Erstellt am: 15.10.2004
Letzte Änderung am: 15.10.2004
Dennoch war es von den damaligen Möglichkeiten bis zur heutigen modernen Diabetestherapie ein langer Weg. Doch wie genau sah die anfängliche Insulintherapie in den 20er Jahren eigentlich aus? Welche Entwicklungen haben bis zum heutigen Tage die Diabetestherapie mitgestaltet und revolutioniert?
Vom Tier zum Mensch
Im Jahr 1922 gelang es, basierend auf den Forschungen von Banting und Best , das erste Mal, einen Menschen mit Insulin zu behandeln. Allerdings darf man sich eine damalige Behandlung um einiges aufwendiger und risikoreicher als in den heutigen Zeiten vorstellen.
In den Anfängen wurde Insulin nämlich in aufendigen Prozeduren aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen oder Kälbern isoliert und dann subkutan injiziert. Einerseits bestand ein gewisses Risiko bei der Behandlung mit Tierinsulin darin, dass dieses zwar die gleiche Wirkung wie das menschliche Hormon hat, es in seiner Zusammensetzung jedoch winzige Unterschiede aufweist. Es traten häufig allergische Reaktionen oder Insulinresistenzen bei Patienten auf. Hinzu kamen in den Anfangsjahren auch Verunreinigungen des Insulins durch andere pankreatische Hormone oder tierische Eiweiße, die sich bei der damaligen Gewinnung von Insulin noch nicht vermeiden ließen.
Das andere schwerwiegende Problem waren die Ressourcen. So benötigte man allein zur Gewinnung von wenigen Mengen Insulin schon eine erhebliche Anzahl an tierischen Bauchspeicheldrüsen. Unmengen an Tieren mussten geschlachtet werden.
Die Forscher begaben sich auf die Suche nach der Lösung für diese Probleme, doch bis 1982 musste die Diabetestherapie letztlich warten bis endlich eine wirklich einfachere und risikoarme Alternative entwickelt worden war: das erste genetisch hergestellte Humaninsulin.
Dazu wurde die notwendige genetische Information in das Erbmaterial von Bakterien eingeschleust, die dieses Hormon produzieren. Besonders die Gefahr einer weltweiten Insulinverknappung war damit gebannt.
Veränderungen der Insulintherapie
In den Anfangsjahren der Insulinbehandlung standen zunächst nur kurz wirkende Altinsuline zur Verfügung, bei denen der Patient mindestens alle acht Stunden eine neue Injektion benötigte. Ab 1930 wurde die Insulintherapie durch Einführung von Verzögerungsinsulinen grundlegend verändert. Ein scheinbarer Vorzug lag hierbei in der Verringerung der Tagesdosen. Die daraus entwickelte konventionelle Insulintherapie mit ein- bis zweimaliger Injektion von Verzögerungsinsulinpräparaten galt aber schnell eher als unphysiologisch und nicht den Anforderungen der heutigen Abstimmung von Nahrungsaufnahme, Insulinbehandlung und körperlicher Bewegung entsprechend. Daher entschloss man sich eine Kombinationstherapie von Altinsulinen und Verzögerungsinsulinen zu entwickeln. Die Weiterentwicklung moderner Insulinpräparate und Insulinapplikationsformen (intensivierte konventionelle Insulintherapie, Insulin-Dosiergeräte) hat wesentliche Fortschritte in Richtung auf eine physiologischere Insulintherapie ermöglicht. So können viele Diabetiker heutzutage ein normales Leben führen.
Pens und Pumpen erleichtern das Leben
In den 80er Jahren wurde eine weitere, bis heute bewährte Therapiehilfe eingeführt. Der sogenannte Pen ersetzte, die vielen so angsteinflößende Nadel bei der Insulininjektion. Ein weiterer Vorteil war die einfache Handhabung und die Möglichkeit einer genaueren Dosierung, so dass die Gefahr einer Überdosierung nicht mehr bestand. Gerade für ältere Menschen entstand durch die Pens eine echte Hilfe im Umgang mit ihrer Krankheit.
Genauso wie der Pen bieten seit Jahren sogenannte Insulinpumpen eine echte Hilfe für den Alltag. An Katheter angeschlossene Pumpen regeln nämlich über den ganzen Tag verteilt automatisch die Insulingabe an den Körper und erhalten den Insulinspiegel damit aufrecht. Die Forschung abreitet hier immer weiter an Verbesserungen. Mittlerweile sind diese Geräte so klein, dass sie agr nicht weiter auffallen, hinzu kommt, dass immer feinere Einstellungen bei der Insulinabgabe möglich sind, so dass auf individuelle Ereignisse, wie Sport oder die Menstruation, besser reagiert werden kann.
Die Forscher arbeiten derzeit weiter daran, die Diabetestherapie in ihren Möglichkeiten immer weiter zu optimieren. Man darf gespannt sein, auf welchem Stand wir uns schon in den nächsten Jahren befinden werden.
Lesen Sie weitere Artikel im D'GATE Monats-Special: