Erstellt am: 14.02.2005
Letzte Änderung am: 14.02.2005
In Zeiten von Viagra und Co. soll laut einiger Imagekampagnen der jeweiligen Hersteller eine erektile Dysfunktion (ED) kaum noch ein Problem darstellen. Doch nicht jeder Betroffene holt sich medizinischen Rat und bekommt dann auch von seinem Arzt die entsprechende Pille verordnet.
Deshalb wird gerne zu unkonventionellen, angeblich oder tatsächlich überlieferten Hilfsmitteln gegriffen. Von den meisten ist jedoch ab zu raten. Im besten Fall wirft man beim Kauf nur unnötig viel Geld raus. Wesentlich schlimmer ist jedoch, dass man seine Gesundheit mit manchen Produkten gefährdet, langfristige Schäden davon tragen kann und zum Teil sogar sein Leben riskiert.
Keine Medikamente ohne Rezept
Im Internetzeitalter ist es nicht schwierig, auch auf anderen Wegen als über den Arzt an potenzsteigernde Medikamente zu kommen. Ob ebay, einschlägige Foren oder dubiose Anbieter aus dem Ausland: Wer will, erhält seine Pille auch ohne Rezept. Doch von solchen Beschaffungswegen sollte Abstand genommen werden. Denn selbst wenn in anderen Ländern für diese Arzneimittel keine Rezeptpflicht besteht, existieren die Risiken, die von manchen Wechsel- und Nebenwirkungen ausgehen, weiterhin. Nicht umsonst bringt man den Wirkstoff Sildenafil mit etwa 100 Herztoden in Zusammenhang.
Außerdem werden im Netz nicht selten Fälschungen vertrieben, die meist von wesentlich schlechterer Qualität sind. Und was nützt ein Medikament, wenn es nicht richtig wirkt, weil es keinen deutschen Beipackzettel hat, der die Einnahme erklärt?
Schwindel mit Wundermitteln
Neben den chemisch hergestellten Tabletten werden auch Mittel mit Wirkstoffen aus der Natur angepriesen. Besonders in Erotik- (Versand-) Shops findet sich eine sehr umfangreiche Auswahl. Oft werden angeblich aus Urzeiten überlieferte Rezepturen angeboten. Eine professionelle Aufmachung, die zum Teil sehr an die von Medikamenten aus der Apotheke erinnert, soll die Glaubwürdigkeit der angepriesenen Wunderwirkung stützen. Doch hierbei handelt es sich im besten Fall um ein Nahrungsergänzungsmittel, denn Arzneien müssen in ihrer Wirksamkeit klinisch getestet und zugelassen werden. Auch Dankesschreiben von angeblichen glücklichen Anwendern und Empfehlungen von Ärzten sollten ignoriert werden. Denn gerade Medizinern sind solche Werbeaktionen verboten.
Natürliche Wirkstoffe
Tatsächlich gibt es natürlich zahlreiche Überlieferungen von Mitteln und Tinkturen, die lange Zeit in gewissen Breitengraden angewandt wurden. Doch auch diese funktionieren nicht immer bzw. sind zum Teil auch gefährlich. Lediglich einem Wirkstoff konnte wissenschaftlich eine potenzsteigernde Wirkung nachgewiesen werden: Das aus der Rinde des aus Westafrika stammenden Yohimbe-Baums gewonnene Yohimbin. Seinen Einsatz findet das rezeptpflichtige Extrakt vor allem bei psychisch bedingten Erektionsstörungen. Ähnlich wie Sildenafil fördert es die Durchblutung im Genitalbereich.
Catuaba, Muirapuama, Damiana, Maca-Extrakt, Ginseng und der Taigawurzel wird ebenfalls ein potenzsteigernder Effekt zugesprochen. Tatsächlich haben diese rein pflanzlichen Mittel Auswirkungen auf den Körper. Sie steigern generell die Durchblutung und sind anregend. Ob sich dies jedoch speziell auf den Genitalbereich auswirkt, bleibt fraglich. Schädigende Wirkungen sind von diesen Mitteln nicht bekannt.
Gefährliche Tinkturen
Anders sieht das bei der Substanz Datura aus. Diese wird aus dem in all seinen Teilen giftigen Stechapfel gewonnen. Der Handel mit Produkten, die daraus gewonnen werden, ist aus gutem Grund verboten: Die Einnahme ist lebensgefährlich und kann zu schweren Psychosen führen.
