbewusst mit der Wahl ihrer Themen umgehen.
Fazit: Medien leisten Beitrag zur Aufklärung beim Thema DiabetesUnsere Untersuchung dient zur Bestandsaufnahme der Tendenzen der medialen Berichterstattung über die Krankheit Diabetes Mellitus. Wie sich gezeigt hat, wird das Thema Diabetes häufig und auch medizinisch wertvoll aufgegriffen und erläutert. Das zeigt, dass sich ein neuer Trend bezüglich der Diabetesberichterstattung abzeichnet. Die Volkskatastrophe wird wahr genommen und als wichtig eingestuft. Die Medien stellen sich somit ihrer Verantwortung auch über nicht elektrisierende Krankheiten zu berichten und tragen so dazu bei, vermehrte Aufmerksamkeit auf die Volkskrankheit Nummer Eins zu lenken. Die Veranschaulichung der steigenden Zahl von Diabetikern und der dadurch entstehenden Folgeerkrankungen leistet einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Die Berichte können helfen die Bevölkerung wachzurütteln und zu sensibilisieren, um frühzeitig Vorsorgemaßnahmen in die Wege zu leiten.
Das Ergebnis ist sehr erfreulich, denn der bemerkenswert hohe Stellenwert, den Diabetes mellitus in jüngster Zeit in den Online-Medien eingenommen hat, war nicht immer so, da aktuellere Tagesthemen beständig existierende Krankheitsbilder oft verdrängt haben.