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Früherkennung und Behandlung in der Gedächtnisambulanz

Früherkennung und Behandlung in der Gedächtnisambulanz

Vjera Holthoff, Leiterin der Gedächtnisambulanz am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Priv.-Doz. Dr. med. habil. Vjera Holthoff ist Leiterin der Gedächtnisambulanz in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden. Täglich hat die Nervenärztin mit Patienten zu tun, die von Diabetes betroffen sind. Gerade bei diesen treten Gedächtnisstörungen häufig auf.

Redaktion: Was kann eine Gedächtnisambulanz leisten?Holthoff: Bei beginnendem Erkrankungsprozess leistet sie die Früherkennung und Abgrenzung von gesundem Altern. Patienten durchlaufen eine differenzierte Diagnostik, die die Ursache für kognitive Einbußen aufdeckt, damit die Therapie angesetzt werden kann. Kollegen überweisen Patienten im mittleren Erkrankungsstadium an die Gedächtnisambulanz, wenn es Schwierigkeiten in der Behandlung gibt oder eine Veränderung der Therapie notwendig wird. Das ist häufig der Fall, wenn die Pflege der Patienten zu Hause zunehmend durch Symptome der Demenz, wie Unruhe oder Depression, erschwert wird.
Im Einzelnen werden die Patienten ausführlich neurologisch, psychiatrisch und internistisch untersucht und sie durchlaufen eine neuropsychologische Testung der höheren Hirnfunktionen (z.B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, logisch-abstraktes Denken). Darüber hinaus werden Blutentnahmen zur laborchemischen Untersuchung und die Untersuchungen des Nervenwassers durchgeführt. Alle Patienten erhalten auch eine Bildgebung des Kopfes mit Magnet-Resonanz-Tomographie oder auch mit der Computertomographie. Bei unklaren Fällen oder Patienten unter 55 Jahren wird die Untersuchung des Hirnstoffwechsels mittels Positronen-Emissions-Tomographie durchgeführt.

Wie sehen die Symptome aus, die die Patienten veranlassen, Ihren Rat zu suchen?
Die Klagen hängen sehr vom Erkrankungsstadium ab. Im Frühstadium klagen die Patienten selber über Störungen im Gedächtnis, insbesondere bei kurzfristig zurückliegenden Gedächtnisinhalten. Sie müssen sich alles aufschreiben, aber auch damit ist nicht alles abrufbar. Ferner klagen manche auch über Schwierigkeiten in der Wortfindung oder Orientierung in unbekannter Umgebung.
Oft berichten besonders Angehörige über den zunehmend fehlenden Überblick, die Ratlosigkeit oder die stärkere Unsicherheit der Patienten. Meistens geht es dann dabei um die so genannten nicht-kognitiven Symptome der Demenz, nämlich die Verhaltensauffälligkeiten.

Wie viele Patienten kommen im Durchschnitt täglich in Ihre Gedächtnisambulanz und wie hoch ist hier der Anteil der Diabetiker?
Da die Aufgabe der Gedächtnisambulanz in der Diagnostik und Therapieoptimierung liegt, werden 10 - 15 Patienten an jeweils einem Sprechstundentag untersucht. Der Anteil an Diabetikern liegt etwa bei 20 %.

Welchen Einfluss haben Blutzuckerwerte auf die Gedächtnisleistung?
O
bwohl es sich sowohl bei der Demenz als auch beim Diabetes um sehr häufige Erkrankungen handelt, kann diese Frage nicht abschließend beantwortet werden. Einmal wird angenommen, dass die Gedächtnisstörungen beim Diabetes durch die Komplikationen an den Arterien entstehen. Das heißt, dass Herz und Hirn durch ähnliche Komplikationen beim Diabetes gefährdet werden. Zum Beispiel können Herzerkrankungen beim Diabetes durch chronischen Sauerstoffmangel das Gedächtnis schädigen. Verschlüsse direkt in den Hirnarterien durch Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen führen zu chronischen Durchblutungsstörungen oder akuten Schlaganfällen. Darüber hinaus gehen Forscher ganz aktuell davon aus, dass Diabetiker möglicherweise auch eine veränderte Ansprechbarkeit der Nervenzellen auf Insulin haben und dass Insulin im Gehirn von Diabetikern die Ablagerung krankhafter Einweiße begünstigen kann.

Wie häufig fällt die Diagnose "Demenz" bei Diabetikern?
Typ-2-Diabetiker haben ein höheres Risiko an Gedächtnisstörungen bis hin zur Demenz zu erkranken. Das Risiko ist etwa 1,2- bis 1,7-mal höher als in der Normalbevölkerung bei gleichem Alter und Geschlecht.

Was kann ein Diabetiker tun, um diese Diagnose zu verhindern oder eine weitere Verschlimmerung zu vermeiden?
Die möglichst frühe Diagnose des Diabetes, die verantwortliche Überwachung der eigenen Gesundheit und eine langfristige optimale Einstellung des Zuckers sind der wichtigste Weg, sich möglicherweise vor diesen Komplikationen zu schützen. Damit werden die Risikofaktoren für Herz und Gehirn gleichermaßen gesenkt. Ferner weiß man, dass insbesondere Hyperglykämien durch giftige Stoffwechselprodukte im Gehirn direkt zu Schäden führen können. Diese sind also dringend zu vermeiden.

Vielen Dank für das Gespräch!


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Autor: Ramona Völkl

Quelle: Das Interview wurde am 22.5.2006 geführt.

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