Erstellt am: 10.08.2004
Letzte Änderung am: 13.08.2004
Ein Tabuthema, dass "Mann" gerne unter den Tisch fallen lässt, ist die erektile Dysfunktion. In Zeiten, in der Leistung und Erfolg zählt, passt eine gestörte oder dauerhaft eingeschränkte Manneskraft nicht ins medial vermittelte Bild. Dabei leidet schätzungsweise jeder zweite Mann über 60 Jahren und jeder zwölfte Mann über 40 Jahren an einer erektilen Dysfunktion.Von einer erektilen Dysfunktion (ED) oder umgangssprachlich Potenzstörung ist die Rede, wenn sich Libido ("das Wollen") und Potenz ("das Können") nachhaltig verändert haben. Irrtümlich wurde lange Zeit angenommen, dass es sich dabei um eine Alterserscheinung handelt. Dabei hat fast jeder Mann gelegentlich mit einer Störung zu kämpfen. Auch Männer in den jüngeren Jahren sind betroffen. Erektile Dysfunktion bezeichnet nicht das einmalige Auftreten einer Störung bei der Durchführung des Geschlechtaktes, sondern eine dauerhafte Störung. Diese liegt vor, wenn sich der Prozess über Monate erstreckt. Die Ursachen sind häufig multipler Natur. Liegt eine längere Beeinträchtigung vor, sollte ein Urologe konsultiert werden.
Professionelle Hilfe ist gefragt
Die erste Anlaufstelle, der Urologe, kann in organischen Fragen weiterhelfen, für die Psyche bleibt häufig wenig Zeit. Das seit Januar 2004 in Deutschland einmalige Repotenz-Zentrum in Bad Liebenstein in Thüringen bietet ein Behandlungsprogramm, welches alle Facetten der Erkrankung erfasst. Das Zentrum soll und kann den Urologen nicht ersetzten, aber ergänzen. "Zu uns in das Repotenz-Zentrum kommen Männer, die oftmals eine lange Karriere mit frustrierenden Therapien hinter sich haben und noch einen letzten Versuch unternehmen wollen", erklärt Chefarzt Dr. med. Rainer Hartwich. Bei diesen Männern kann bereits von einer chronischen Störung gesprochen werde. Diese zu beheben bedarf viel Fingerspitzengefühl und einer multiplen Behandlung. "Potenzstörungen sind nur in Ausnahmefällen auf eine Ursache zurückzuführen. Bei den meisten Patienten fallen körperliche, psychosomatische, partnerschaftliche und soziale Aspekte zusammen oder bedingen einander", erklärt Dr. Hartwich. Die Behandlung im Repotenz-Zentrum beruht daher auf einem therapeutischen- und psychosomatischen Überbau.
Sechs Schritte zum Erfolg
Die Behandlung findet in sechs aufeinanderfolgenden Tagen im Repotenz Zentrum in Bad Liebenstein statt. Ein zehnköpfiges Team aus Physiotherapeuten, Psychologen und Medizinisch-technischen Assistenten kümmert sich um die durchschnittlich 10 Teilnehmer. Am ersten Tag findet eine Anamnese statt. Unter vier Augen wird gemeinsam mit dem Arzt die Situation und die bisher gemachten Erfahrungen des Betroffenen analysiert und ausgewertet. Danach erfolgt ein Basis- Check, der mögliche körperliche, psychische oder psychosomatische Störungen feststellen soll. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird ein Behandlungsplan für die kommenden sechs Tage zusammengestellt. Die Behandlung findet fast ausschließlich in kleinen Gruppen statt. "Das Gespräch und die Erkenntnis, dass man nicht allein mit seinem Problem zu kämpfen hat, ist unglaublich wichtig", erklärt Dr. Hartwich.
Das Basisprogramm stützt sich auf vier Pfeiler. Bei der Physiotherapie wird der Potenzmuskel durch gezielte Übungen im Beckenbereich gestärkt. Sport regt die Endorphinausschüttung an und erzeugt ein gutes Körpergefühl. Die Psychotherapie dient der Entspannung. Die Betroffenen sollen lernen, mit Versagensangst und Leistungsdruck umzugehen. Im Trancezustand löst die Tiefenentspannung Blockaden im Körper. Die Reise durch den Körper stärkt das Selbstvertrauen und soll helfen, die Ursachen der Potenzstörung zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren. Ein Highlight in den sechs Tagen ist die sogenannte erotische Situation. Unter Anleitung in der Gruppe erfahren die Teilnehmer, dass der eigene Körper erotisch ist und wie man in den Beziehungsalltag Erotik einbauen kann. An praktischen Beispielen wird gezeigt, was zu einem romantischen Abend gehört, wie man sich richtig kleidet und was erotische Küche ist!
Von nichts kommt nichts
Im Seminarteil werden jeden Tag alle Aspekte einer Potenzstörung angesprochen, wie es dazu kam, wie sich der Alltag zu Hause abspielt, welche möglichen Maßnahmen getroffen werden könnten. "Wir geben allen Teilnehmern das Rüstzeug mit auf den Weg. Hier erhalten sie alles was sie brauchen, um wieder potent zu sein. Zu Hause muss das Programm natürlich weiterbetrieben werden", so Dr. Hartwich. Nicht jeder Mann ist natürlich gleich wieder dauerhaft potent, aber wird die Therapie fortgeführt, stellt sich nach spätestens wenigen Wochen der Erfolg ein. "Bisher hat noch keiner nach der Therapie angerufen und sich beschwert", sagt Dr. Hartwich. Die Erfolgszahlen sprechen für sich. Etwa 80 bis 85 % sind nach Aussage von Dr. Hartwich in wenigen Wochen wieder potent, zum Teil auch mit Hilfsmitteln. Auch Diabetiker haben bereits das Programm ausprobiert. "Eine Kausalität zwischen Potenzstörung und Diabetes lässt sich nicht immer herstellen. Teilnehmer mit Diabetes orientieren sich ebenfalls genau an dem Behandlungsprogramm", erklärt Dr. Hartwich. Wichtig ist, dass das gewonnene Wissen zu Hause fortgesetzt wird. Die Behandlung soll den Teilnehmern im weiteren Verlauf als Orientierung und Stützte dienen.
Weiterführende Informationen:
Diabetesbedingte Erektionsstörungen
Autor: Steffi Dörries
Quelle:
Das Interview wurde am 04.08.2004 geführt.
www.repotenz-zentrum.de