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Beiratsmitglied: Dipl.-Soz. Detlef Gernand

DIABETESGATE-Beirat: Dipl.-Soz. Detlef Gernand

DIABETESGATE-Beiratsmitglied: Dipl.-Soz. Detlef Gernand Detlef Gernand ist seit 1986 an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf tätig, wo er unter anderem das Praktikumsbüro des Sozialwissenschaftlichen Instituts aufgebaut hat und leitet. Als Diabetiker vertritt er im DIABETESGATE-Beirat die Sicht der Betroffenen und lenkt deren Blickwinkel in den Vordergrund.

Gernand kann zudem auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen, nicht zuletzt deshalb, weil er selbst schon an wissenschaftlichen Studien zur Optimierung von Therapien zur Verfügung stand und ihm somit auch die wissenschaftlichen Aspekte nicht fremd sind.

DIABETESGATE: Auf welche Art und Weise setzen Sie sich mit Diabetes mellitus auseinander?
Gernand: Da ich selbst seit 36 Jahren mit meinem Typ-1-Diabetes lebe, war es für mich immer wichtig, mich mit dieser Erkrankung auseinander zu setzen und mir das Wissen anzueignen, durch das ich die Erkrankung beherrsche und nicht die Erkrankung mich.

Welches waren Ihre Beweggründe, Mitglied des DIABETESGATE-Beirats zu werden?
In den fast vier Jahrzehnten habe ich auch Zeiten erlebt, in denen es außer schwermütigen Selbsthilfegruppen noch ein Schrifttum gab, das vorzugsweise mit "Du sollst nicht…" und "Du darfst nicht…"-Regeln, dem Diabetikerdasein den Charme der lebenslangen Askese verlieh. Dass hier ein Forum entstanden ist, das der offenen Information und der Kommunikation dient, begrüße ich sehr. Ich möchte dazu beitragen, es lebendig zu erhalten.

Worin sehen Sie Ihre Aufgaben als Beiratsmitglied?
Ich möchte dazu beitragen, dass das DIABETESGATE eine offene und informative Kommunikationsplattform bleibt und sich weiter als solche entwickelt. Da ich selbst Diabetiker bin, möchte ich den Blickwinkel des Betroffenen mit einbringen. Ich möchte insbesondere junge Diabetiker ermutigen, die Krankheit anzunehmen und offen mit ihr zu leben.

Von welcher Seite wünschen Sie sich mehr Unterstützung bei der Diabetes-Aufklärung?
Der Zusammenhang von Lebensführung/ Ernährungsverhalten und dem Entstehen von Typ-2-Diabetes müsste noch intensiver kommuniziert werden. Bereits in der Schule sollte dies Thema sein.
Lebensmittelhersteller, insbesondere diejenigen, die fertige Verbrauchsprodukte herstellen, sollten komplette Nährwertanalysen auf den Verpackungen ihrer Produkte abdrucken, damit jeder weiß, was drin ist. Das hilft nicht nur Diabetikern und ist im Ausland schon lange Standard!

Welche Möglichkeiten haben Diabetiker selbst, um ihre Situation zu verbessern?
Sie müssen sich Wissen über ihre Erkrankung verschaffen und sie müssen in der Lage sein Informationen umzusetzen. Dazu muss man manchmal auch eingefahrene Gewohnheiten, mit der Krankheit umzugehen, kritisch hinterfragen lassen. Das setzt allerdings voraus, dass entsprechende Ansprechpartner zu Verfügung stehen.

In welchen Bereichen sollte Ihrer Ansicht nach für Diabetiker mehr getan werden?
Diabetiker müssen kompetente Ansprechpartner haben, die sie mit alltagstauglichen Informationen versorgen können. Da eine chronische Erkrankung aber auch immer mal das Gemüt berührt, sollte es auch für solche seelischen Belastungen mehr Gesprächsraum geben. Dazu gehören auch die Belastungen, die sich für Partnerschaften ergeben können.
Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Belastung, die mit dem Diabetes verbunden ist. Diabetiker sind z.B. beim Abschluss von Versicherungen extrem benachteiligt. So können z.B. Risikolebensversicherungen auch bei einem nachweislich gut eingestellten Diabetiker nur mit deutlichen Zuschlägen abgeschlossen werde. Gleiches gilt bei privaten Zusatzversorgungen für Krankenhausaufenthalte. Die ist, wenn überhaupt, nur zu enormen Zuschlägen zu bekommen. Hier baut sich ein Versorgungsrisiko für Diabetiker auf, wenn die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen weiter zurückgefahren werden und privat zusätzlich abgedeckt werden müssen.

Worin liegt für Sie diesbezüglich die höchste Priorität?
Ich halte beide Aspekte für gleichbedeutend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Beiratsmitglieder:

Autor: Ramona Völkl

Quelle: Interview vom Juli 2006

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