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Blutzucker-Selbstkontrolle

Blutzucker-Selbstkontrolle bei Typ-2: Die endlose Diskussion geht weiter

© knipseline/ pixelio   Eine große Unterstützung für jeden Diabetiker ist die Blutzucker-Selbstkontrolle (BZSK). Sie ermöglicht den Betroffenen eine persönliche Sicherheit, da sie immer über die Höhe ihres aktuellen Wertes informiert sind und bei Bedarf schnell reagieren können. Der Patient kann seine Erkrankung so selber kontrollieren und so Therapieergebnisse optimieren. Bei Diabetes Typ-1 gilt die BZSK ohnehin als Therapie-Standard während sie bei Diabetes Typ-2 meist nur mit Insulinbehandlung gebräuchlich ist. Die Anwendung bei Diabetes Typ-2 ohne Insulinbehandlung wird besonders in der letzten Zeit kontrovers diskutiert.

Was zu Anfang oft von den Patienten als lästig empfunden wird, ist nach einiger Zeit reine Routine und unverkennbar hilfreich, um den Alltag sorgenlos zu regeln. Gerade in unserer schnelllebigen und stressigen Zeit sowie unserer mit Leckereien überfüllten Welt erleichtert die regelmäßige Beobachtung der Blutwerte den Alltag. Sie hilft einzuschätzen, was die Blutzuckerwerte steigen oder fallen lässt und verhindert somit ungeliebte Überraschungen. Der Vorteil scheint so anerkannt zu sein, dass die Messung auch vermehrt von Typ 2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen, durchgeführt wird.

Zweifel an Blutzucker-Selbstkontrolle

Aktuell gibt es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse über den medizinischen Nutzen einer Blutzuckermessung für Patienten mit Typ-2-Diabetes. Aufgrund dieser Sachlage hat sich das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Frage beschäftigt, ob Typ-2-Diabetiker von der Messung profitieren. Bei der Therapie von Diabetes Typ-2 spielt neben der medikamentösen Behandlung sowohl die Ernährung als auch die Bewegung eine große Rolle. Medizinische Experten gehen davon aus, dass die BZSK viele Patienten bei der Umstellung ihres Lebensstils unterstützt. Die Messung zeigt ihnen sofort wie sich die körperliche Aktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirkt und schärft so das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und den Blutzuckerwerten. Das IQWiG hat nun sechs vergleichende Studien, die den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung untersucht haben - mit und ohne Selbstmessung - in die Bewertung mit einbezogen und kam zu dem Ergebnis, dass sich durch die verfügbaren Studien der eindeutige  Nutzen nicht belegen lässt. Drei Aussagen des Institutes zur Beurteilung lauten: Die Therapieziele würden in den Studien nicht genügend berücksichtigt, es gäbe keinen Nachweis für bessere Ergebnisse bei der Blutzuckereinstellung und der Vorteil bei Unterzuckerungen sei aufgrund der Studien auch nicht nachweisbar.

Arzt/Patient: Zusammenarbeit profitiert

In der Praxis jedoch lassen sich gleich mehrere Vorteile der BZSK auch für nichtinsulinspritzende Diabetiker nachweisen. Die Messung ist für den Arzt eine zuverlässige Grundlage um therapeutische Entscheidungen zu treffen, die oftmals Folgeerkrankungen verhindern können. Zudem lässt sich eine stabilere Stoffwechsellage des Patienten aufgrund der verbesserten Blutzuckerwerte nachweisen. Die Vorteile für den Patienten sind ebenfalls nicht zu verkennen. Erkennt er die Zusammenhänge von Ernährung, Bewegung und Blutzuckerwert kann sich zum einen die Motivation die Diabetes-Therapie auch einzuhalten steigern, zudem stärkt sich das Risikobewusstsein und zum anderen lässt sich eine Steigerung der Lebensqualität durch bessere Werte anführen.

Kosten- Nutzenbewertung

International betrachtet ist die Blutzuckerselbstmessung ebenso für den Typ-2-Diabetiker Standard im Diabetes-Management. In Deutschland dagegen wird immer noch zwischen insulinbehandelten und nicht insulinbehandelten Patienten unterschieden. Die BZSK hat auch nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Ausgaben unseres Gesundheitssystems.
Im Bezug darauf ergeben sich unterschiedliche Meinungen. Aufgrund der aufgezeigten Ergebnisse stellt sich die Frage, ob Patienten mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzen, die Kosten für die Blutzucker-Selbstkontrolle nicht mehr erlassen werden sollte. Dies würde unter anderem den Krankenkassen viel Geld einsparen, da weniger Rezepte ausgeschrieben werden müssten. Andererseits jedoch hat der Einsatz der BZSK bei Diabetes Typ-2 auch Vorteile für das Gesundheitssystem. Befürworter argumentieren, dass die teuren Folgeerkrankungen vermieden und wiederum vergleichsweise geringe Kosten verursacht werden. Der Kostennutzenfaktor sollte bei weiteren Entscheidungen, ob die BZSK auf Rezept für Typ 2-Diabetiker abgeschafft werden soll, sorgfältig abgewogen werden.

Quintessenz

Als Fazit verschiedener Studien lässt sich festhalten, dass die Blutzuckermessung als Selbstzweck nicht belegt ist. Sinnvoll ist sie allerdings besonders, wenn sie in eine Handlungsstruktur eingebettet ist. Das heißt, wenn sie im Rahmen einer vom Arzt verschriebenen Diabetestherapie angewendet wird. Voraussetzung für den langfristigen Erfolg der Messung ist das Verstehen des Patienten der angezeigten Werte. Nur dann kann er die Konsequenzen für sein weiteres Handeln ableiten und seine Ernährung und Bewegung mit den Werten abstimmen. Und dies wiederum bewirkt Motivation, unterstützt die Therapietreue, sorgt für eine bessere Lebensqualität und hilft Folgeerkrankungen zu vermeiden. Laut Prof. Oliver Schnell vom Institut für Diabetesforschung (München) sei gerade dies ein enormer Vorteil bei Typ-2-Diabetikern, da diese Diabetesform über Jahre symptomfrei verlaufen könne und die Betroffenen nur durch konkrete Erlebnisse ein Risikobewusstsein entwickeln könnten.


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