Manchmal müsse sogar Tiere ihr Leben lassen, wenn darum geht, die Potenz wieder zurück zu gewinnen oder zu steigern. Am bekanntesten ist hier wohl die spanische Fliege. Schon im Altertum zermahlte man den Ölkäfer Cantharis vesicatoria zu Pulver, um an das Nervengift Cantharidin zu kommen. Die Anwendungsmöglichkeiten waren verschieden: Entweder man rieb sich mit dem Pulver die Genitalien ein, was die Durchblutung erhöht und zu einem starken Jucken und Brennen führte. Oder man verrührte es mit Wasser und trank es. Das Problem liegt hier jedoch in der Dosierung. Um eine Wirkung zu verspüren, wird relativ viel Cantharidin benötigt. Verwendet man jedoch nur geringfügig zu viel, etwa zehn bis 15mg , wird das zentrale Nervensystem angegriffen, was innerhalb von zwölf Stunden zum Tod durch Lebervergiftung, Kreislaufzusammenbruch und Nierenversagen führt.
Die Mittel, die in Erotikläden angeboten werden, haben jedoch einen so geringen Wirkstoffanteil, dass hiervon keine Gefahr ausgeht - allerdings auch sonst nichts. Sollte sich ein positives Ergebnis einstellen, ließe sich das ausschließlich auf den Placebo-Effekt zurückführen.
Ein ebenfalls giftiges Extrakt ist Bufotenin. Dies wird aus einer südafrikanischen Giftkröte gewonnen, findet sich aber auch in Fliegenpilzen wieder. Es ruft Halluzinationen hervor, denen schließlich Brechreiz und Schwindel folgen. Der Handel mit halluzinogenen Stoffen ist jedoch in Deutschland verboten.
Weniger giftig aber auch weniger wirksam sind Nashornpulver und Tigerextrakte. Trotzdem will Mann von den Tieren profitieren. Schließlich dauert die Begattung eines Nashorns ganze vier Stunden und auch der Tiger ist in der Lage, diese mehrmals hintereinander zu vollziehen. Ebenso müssen Hirsche und Robben ihre Hoden opfern. Haien werden die Flossen abgeschnitten. Auch der Verzehr von Schlangen, sowie eines aus Regenwürmern hergestellten Schnaps soll die Manneskraft wieder stärken. Der einzige Effekt, der hiervon abgeleitet werden kann, ist ein meist starker Rückgang der einzelnen Tierarten.
Aphrodisiaka
Neben Potenzmitteln, gibt es auch eine Reihe von Aphrodisiaka, die sich anregend auf die Lust auswirken. Besonders einigen Nahrungsmitteln wird eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Dazu gehören Austern, Kaviar, Sardellen, Gurke, Spargel, Zwiebel, Tomate, Rettich, Sellerie, Feldsalat, Karotten, Paprika, Kokosnuss, Haselnüsse, Esskastanie, Eier, Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Bohnenkraut, Anis, Pfeffer, Muskatnuss, Nelken, Senf, Zimt, Knoblauch, Ingwer und noch einige mehr.
Auch Alkohol und einige Drogen sollen luststeigernd sein. Bei Alkohol trifft dies auch zu, solange ein Wert von 0,5 Promille nicht überschritten wird. Alles, was darüber hinaus geht, hat wieder einen negativen Effekt. Neben einigen bewusstseinserweiternden Drogen ist auch "Poppers" auf dem Markt. Diese illegale Sexdroge wird inhaliert und soll enthemmend wirken. Die Folgen sind jedoch fatal: Bei einer Überdosierung folgen Blutdruckabfall mit Herzrasen und mangelnder Sauerstoffversorgung des Gehirns, sowie kurzzeitiger Bewusststeinsverlust und Schlaganfallsymptome mit bleibenden Lähmungen.
All diesen Mitteln werden unglaubliche Wirkungen nachgesagt. Doch außer bei Yohimbin konnten diese nicht nachgewiesen werden. Im Endeffekt zieht einzig derjenige einen Nutzen aus den Tinkturen und Tabletten, der sie verkauft. Deshalb ist es doch ratsamer und vor allem gesünder, sich an einen Arzt des Vertrauens zu wenden und sich von ihm behandeln zu lassen.
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