Erstellt am: 22.09.2010
Letzte Änderung am: 22.09.2005
In vielerlei Hinsicht ist die Niere ein Zentralorgan unseres Körpers. Ist sie erkrankt, beschränken sich die Auswirkungen nicht nur auf die Niere selbst, sondern auf den gesamten Organismus. Man spricht in dieser Hinsicht auch von "systemischen Erkrankungen". Jährlich steigt die Anzahl von Patienten mit Nierenleiden um etwa fünf Prozent - die Hauptursachen für eine sogenannten Niereninsuffizienz (Nierenfunktionsschwäche) sind Diabetes mellitus sowie Bluthochdruck. Weiterhin kann die häufige Verwendung von Schmerzmitteln der Grund für den Ausbruch der Erkrankung sein.
Besonders Diabetiker sind anfällig für eine Nierenfunktionsschwäche - deswegen sollten ihre Nierenwerte auch regelmäßig überprüft werden. Fast 40 % aller Betroffenen leiden im Verlauf ihrer Krankheit unter einer chronischen Schädigung der Nieren. Ist ein Diabetes mellitus die Ursache für eine Niereninsuffizienz, muss man von einer verkürzten Lebenserwartung der Betroffenen ausgehen. Bei fast einem Drittel aller Diabetiker kommt es im Laufe ihrer Erkrankung zu einer diabetischen Nephropathie: Dabei verlieren die Nieren langsam ihre Filterfunktion. Das Risiko für diese Folgeerkrankung lässt sich drastisch senken, wenn eine optimale Einstellung des Blutzuckers vorgenommen wird. Übersteigt dieser Werte von 180 mg/dl, schaffen es die Nieren nicht mehr, den Blutzucker vollständig herauszufiltern, so dass er im Urin nachweisbar wird. Diese sogenannte Nierenschwelle kann persönlich unterschiedlich sein. Um eine aussagefähige Kontrolle möglich zu machen, muss der Arzt zunächst die persönliche Nierenschwelle ermitteln. Aufgrund dessen haben verschiedene Krankenkassen bereits den Urintest in den "Jahres-TÜV" für Diabetiker eingebunden.
Ist die Nephropathie jedoch bereits akut, kommt es neben der richtigen Blutzucker- auch auf eine ebensolche Blutdruckeinstellung an - so kann ein Nierenversagen verhindert werden.
Lebensumstellung
Oft verlaufen Nierenerkrankungen schleichend und schmerzarm, sind damit aber umso gefährlicher. Wird das Nierenleiden erst im Endstadium erkannt, dann ist der Schaden meist nicht mehr zu beheben und die Betroffenen kommen um die Dialyse nicht herum. Die Folge sind strenge Diätauflagen sowie die Abhängigkeit von Maschinen. Meist wird die Therapie dreimal pro Woche, bei akutem Nierenversagen und Entgiftung alle 12 bis 24 Stunden durchgeführt. In Deutschland sind schon heute etwa die Hälfte aller 53.000 dialysepflichtigen Patienten Diabetiker.
Bessere Risikoabschätzung
Zudem sind die Belastungen für das Gesundheitssystem nicht gering - pro Dialyse-Patient müssen jährlich etwa 30.000 Euro aufgebracht werden. Aus diesem Grund sowie der Tatsache, dass die Lebensqualität bei einer Dialyse erheblich sinkt, sollte der Aufwärtstrend von Nierenerkrankungen gestoppt werden. Eine rechtzeitige Früherkennung und ausreichende Präventionsmaßnahmen sind hier wie bei jeder anderen Erkrankung von hoher Wichtigkeit. In diesem Zusammenhang ist das sogenannte "Mannheim-Gen" sehr bedeutsam. Dies ist verantwortlich dafür, ob sich im Blutkreislauf eine hohe oder eine niedrige Konzentration des Eiweißes Carnosin bildet. Ein hoher Anteil Carnosin im Blut kann Zellschäden in den Nieren verhindern. So ist es eventuell möglich, mittels einer Genanalyse bei Diabetes-Patienten das individuelle Risiko einer drohenden Nierenschädigung besser abzuschätzen.
Autor: Kai Göretz
Quelle:
www.nierengesellschaft.de
Pschyrembel Wörterbuch Diabetologie
www.netdoktor.de
www.medizinfo.de